München - Nach der schweren Verletzung von Philipp Lahm muss der FC Bayern umplanen. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Von Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

München - Philipp Lahm humpelte auf Krücken gestützt aus der Praxis von Bayern-Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Die tiefe Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben.

"Es ist der rechte Knöchel", bestätigte der Bayern-Kapitän auf SPORT1-Nachfrage. Ohne Fremdeinwirkung hatte sich Lahm im Vormittagstraining an der Säbener Straße verletzt. Die Diagnose: Bruch im oberen Sprunggelenk und eine mehrmonatige Pause.

"Scheiße, Scheiße, Scheiße!", hatte Lahm auf dem Platz geschrien, ehe es sofort zur Behandlung in die Praxis in der Münchner Innenstadt ging. Heraus kam er mit einem Gips und der niederschmetternden Nachricht.

Trainer Pep Guardiola muss nun auf den Ausfall seiner wichtigsten Ansprechperson auf dem Platz reagieren.

Der Jahresabschluss der Münchner, die bereits fürs Champions-League-Achtelfinale als Gruppensieger qualifiziert sind, dürfte in den ausstehenden sechs Bundesligaspielen anspruchsvoller als vorher vermutet werden.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Lahm-Verletzung.

Welche Zwangspause droht Lahm?

Lahm wird am oberen Sprunggelenk operiert, die Bayern gehen von einer Pause von "zweieinhalb bis drei Monaten" aus. Heißt: Mitte Februar, wenn in der Champions League das Achtelfinale ansteht, könnte der Mittelfeldspieler wieder dabei sein.

Wer kann den Bayern-Kapitän kurzfristig ersetzen?

Thiago Alcantara, Javier Martinez und David Alaba befinden sich derzeit ebenfalls im Lazarett, so dass schon vom Sechserfluch beim FC Bayern geraunt wird.

Nach dem Aus von Philipp Lahm stehen Trainer Guardiola daher als gelernte defensive Mittelfeldspieler neben Welt- und Europameister Xabi Alonso drei Kandidaten zur Verfügung, die bisher in der zweiten Reihe zu finden waren: Sebastian Rode, Pierre-Emile Höjbjerg und Gianluca Gaudino.

Rode hat in dieser Saison bereits sechs Ligaspiele für den FC Bayern gemacht, Höjbjerg fünf, Gaudino drei. Zu Rode sagte Guardiola kürzlich: "Er ist mein Lieblingsspieler, er ist immer bereit." Die Chancen von Höjberg dürften indes etwas gesunken sein, nachdem der Däne vor kurzem angekündigt hatte, im Winter den FC Bayern verlassen zu wollen.

"Ich habe hier alles gelernt, Bayern ist die beste Schule, die es geben kann, doch ich fühle mich bereit, den Sprung zu schaffen", sagte der 19-Jährige dem "kicker". "Ich will endlich loslegen. Der Kader bei Bayern ist so gut. Es ist vielleicht nicht die Zeit, dass ich hier meinen Weg gehen kann."

Womöglich werden die Münchner nun aber Höjbjerg nicht gehen lassen.

Wie weit ist Bastian Schweinsteiger?

Langfristig ist natürlich der Vizekapitän erster Kandidat, um die Aufgabe im defensiven Mittelfeld mit Xabi Alonso zu erfüllen.

In der Länderspielpause stieg Bastian Schweinsteiger nach seiner Patellasehnenentzündung wieder ins Training, gegen 1899 Hoffenheim (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER u. auf SPORT1.fm) dürfte er wieder im Kader stehen. Allerdings werden die Münchner ihn langsam aufbauen, um ja nichts nach seiner monatelangen Pause zu riskieren. Das letzte Mal stand Schweinsteiger nach der WM im Testspiel während der USA-Reise für den Rekordmeister auf dem Platz.

Wie wird Guardiola taktisch reagieren?

Der Bayern-Trainer wird ausgiebig grübeln, wie er den Lahm-Ausfall am besten auffängt.

Der Kapitän ist nicht nur ein Antreiber im Mittelfeld, sondern besonders wegen seiner starken Passquote fast unersetzlich.

Gegen Hoffenheim könnte Guardiola wieder auf die Viererkette setzen, davor würde Alonso im defensiven Mittelfeld absichern, Franck Ribery, Mario Götze, Thomas Müler und Arjen Robben wären offensiv gefragt genauso wie Robert Lewandowski als Sturmspitze.

Sollte Guardiola auf ein 4-2-3-1 setzen, ist ein zweiter Mann neben Xabi Alonso gefragt. Außer dem wiedergenesenen Schweinsteiger sind Rode und Höjbjerg die wahrscheinlichsten Kandidaten.

Werden die Münchner in der Winterpause auf dem Transfermarkt zugreifen?

Sportvorstand Matthias Sammer, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und natürlich Cheftrainer Guardiola werden nun die Optionen auf dem Winter-Transfermarkt bewerten. Dabei werden sie auch auf die Expertise des neuen Technischen Direktors Michael Reschke zugreifen.

Die Frage ist auch, inwieweit ein zusätzlicher Transfer Sinn ergibt, die verletzten David Alaba, Thiago Alcantara und auch Lahm sollten ja, läuft alles nach Plan, spätestens im Februar wieder zur Verfügung stehen.

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