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Alvaro Dominguez wechselte 2012 von Atletico Madrid zu Borussia Mönchengladbach

Von Reinhard Franke

München - Als Alvaro Dominguez 2012 von Atletico Madrid zu Borussia Mönchengladbach wechselte, sollte er gleich in die Fußstapfen seines beliebten Vorgängers passen.

Dessen Name: Dante. Der Brasilianer war gerade zu Bayern München gewechselt und hinterließ eine große Lücke in der Defensive des VfL.

Doch die Verantwortlichen waren zuversichtlich, in Dominguez den richtigen Nachfolger gefunden zu haben.

Ursprünglich für die Innenverteidigung eingeplant, überzeugte der Spanier Trainer Lucien Favre mit der Zeit aber immer mehr als Linksverteidiger. Inzwischen ist der 25-Jährige auf dieser Position nicht mehr wegzudenken.

Vor dem Spiel bei Borussia Dortmund (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) spricht Dominguez im SPORT1-Interview über die Gladbach, den BVB und Favre.

SPORT1: Herr Dominguez, Sie spielen seit 2012 in Mönchengladbach. Mit welchen Gefühlen schauen Sie zurück?

Alvaro Dominguez: Der Start war damals sehr schwer, weil ich alleine nach Deutschaland kam und die Sprache nicht konnte. Die ganze Mentalität war mir fremd. Aber ich hatte die Chance bei Borussia zu spielen und war neugierig auf eine neue Herausforderung. Ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut. Ich habe mich Stück für Stück in mein neues Leben eingefunden, habe neue Freunde kennengelernt, wohne heute in Düsseldorf und es geht mir gut. Bis ich mich etwas heimisch gefühlt habe, dauerte es zwei, drei Monate. Heute bin ich sehr glücklich bei Borussia.

SPORT1: Sie sprechen inzwischen sehr gut deutsch. Wie kommt das?

Dominguez: Ich wollte nach Deutschland kommen, um eine neue Sprache zu lernen. Nicht nur, um mich im Fußball zu verständigen, sondern weil es ein Ziel von mir war nach Spanisch, Englisch, Französisch eine weitere Sprache zu können. Ich hatte im ersten Jahr eine Lehrerin und sie hat mir die Fußballsprache näher gebracht. In diesem Jahr kann ich mich mit den Kollegen und dem Trainer gut unterhalten. Egal, ob du es erst mal falsch machst, aber wenn du deutsch spricht, dann lernst du jeden Tag dazu.

SPORT1: Sie sind als Innenverteidiger geholt worden, das haben Sie auch in Madrid gespielt. Wie kommt es, dass Sie jetzt als Linksverteidiger so wertvoll sind?

Dominguez: Meine ursprüngliche Position war immer Innenverteidiger. Aber ich konnte schon immer sehr gut links hinten spielen, weil ich da viel mehr Freiraum habe. Ich kann dort gut das Spiel von hinten mit aufbauen, Pässe spielen und dennoch defensiv arbeiten. Links hinten fühle ich mich wohl und da bin ich sehr wertvoll für Borussia.

SPORT1: Stimmt es, dass Sie zwischendurch weg wollten?

Dominguez: Ich hatte sehr gute Angebote von internationalen Topvereinen. Aber ich habe dann gar nicht lange darüber nachgedacht, weil es mit Borussia immer besser lief. Heute bin ich froh, dass ich geblieben bin. Wenn du mit dem Verein Erfolg hast, warum musst du dann wechseln? Natürlich ist es etwas anderes, wenn du mit deinem Team im Mittelfeld stehst, aber wir sind oben dabei. Wir haben eine tolle Mannschaft und haben das Ziel Champions League vor Augen. Das wäre natürlich ein Traum, weil ich nach Deutschland gekommen bin, um mit Borussia in der Königsklasse zu spielen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Ihr Kollege Martin Stranzl spricht plötzlich mutig vom Titel. Sie auch?

Dominguez: Meister zu werden wird extrem schwer. Da sind die Bayern schon noch ein Stück näher dran. Die Münchner sind einfach überall top besetzt. Wir aber können vielleicht die Schwächen anderer Klubs nutzen und Platz zwei oder drei sichern. Wir haben eine sehr gute Truppe und einen tollen Trainer. Außerdem sind wir eingespielt. Wir wissen in jedem Moment, was zu tun ist.

SPORT1: Was macht Borussias Erfolg in dieser Saison aus?

Dominguez: Wir spielen anders als letzte Saison. Wir sind gefährlicher bei Kontern, weil wir die Spieler dazu haben. Unsere Neuen sind im Sommer alle eingeschlagen. Wir verteidigen alle konsequent, aber nach vorne geben wir richtig Gas mit unseren schnellen Spielern wie Andre Hahn, Raffael, Ibrahima Traore oder Patrick Herrmann. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

SPORT1: Der Vater des Erfolgs ist Lucien Favre. Was macht ihn aus?

Dominguez: Er ist ein großer Trainer und ein richtiger Taktik-Fuchs. Wir schauen vor jedem Training 20-30 Minuten Videos von unserem letzten Spiel. Favre korrigiert uns und macht das taktisch einfach unglaublich gut. Für ihn sind Kleinigkeiten sehr wichtig. Das Wichtigste: Er ist erfolgreich und daher glauben wir ihm alles. Wir sind eine taktisch sehr gute Mannschaft, wie man gegen Schalke und gegen Bayern gesehen hat. Es ist nicht einfach uns zu schlagen.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu Favre?

Dominguez: Herr Favre ist der Chef und ich bin der Spieler, der der Mannschaft immer helfen will. Der Trainer macht das einfach gut, er ist nie ganz offen zu uns Spielern, aber auch nicht verschlossen und kalt. Er findet immer einen guten Mittelweg. Und der Erfolg zeigt, dass er alles richtig macht.

SPORT1: In Spanien kommt man offenbar nur in die Nationalmannschaft, wenn man beim FC Bayern, in Spanien oder bei einem Champions League-Klub spielt Ist das auch ein Grund, warum sie so schnell wie möglich mit Gladbach in die Königsklasse wollen?

Dominguez: Na klar. Ich hatte zuletzt eine Chance für eine Nominierung, weil der Nationaltrainer (Vicente del Bosque, Anm. d. Red.) die guten Leistungen von Borussia verfolgt, aber dann wurde ich wieder ausgeladen. Darüber war ich schon enttäuscht, aber ich muss weiter hart arbeiten und auf meine Chance warten. Im Moment haben nur Spieler von Bayern oder Manchester City eine Chance. Ich gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf. Für einen Spanier ist es schließlich das Größte für sein Land zu spielen.

SPORT1: Gladbach kann den BVB in den Abgrund stürzen. Wie schwer wird das Spiel?

Dominguez: Natürlich wollen wir gewinnen und es ist mir egal, ob Dortmund oben oder unten steht. Es wird aber ein ganz schweres Spiel. Die Dortmunder haben trotz des aktuellen Tabellenstandes in der Liga wunderbare Spieler in ihren Reihen. Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan sind alles klasse Jungs. Ganz ehrlich? Die Dortmunder werden da raus kommen und am Ende der Saison wieder oben stehen. Es wird aber nicht einfach, die Moral hoch zu halten. Wir haben eine gute Chance, weil Dortmund nicht so viel Selbstvertrauen hat. Das werden wir versuchen auszunutzen.

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