Hallo Fußball-Freunde,

Borussia Dortmund war in München in der ersten Halbzeit auf Augenhöhe, dann sind sie körperlich eingebrochen. Mats Hummels hat dem BVB gefehlt, und bei Neven Subotic hat man gesehen, dass er lange nicht gespielt hat. Beim ersten Gegentor war er schuldlos, aber vor dem Elfmeter war es ein kapitaler Abwehrfehler.

Die Bayern haben in der zweiten Halbzeit mehr Willen und Mentalität reingebracht, die Dortmunder haben versucht, das Ergebnis zu verwalten. Das funktioniert aber in München nicht.

Ich frage mich, warum Jürgen Klopp nicht früher gewechselt hat, um vorne für Entlastung zu sorgen. Ich kann als Trainer nicht damit rechnen, dass in der zweiten Halbzeit nichts passiert.

Die Bayern haben einen enormen Druck aufgebaut, vor allem durch Arjen Robben und Franck Ribery. Ich muss diese Leute vom Strafraum weghalten. Das schaffe ich aber nur, wenn ich für Entlastung sorge. Wenn meine Mannschaft keinen Ball mehr nach vorne spielt, muss etwas passieren.

Der BVB steht jetzt auf einem Abstiegsplatz, aber die Mannschaft hat genügend Potenzial und wird sich schon wieder da unten herausziehen. Wenn die Dortmunder so spielen wie in der ersten Halbzeit und körperlich noch ein bisschen zulegen, werden die Ergebnisse auch wieder kommen.

Die Champions League ist noch nicht außer Reichweite. Der Rückstand auf Platz vier beträgt zehn Punkte. Die sind in 24 Spielen aufzuholen.

Was die ständigen Kommentare und Sticheleien der Münchner und Dortmunder Verantwortlichen über einen möglichen Wechsel von Marco Reus betrifft: Die gehen bei mir ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder heraus.

Bayern hat ganz andere Möglichkeiten als Dortmund. Wenn ein Spieler in einem anderen Verein das Doppelte verdienen kann, muss er nicht mehr groß nachdenken.

(Volkswagen Doppelpass: Watzke wirft Rummenigge Heuchelei vor).

Wenn ein Spieler wie Reus auf den Markt kommt, ist es doch legitim, ihn lieber in Deutschland zu halten als dass er ins Ausland geht. Auf der anderen Seite weiß der BVB, dass Reus ohne die Ausstiegsklausel damals den Vertrag nicht unterschrieben hätte.

Man muss auch ein bisschen differenzieren. Klar ist Reus ein außergewöhnlich guter Spieler, aber das Geschick besteht darin, die Lücken qualitativ zu schließen, wenn gute Spieler gehen. Bei Robert Lewandowski war es schwer, aber man hat ja überlegt, das Spielsystem anzupassen, zum Beispiel mit zwei Spitzen zu spielen. Doch das ist bisher nicht passiert.

Der Trainer ist für das Spielsystem zuständig, für die Transferpolitik die Vereinsführung.

Wenn ich den Kader umbauen will, muss ich das Ding auch mal konsequent durchziehen. Vielleicht auch mit der Folge, dass man mal ein Jahr nicht in der Champions League spielt. Man sollte es wenigstens versuchen, anstatt nur halbe Sachen zu machen.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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