Von Holger Luhmann und Mathias Frohnapfel

München - Als Marco Reus Borussia Dortmund beim FC Bayern mit einem wuchtigen Kopfball in Führung gebracht hatte, legte er sich demonstrativ die Hände auf die Ohren.

Etwas später, nach der 1:2-Niederlage, ließ er sich von Dortmunds Chef-Scout wortlos vorbei an den wartenden Journalisten zum Mannschaftsbus geleiten. (Nachbericht: Dortmunder Frust und Münchner Häme)

Nichts hören, nichts sagen. Indem Reus zwei der drei Affen aus der buddhistischen Lehre imitierte, signalisierte er deutlich: Lasst mich mit dem ganzen Affentheater doch in Ruhe.

Watzke spricht von "Gequatsche"

Mit dem Affentheater - oder "Gequatsche", wie es BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im "Volkswagen Doppelpass" auf SPORT1 nannte - sind all die Spekulationen um einen möglichen Abschied von Reus im Sommer gemeint.

Dass Reus eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2017 laufenden Vertrag besitzt und den BVB für 25 Millionen Euro verlassen kann, hatte ja pikanterweise Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ausgeplaudert - der seitdem das Interesse der Münchner in regelmäßigen Abständen bekundet und so für Unruhe in Dortmund sorgt.

Rummenigges Vorgehen, das Watzke als Heuchelei und niveauloses Verhalten eingestuft hat, ist eine Sache.

Doch Reus selbst ist nicht unschuldig an der Situation.

Optionen für Liebeswerben

Die Ausstiegsklausel in Reus' Vertrag hat Watzke als damaligen "Dealbreaker" bezeichnet.

Soll heißen: Ohne diese Klausel wäre Reus 2012 nicht von Mönchengladbach nach Dortmund gewechselt.

Die Frage darf folglich gestellt werden, ob es "echte Liebe" gemäß des Dortmunder Mottos ist, wenn sich Reus ausdrücklich Optionen für das Liebeswerben anderer Klubs offen gehalten hat.

Vor zwei Jahren hat sich Reus ja noch gegen die Bayern und für Dortmund entschieden. Doch der Eindruck liegt nahe, dass er die Borussia schlicht als eine weitere Stufe auf seiner Karriereleiter ansieht. Als Zwischenschritt.

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"Entwicklung seiner Karriere"

Ein Eindruck, den Watzke eher befeuerte.

Reus werde bei seiner Entscheidung auf die "Entwicklung seiner Karriere achten", erklärte Watzke und ließ Skepsis durchblicken. Denn ohne die Qualifikation für die Champions League sei es "deutlich schwerer", den Nationalspieler zu halten. Die aktuelle sportliche Situation sei für die Bemühungen des BVB eher "gegenläufig".

Das kann man so sagen. Fünf Bundesliga-Niederlagen in Folge und der schlechteste Start der Klubgeschichte sind nicht gerade Argumente für den Geist eines Fußball-Profis, der sich mit seiner Zukunftsplanung beschäftigt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Sehnsucht nach einem Titel

Dass Reus mit seinen 25 Jahren noch keinen Titel gewonnen hat - wegen der unglücklichen Verletzung vor der WM auch nicht den des Weltmeisters - macht einen Verbleib in Dortmund nicht wahrscheinlicher.

Da kann Watzke noch so sehr die "enge Bindung" von Reus "zu seiner Heimatstadt Dortmund und zum Verein" betonen.

Da kann sich Reus noch so inbrünstig, wie in München nach dem erst zweiten Kopfballtor seiner Karriere, auf das Vereinswappen auf seiner Brust klopfen. (

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Zumal Watzke selbst bekannte: "Wir können uns auf keinem Bieterwettbewerb mit dem FC Bayern oder Real Madrid einlassen."

"Willkommen in deinem neuen Zuhause"

Und so muss der BVB nach Mario Götze und Robert Lewandowski den dritten Abgang eines Stars nach München befürchten.

Die Bayern-Fans hießen Reus am Samstag schon willkommen.

Mit einem Plakat: "Marco, willkommen in deinem neuen Zuhause".

Zuneigung zum FC Barcelona

So weit ist es noch nicht.

Mit einem Bekenntnis zum BVB würde sich Reus auf Jahre zur schwarz-gelben Identifikationsfigur aufschwingen. Und nebenbei ein wichtiges Zeichen für seine Mitspieler setzen.

Beim FC Bayern ist er als Nachfolger für den allmählich in die Jahre kommenden Franck Ribery vorgesehen.

Doch neben Dortmund und München hat Reus auch die Möglichkeit, ins Ausland zu wechseln. Sprich nach England oder Spanien.

Klopp ärgert "unsensibles Verhalten"

Fakt ist: Den Dortmundern hängt das Thema inzwischen zum Hals heraus.

Im Interview im "ZDF" machte Trainer Jürgen Klopp aus seiner Verärgerung über die Frage nach Reus keinen Hehl und warf seinem Gegenüber "unsensibles Verhalten" vor.

Die Krise und die Causa Reus zehren am Nervenkostüm.

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