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Uli Hoeneß steht mit Karl-Heinz Rummenigge in der Kabine des FC Bayern München

München - Uli Hoeneß soll ab Januar Freigänger sein und für den FC Bayern arbeiten. Seine Rolle beim Klub muss neu definiert werden.

In Uli Hoeneß' Büro ist die Zeit stehen geblieben. Persönliche Bilder und die Rattan-Möbel schaffen eine Wohlfühl-Atmosphäre. Es fehlt weiterhin: ein Computer.

Anfang Januar darf Hoeneß den Raum an der Säbener Straße wieder betreten. Nach dann sieben Monaten in der Justizvollzugsanstalt Landsberg wäre dies ein erster Schritt zurück ins zivile Leben (Mehr zum Thema Uli Hoeneß, Do., ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell).

Am Mittwoch gab der FC Bayern bekannt, dass Hoeneß ab Januar einen Job bei seinem Klub erhält. Der 62-Jährige bekommt einen Posten in der Jugendabteilung. Ein fester Arbeitsplatz ist Voraussetzung für Hoeneß' Zukunft als Freigänger.

"Wir hoffen, dass er im Januar, an welchem Tag auch immer, anfangen kann. Für ihn wäre das eine unheimliche Erlösung, wenn er hier wieder in einen anderen Rhythmus reinkommt und wieder unter uns sein wird", betonte Bayern-Präsident Karl Hopfner.

Zweifel bei Hopfner

Er bezweifelt jedoch, dass sein Vorgänger demnächst ein Leben führt wie vor der Inhaftierung. "Ich glaube persönlich nicht, dass es für Uli Hoeneß nach der schwierigen Zeit so weitergeht wie vorher", sagte Hopfner zuletzt im SPORT1-Interview.

Bevor erste Details zur Steuerhinterziehung ans Licht kamen, war Hoeneß das Sprachrohr des FC Bayern. Seine Worte hatten im Verein Gesetz.

Wenn er Christoph Daum, Louis van Gaal, Lothar Matthäus oder wen auch immer attackierte, dann klatschten viele Leute Beifall.

Hoeneß fädelte die großen Transfers ein und entschied in Trainerfragen.

Guardiola will seine Wunschspieler

Die Zeit dürfte vorbei sein. Coach Pep Guardiola lässt sich bei Verpflichtungen ungern reinreden. Er pochte im Sommer drauf, Torwart Pepe Reina zu holen. Guardiola bekam seinen Wunsch erfüllt, auch wenn einige der Bayern-Oberen diesen Transfer für unnötig hielten.

Zudem hat sich in der Zeit nach Hoeneß das Verhältnis zur Konkurrenz verändert. Der gebürtige Ulmer zoffte sich leidenschaftlich gerne, hielt sich aber stets an die Spielregeln.

So sieht es zumindest Hans-Joachim Watzke. "Uli Hoeneß kam immer von vorne und mit offenem Visier. Das hat mir gefallen. Er hatte eine gesunde Streitkultur", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer bei seinem Besuch im Volkswagen Doppelpass.

Grollen aus Dortmund

Nun, da Karl-Heinz Rummenigge der starke Mann bei den Bayern ist, hat Watzke einen Stilwechsel vernommen. Spätestens seit der Vorstandsvorsitzende über Dortmunds Marco Reus' Vertragsklausel sprach, grollen die Westfalen.

"Ich würde mich doch nie über Vertragsinhalte von Bayern München äußern. Das macht man doch nicht", erklärte Watzke.

Er würde deshalb Hoeneß' Rückkehr an die Bayern-Spitze begrüßen. Ob dieser Wunsch realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Einen Platz im Aufsichtsrat wird er als verurteilter Straftäter wohl nicht einnehmen. Dafür wäre eine Rückkehr ins Präsidium denkbar. "Wir haben einen Souverän, die Mitglieder, die werden entschieden", sagte Hopfner zu diesem Thema.

Der FCB-Präsident wird am kommenden Freitag gewiss weitere Fragen zu Hoeneß beantworten: Dann steht im Audi Dome die Jahreshauptversammlung auf dem Programm.

Hopfner und Rummenigge können den Mitgliedern neue Rekordzahlen verkünden. Die Bayern werden die Umsatzgrenze von einer halbe Milliarde Euro knacken.

Arena ist abbezahlt

Rummenigge verkündete vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim zudem, dass der Rekordmeister die kompletten Kosten für die Arena abbezahlt hat. Der Verein hat die nötigen 346 Millionen Euro erwirtschaftet. Das sah der Zeitplan eigentlich erst in 16 Jahren vor.

So kann Hoeneß sich demnächst voller Stolz auf seinen Platz setzen. Die Rolle als Oberfan wird er mit Sicherheit wieder einnehmen.

Seine nächste Bundesliga-Partie könnte Hoeneß am 14. Februar im Stadion erleben. Zuvor spielen die Bayern auswärts oder wochentags. Und bei einem Abendspiel muss der Freigänger Hoeneß wieder im Gefängnis sein.

Somit ist die Partie beim Hamburger SV wahrscheinlich Hoeneß nächster Schritt zurück ins zivile Leben.

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