München und Stuttgart - Nach 199 Tagen kehrt Huub Stevens zum VfB Stuttgart zurück. Seinen Tatendrang hatte er schon bei SPORT1 unter Beweis gestellt.

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Der Fußball ist schnelllebig, Huub Stevens hat es mal wieder gemerkt in diesen Tagen.

Am Sonntag erst hatte der 60 Jahre alte Coach im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 über seine Zukunftsvorstellungen gesprochen, noch ganz vage. "Es fängt wieder an zu kribbeln", hielt er fest und strich dabei über seinen grauen Anzug.

Keine 48 Stunden später war der Anzug schon wieder gegen Trainingskluft ausgetauscht: Der VfB Stuttgart hat den Niederländer als Retter engagiert, wie schon in der Vorsaison. Noch einmal soll der erfahrene Coach den Klassenerhalt sichern.

Bernd Wahler, Präsident des VfB, hatte nach dem Rücktritt von Armin Veh bei Stevens angerufen und gefragt, ob er bereit stehe. Dessen Antwort: "Hast du den Doppelpass nicht gesehen?"

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Zeit bis Freiburg drängt

Stevens' Tatendrang ist Wahlers Glück, denn die Zeit bis zum Auswärtsspiel beim SC Freiburg drängte - und der Niederländer ist aus Sicht des Klubchefs der rechte Mann zur rechten Zeit.

"Huub Stevens hat den Riesenvorteil, dass er den Großteil der Mannschaft, den Verein und das Umfeld kennt. Wir sind überzeugt, dass es zu 100 Prozent passt", sagte er.

199 Tage Auszeit

Stevens präsentierte sich nach 199 Tagen mit "viel Zeit für die Familie und die Enkel" entspannt.

"Ich freue mich auf diese Herausforderung und darauf, dass ich nach einigen Monaten Urlaub wieder im Geschäft bin. Ich bin wieder da. Es kitzelt wieder", sagte er und fügte lächelnd hinzu: "Meine Frau hat auch gesagt: Es wird wieder Zeit."

Stevens wollte bei der Pressekonferenz keine Zeit verlieren. Denn um 15 Uhr stand schon die erste Trainingseinheit auf dem Programm. Er sah seine alten Spieler wieder. Auch Profis wie Timo Werner, Moritz Leitner oder Alexandru Maxim, auf der er vergangene Saison im Abstiegskampf nur selten setzte.

Als Zeichen für die nächsten Spiele wollte Stevens das jedoch nicht werten: "Auch die Spieler haben sich entwickelt. Ich hoffe, sie haben etwas gelernt. Ich hoffe, sie wissen, was für ein Trainer vor ihnen steht. Sonst ist es für sie schnell vorbei."

Torwartfrage offen

Die Spieler haben nun drei Tage, sich zu empfehlen. Dann muss Stevens' Aufstellung für das Spiel in Freiburg stehen. Auch für die Torwartfrage steht noch eine Antwort aus.

Zwischen Sven Ulreich und Thorsten Kirschbaum gab es zuletzt ein Wechselspiel. Wie Stevens die T-Frage löst, ließ er zunächst offen: "Der, der die Handschuhe an hat, wird spielen. Glaubt mir, da wird schon jemand im Tor stehen."

Namen von Stuttgarter Spielern nahm er ansonsten nicht in den Mund, hat aber nach eigener Auskunft keine Bedenken, dass die Mannschaft nicht die nötige Qualität habe: "Es wird nicht einfacher. Aber wir werden wieder da rauskommen."

Der Vorteil im Vergleich zur Vorsaison: Stevens übernimmt die Mannschaft zu einem früheren Zeitpunkt der Saison. In der vergangenen Spielzeit sprang er zehn Partien vor Schluss ein. Zwölf Punkte reichten den Schwaben zum Klassenerhalt.

Keine Automatismen bei Klassenerhalt

Nun ist Stevens' Mission auf 22 Spiele angelegt. Mindestens.

Wahler sagte, dass man erstmal bis zum Saisonende plane und dann über eine Verlängerung nachdenken wird. "Es gibt auch keine Automatismen bei einem Klassenerhalt", verriet der Präsident nur.

Dasselbe Spiel also wie vergangene Saison, als sich der VfB ebenfalls nicht auf eine langfristige Verbindung mit Feuerwehrmann Stevens festlegen mochte.

Der nahm dem Klub die Entscheidung letztlich ab und ging von sich aus - nach eigenem Bekunden, um eine Pause vom Geschäft einzulegen.

Es hat nicht lange gedauert, bis bei Stevens das Kribbeln wiederkam. Und beim VfB der Anlass, nach dem Feuerwehrmann zu rufen.

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