München und Dortmund - Jürgen Klopp will mit zähen Profis im Abstiegskampf bestehen. Vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim hofft er auf zwei Comebacks.

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Von Denis de Haas und Jens Tampier

Jürgen Klopp entpuppte sich am Mittwoch als Western-Kenner. Er benutzte einen Film aus dem Jahr 1952, um die Situation seiner Mannschaft zu beschreiben.

"Am Freitag ist High Noon. Da müssen wir zeigen, was wir draufhaben", erklärte Borussia Dortmunds Trainer vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim (Fr., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm).

Klopp brachte dabei etwas durcheinander: Zum entscheidenden Duell im Western kommt es um Zwölf Uhr mittags. Seine Mannschaft muss sich mit den Kraichgauern allerdings unter Flutlicht messen.

Und doch war klar, was Klopp auf der Pressekonferenz meinte: Für Dortmund geht es ums nackte Überleben.

Pfiffe aus dem Fanblock

Die Westfalen sind seit dem vergangenen Wochenende Schlusslicht. Nach der Niederlage bei Eintracht Frankfurt gab es Pfiffe und Beschimpfungen aus dem Fanblock.

Nun geht es um zwei Dinge: mit einem Sieg die Wende einzuleiten und sich gleichzeitig mit den Fans zu versöhnen.

Dafür braucht Klopp nach eigener Aussage robuste Spieler. "Wir versuchen jetzt im Training herauszufinden, wer dieser Situation standhalten kann und stellen danach auf", sagte der 47-Jährige.

Namen nannte er nicht. Doch die Leistungen der vergangenen Wochen lassen darauf schließen, wer Streichkandidaten sein könnten.

Ginter wirkt überfordert

Matthias Ginter sammelte beim SC Freiburg zwar Erfahrung im Abstiegskampf. Trotzdem wirkt er in Dortmund mit der Situation überfordert.

Gegen Frankfurt war der Weltmeister von der Rolle. Ginter patzte im Verbund mit Torwart Roman Weidenfeller beim zweiten Gegentor.

Klopp dürfte dem Nervenbündel deshalb eine Pause verordnen, braucht dafür aber einen fitten Mats Hummels. Der Kapitän ist nach auskurierter Wadenverletzung beschwerdefrei.

"Wir wissen nicht so recht, ob es für diese Spieler schon reicht", sagte Klopp und schloss dabei auch Jakub Blaszczykowski.

Blaszczykowski vor Comeback

Der Pole könnte rund zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss wieder ein Pflichtspiel bestreiten. Die BVB-Fans sehnen einem Comeback des pfeilschnellen Rechtsaußen herbei.

Blaszczykowski könnte Henrikh Mkhitaryan ersetzen. Der 25-Jährige ließ zuletzt die nötige Robustheit für den Abstiegskampf vermissen. Zudem passen Mkhitaryans Zahlen nicht zu seinen eigenen Ansprüchen: Null Saisontore, eine Vorlage - die Statistik ist für einen offensiven Mittelfeldspieler verheerend.

Keine Erfahrung im Tabellenkeller

Abstiegskampf ist Mkhitaryan nicht gewohnt. In Armenien und der Ukraine holte er insgesamt sieben Meisterschaften, in seiner ersten Saison beim BVB landete er immerhin auf Platz zwei.

Nun ist er mit seinem Team unten angekommen und macht einen hilflosen Eindruck.

Während einige BVB-Profis den Kampf um den Klassenerhalt erlernen müssen, hat ihr Trainer auf diesem Gebiet schon Erfahrung gesammelt.

Mit Mainz im Abstiegskampf

"Ich habe bis auf eine Saison als Fußballer ständig im Abstiegskampf gesteckt. Ich weiß, wie Abstiegskampf funktioniert und wie eine Mannschaft denken muss, um das zu schaffen", sagte der 325-malige Zweitligaspieler von Mainz 05.

Aus seiner eigenen Vergangenheit schöpft Klopp auch Hoffnung: "Ich habe 98 Prozent meiner Abstiegskämpfe erfolgreich bestanden."

Nur 2007 scheiterte er, stieg mit den Mainzern wieder in die Zweite Liga ab. So ein Szenario will er mit dem BVB vermeiden. Klopp sieht in der schwierigen Situation sogar positive Ansätze.

"Wir haben die riesengroße Chance, aus der Krise gestärkt hervorzugehen, ohne dass wir in dieser schwierigen Phase auseinanderdividiert worden sind", sagte der Trainer.

Der High-Noon-Erfolg soll nur der Anfang sein.

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