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Für Armin Veh, Junior Malanda und Borussia Dortmund verlief die Saison bislang alles andere als gut

München - Dicke Patzer, peinliche Pannen, schwere Krisen - die Bundesligasaison 2014/15 ist voller Flops. SPORT1 verschafft einen Überblick.

Von Jonas Austermann

Elf Spieltage sind rum, die Winterpause naht. Neben Aufregern (BERICHT: Diese Aufreger halten die Liga in Atem) bietet die Bundesliga-Saison auch eine Menge Flops.

Junior Malandas Fehlschüsse zum Saisonstart bleiben in Erinnerung, ebenso wie die bislang historische Harmlosigkeit des HSV vor dem Tor oder der Abgesang der eigentlichen Jäger des FC Bayern. SPORT1 blickt auf die größten Enttäuschungen der bisherigen Spielzeit.

• Nicht ein Torschuss

An der Weser kriselt es seit Jahren. Große Champions-League-Abende gehören der Vergangenheit an.

Brillierte früher noch die Offensive von Werder Bremen, ist zeitweilig selbst davon nichts mehr übrig. Am 8. Spieltag bringen es die Bremer beim 0:6 in München nicht auf einen Torschuss - ein Novum seit Beginn der Datenaufzeichnungen 1993.

Geschäftsführer Thomas Eichin verlieh der Mannschaft hinterher im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 das Prädikant "nicht bundesligatauglich".

Zudem verkommt die Defensive zur Schießbude. 24 Tore kassiert Werder in elf Spielen - nur der VfB Stuttgart ist schlechter. Die Demission des damaligen Cheftrainers ist nur eine Frage der Zeit - am 25. Oktober ist Robin Dutt schließlich seinen Job los. Mit Viktor Skripnik übernimmt ein Bremer Urgestein und holt drei Siege.

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• Ein verhinderter Torjäger 

Junior Malanda vom VfL Wolfsburg muss nach seinem Fauxpas im Auftaktspiel zur Saison mächtig einstecken.

79 Minuten sind in München gespielt, als er sich einen sensationellen Fehlschuss leistet und den Ball am leeren Tor vorbeistolpert. Aus nicht einmal einen Meter Entfernung.

Doch der 20-Jährige setzt nur eine Woche später einen drauf. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt scheitert der Belgier aus fünf Metern kläglich.

"Mittlerweile kann ich darüber lachen, kurz nach dem Frankfurt-Spiel war mir danach nicht zumute", sagt er später.

• Bayernjäger in Not 

Die Hoffnungen vieler Fußballfans auf eine spannende Saison ruhen auf den Ambitionen von Borussia Dortmund - eigentlich.

Doch im Pott ist die Ernüchterung diesmal groß. Die Borussia schlittert in eine handfeste Ergebniskrise. Fünfmal in Folge geht das Team von Chefcoach Jürgen Klopp als Verlierer vom Rasen - es ist der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte.

"Wir haben viele Baustellen und viele Spiele selbstverschuldet verloren. Das ist natürlich beschissen", meint Klopp zerknirscht.

Vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach steht der vermeintliche Meisterschaftsanwärter sogar vorübergehend am Tabellenende. Die Problemzonen sind vielfältig: Robert Lewandowski lässt sich im Sturm nicht ersetzen, die Abwehr ist instabil. Individuelle Aussetzer sorgen für schlechte Stimmung.

"Es ist wie verhext. Ich glaube, dass das, was man sich vorgenommen hat, nicht mehr realisierbar ist", sagt Weltmeister Mats Hummels.

• Die Balance fehlt

Und auch Bayer Leverkusen patzt: Mit Roger Schmidt übernimmt im Sommer ein Offensivfan die Werkself.

Das aggressive und permanente Pressing prägt seine Taktik. Doch es macht Bayer anfällig. Überrumpelt das Team nicht nur den BVB anfangs mit dieser Vorgabe, stellen sich Gegner nach und nach erfolgreich auf die Leverkusener ein.

Auch die Torgefahr in Person schwächelt: Seit 814 Minuten ist Stefan Kießling in der Bundesliga ohne Treffer. "Ich habe schon andere Situationen überstanden", sagt der 30-Jährige.

Doch: Mal erwischt die Offensive einen Sahnetag, dann gleicht die Abwehr einem Torso. Bayer fehlt die richtige Balance.

• Veh kommt, die Krise bleibt

Armin Veh reckt die Meisterschale in den Stuttgarter Abendhimmel.

Sieben Jahre ist das mittlerweile her. Damals führt der heute 53-Jährige den VfB Stuttgart zum größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.

Erinnerungen werden wach als der frühere Frankfurter Coach in Bad Canstatt wieder übernimmt, Hoffnungen erblühen. Doch es kommt alles anders: Die meisten Gegentreffer, Erstrundenaus im Pokal und Tabellenplatz 18 in der Liga - der vermeintliche Veh-Effekt setzt nie ein. Den Schwaben droht mehr denn je der Abstieg. Und Sportdirektor Fredi Bobic ist Geschichte.

• Im Norden nichts Neues

Wie Stuttgart kommt auch der Hamburger SV in der vergangenen Saison mit dem Schrecken davon.

Gönner Klaus-Michael Kühne stellt viele Millionen zur Verfügung, damit dies ja nicht wieder passiert. Doch besser wird es nicht. Trainer Mirko Slomka muss früh gehen.

Für ihn kommt in Joe Zinnbauer Mitte September der nächste Hoffnungsträger.

Der neue Coach stabilisiert den Bundesliga-Dino vorübergehend, holt Erfolgserlebnisse gegen Bayern, Dortmund und Leverkusen. Vorletzter ist der HSV trotzdem.

Gerade vor dem Tor geht wenig, bis gar nichts. Erst am 6. Spieltag fällt beim 1:2 gegen die Eintracht das erste eigene Tor. Keine Profimannschaft in Deutschland ist bis zu diesem Zeitpunkt harmloser. Die Angst vor der Zweiten Liga ist allgegenwärtig.

• Die Fehlentscheidungen

Auch die Referees bleiben von Kritik nicht verschont. Klare Fehlentscheidungen und technische Pannen sorgen für Unmut.

Eintracht Frankfurt erwischt es besonders hart. Gleich drei Elfmeter werden dem Team von Thomas Schaaf verwehrt. Peinlich wird es am dritten Spieltag: Schiedsrichter Manuel Gräfe übersieht im Spiel der Hessen gegen den FC Augsburg einen Klammergriff.

Der vierte Offizielle will ihn auf das Vergehen aufmerksam machen, doch die Technik streikt. Mikrofon und Kopfhörer funktionieren nicht. "Das passt ins Bild der letzten Wochen", klagt Sportdirektor Bruno Hübner.

• Frust bei Königsblau

Seit Monaten wird über einen anstehenden Rauswurf von Jens Keller gemutmaßt, am 7. Spieltag ist es soweit.

Roberto Di Matteo heißt die große Lösung. 2012 wird der Schweizer mit dem FC Chelsea gegen den FC Bayern in München Champions-League-Sieger.

Doch er muss erkennen, dass auf Schalke vieles im Argen liegt. Drei der sechs Partien unter seiner Regie gehen verloren. Schön ist der Fußball der Gelsenkirchener auch nicht anzuschauen. Doch statt die Probleme in Angriff zu nehmen, gibts weiter verbale Haue für den Ex-Coach.

Die Selbstwahrnehmung leidet offenbar.

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