München - Hans-Joachim Watzke schwört den BVB auf einen Abstiegskampf ein. Die Gefahr ist real. Das beweist ein Blick in die Statistik.

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Auch nach der Länderspielpause kommt Borussia Dortmund nicht in Tritt. Im Gegenteil: Gegen den SC Paderborn verspielten die Westfalen einen Zwei-Tore-Vorsprung.

Zudem verletzte sich Marco Reus einmal mehr schwer. Der BVB-Topscorer wird seinem Team in diesem Jahr nicht mehr spielen.

So steht das Team von Jürgen Klopp weiter hinten drin: Auf dem Relegationsplatz hat die Borussia nur zwei Zähler Vorsprung auf den Tabellenletzten.

Aktuell müsste der Vizemeister der Vorsaison im Juni gegen Darmstadt 98 zwei Spiele um den Klassenerhalt bestreiten.

Dabei ist die Tabelle nach zwölf Spieltagen längst mehr als eine bloße Momentaufnahme. Dortmund steckt mitten im Abstiegsrennen.

SPORT1 nennt fünf Gründe, warum selbst der BVB nicht vor dem Horrorszenario Abstiegskampf gefeit ist.

• Die Abhängigkeit von Marco Reus

Grund Nummer eins ist 1,80 Meter groß und 25 Jahre alt. Er ist in Dortmund geboren und hat ein verschmitztes Lächeln als Markenzeichen. Marco Reus ist Borussias X-Faktor. In den vergangenen acht Pflichtspielen ist er an sieben Toren beteiligt.

Noch wichtiger ist seine pure Präsenz auf dem Platz. Mit seiner Explosivität und Dynamik bindet er ganze Abwehrformationen.

Der Gegner ist mehr mit Reus beschäftigt als mit dem eigenen Spielaufbau. Doch seit Juni verfolgt ihn das Verletzungspech. Nun fehlt Reus der Borussia nach dem Foul des Paderborners Marvin Bakalorz die restliche Hinrunde. Das Außenband im Sprunggelenk ist gerissen.

Der BVB mit oder ohne Reus - das sind zwei Paar Schuhe.

• Von der Bank kommt zu wenig

Wohl dem, der auf solche Ausfälle adäquat reagieren kann. "Bei uns müssten sich alle 20 Spieler im Kader das Kreuzband reißen, als dass uns sowas zurückwerfen würde", meint der Münchner Thomas Müller in der "ARD" auf die Verletzung seines Kapitäns Philipp Lahm beim FC Bayern.

Die Borussia, einst auf einem Niveau mit dem Rekordmeister, kann diese Gelassenheit nicht zur Schau tragen. Henrikh Mhkitaryan, Mittelfeldstratege und Ballvirtuose, etwa unterliegt extremen Leistungsschwankungen. Nicht nur er. Die anfällige Defensive bedarf dringender Impulse.

Doch weder Adrian Ramos für den Sturm, noch Weltmeister Matthias Ginter für die Abwehr können mehr Durchschlagskraft respektive Stabilität verleihen. Ramos oder Ciro Immobile - wer von beiden auch reinkommt, es ist zu wenig. Zusammen bringen sie es nur auf vier Tore in der Bundesliga. Zu wenig für den Abstiegskampf.

• Die Abwehr krankt

In nur einem der bisher zwölf Ligaspiele bleibt Dortmund ohne Gegentreffer: beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach. 19 Gegentore hat der BVB bereits kassiert. Nur fünf Mannschaften weisen einen schlechteren Wert auf. Die Baustellen sind vielfältig.

Zuletzt kommt eine eklatante Schwäche nach Standards hinzu. Drei der vergangenen fünf Gegentreffer fallen nach einem Eck- oder Freistoß. Individuelle Fehler durchziehen das Spiel. Roman Weidenfeller und Lukasz Piszczek verschätzen sich gegen den 1. FC Köln und lassen Simon Zoller gewähren.

Gegen die Bayern kann Neven Subotic mit Franck Ribery nicht annähernd Schritt halten, reißt den Franzosen im eigenen Sechzehner um. Nur der ewig stoische Grieche Sokratis wirkt auf der Höhe. Hinzu kommt der Ausfall des eigentlichen Abwehrchefs. Mats Hummels setzt eine Bänderdehnung nach wie vor außer Gefecht.

• Die Anfälligkeit nach der Pause

Wäre dies nicht schon Anlass zur Sorge genug, ist mittlerweile auch der Schlendrian permanenter Gast im Spiel des Vizemeisters. Zwölf Gegentore kassiert die Borussia in den letzten 30 Minuten.

Das ist Ligahöchstwert. In der letzten Viertelstunde sind es sechs Gegentore. Zuletzt verspielt das Team gegen Aufsteiger SC Paderborn vermeintlich ohne Not ein 2:0 nach dem Seitenwechsel. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke wird auf der Aktionärsversammlung deutlich und spricht sogar von "Verwaltungsfußball".

• Neuland Abstiegskampf

Dass mancher in der Mannschaft den Ernst der Lage nicht erkennt, ist offenbar die größte Gefahr. Watzke zeigt sich nach dem Spiel in Paderborn enttäuscht darüber, dass das Team das Spiel zuerst souverän dominiert, "um dann in der Erwartung eines möglicherweise sicheren Sieges in den Verwaltungsmodus zu schalten".

Dies, daran lässt er keinen Zweifel, stört ihn gewaltig. "Das können wir uns als Borussia Dortmund in der jetzigen Situation nicht leisten. Da müssen wir nachsetzen, so wie Ihr das früher gemacht habt", sagt der 55-Jährige.

Auf jedem Flughafen dieser Welt würden die Leute zu ihm sagen, schildert er, dass sich die Borussia keine Sorgen zu machen brauche. "Glaubt das nicht immer, bitte!", sagt er in Richtung der Spieler.

Er spricht von Verschulden, Verantwortung und Konzentration. Es wirkt, als müsse er mit Nachdruck mahnen, weil es nicht jeder kapiert. Es ist diese große Gefahr, die die Borussia dem Horrorszenario bedenklich nahe bringt.

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