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Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund hält sich die Hände vor sein Gesicht
Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund hält sich die Hände vor sein Gesicht © Getty Images

Frankfurt am Main und München - Nach der achten Saisonniederlage bekommt Borussia Dortmund erstmals Gegenwind der eigenen Fans zu spüren. Klopp will kämpfen.

Der Tiefpunkt ist erreicht. Die Stimmung schlägt um.

Als die Profis von Borussia Dortmund nach dem 0:2 (0:1) bei Eintracht Frankfurt in die Kurve schlichen, wurden sie erstmals von ihren eigenen Fans ausgepfiffen und angepöbelt. Eine neue Situation für die lange so erfolgsverwöhnten Stars des BVB.

"Es war klar, dass das passieren würde. Wir machen es den Fans nicht leicht. Sie haben gepfiffen, das ist nachvollziehbar", erklärte Trainer Jürgen Klopp. "Für heute war ihr Verhalten absolut in Ordnung. Sie haben uns nicht gefeiert, aber dafür gab es in den letzten Wochen auch wenige Gründe. Dass wir uns dieses Vertrauen zurückerarbeiten müssen, ist uns vollkommen klar.

Der BVB-Coach wirkt derweil mehr und mehr ratlos. Nach dem Schlusspfiff schritt er mit gesenktem Haupt und tief in den Taschen vergrabenen Händen aufs Spielfeld.

Nach und nach versuchte er, seine Spieler zu trösten. Einen Trost gab es aber nicht. Der achtmalige Deutsche Meister ist erstmals seit über sieben Jahren, genauer seit dem 18. August 2007, alleiniges Schlusslicht der Fußball-Bundesliga.

Auch Stimmung auf dem Tiefpunkt

Eine Tatsache, die heftig auf das Dortmunder Gemüt schlägt.

"Die Stimmung ist am Tiefpunkt", gab Sven Bender unumwunden zu und Einblicke in das Seelenleben der Mannschaft: "Wir wissen, auf welchem Platz wir stehen. In der Kabine war es sehr ruhig. Es ist eine brutal schwierige Situation. Das ist ein bitterer Tag für uns."

Die Dortmunder holten nur einen Sieg aus den zurückliegenden zehn Punktspielen. In der Fremde konnte der Vizemeister seit drei Monaten keinen Sieg mehr feiern. Zudem kassierte der BVB die erste Niederlage gegen die Eintracht nach fünf Partien.

Wie es dazu gekommen ist, konnte niemand in Schwarz-gelb so richtig erklären. Frankfurts Top-Torjäger Alexander Meier (5.) und Haris Seferovic (78.) nach einem fatalen Missverständnis zwischen den Weltmeistern Matthias Ginter und Roman Weidenfeller hatten für den Frankfurter Sieg gesorgt.

Schwarz-gelbes Kuriositäten-Kabinett

"Es ist unwichtig, wie gut du kicken kannst, wenn du dir ständig so ins Gebälk haust wie heute beim 0:1", sagte Klopp und fügte niedergeschlagen hinzu: "Das Spiel passt in unser Kuriositäten-Kabinett. Der Gegner muss wenig tun, um noch ein Tor zu machen. Wir machen viel für nichts. Das ist die Situation."

Damit traf der Dortmunder Coach den Nagel auf den Kopf.

Denn die 51.500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter Arena mussten nicht lange auf die Führung der Gastgeber warten. Meier nutzte einen Fehlpass von Kevin Großkreutz und den Tiefschlaf der zu weit aufgerückten Dortmunder Innenverteidiger Ginter und Neven Subotic zu seinem achten Saisontor.

Die Borussia wirkte verunsichert, kam aber immer besser in Tritt. Vor allem nach der Halbzeit lag der Ausgleich lange in der Luft - bis Weidenfeller und Ginter patzten.

Für Klopp ist es nahezu unerklärlich, warum sein Team wieder einmal scheiterte. "Die erste Möglichkeit des Gegners ist fast immer ein Tor", analysierte er: "Das zu durchbrechen, ist eine große Herausforderung, vor der wir stehen. Heute haben wir es erneut nicht geschafft."

Rücktritt für Klopp kein Thema

Doch Klopp wird mit seiner Mannschaft weiter daran arbeiten. Das Handtuch werfen? Wie Armin Veh beim VfB Stuttgart zurücktreten, damit das Glück wieder zurückkehrt? Für Klopp keine Option.

"Ich habe hier die Verantwortung" beteuerte der 47-Jährige, "und so lange keiner kommt und sagt, wir haben jemanden, der es besser macht, kann ich doch nicht gehen."

Klopp will sich seiner Verantwortung weiter stellen. Weiterhin Impulse setzen. Das Glück erzwingen. Für ihn bedarf es dabei mehr als einer Veränderung an der Seitenlinie.

"Wenn es nur am Glück hängt und ein Trainerwechsel das Glück zurückbringt, dann soll mich jemand anrufen und mir eine Garantie geben. Dann mache ich den Weg frei. Aber so leicht ist es nicht", meinte er.

Auch für Manager Zorc gibt es keine Debatte um den Trainer. "Jürgen stellt sich der Verantwortung, und wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit Jürgen da rauskommen."

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