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Martin Kind warnt vor den Gefahren von Depressionen

Fünf Jahre nach dem Suizid von Nationaltorwart Robert Enke (32) sieht Martin Kind (70) in der Bundesliga noch Handlungsbedarf, wenn es um das Thema Depressionen geht.

"Wir brauchen noch sehr viel Zeit, um wirklich daraus lernen zu können", sagte der Präsident von Hannover 96 der "Bild"-Zeitung.

Zwar gebe es positive Beispiele wie 96-Torwart Markus Miller, der seine mentale Erschöpfung 2011 in einer Pressekonferenz öffentlich machte und heute wieder auf dem Platz steht.

"Aber es gibt auch die Tragödie Biermann", mahnte Kind.

Der frühere Bundesliga-Profi Andreas Biermann, der seit 2004 an Depressionen litt, hatte sich im Juli 2014 nach zuvor drei Suizidversuchen das Leben genommen.

Depressiven Fußballprofis empfiehlt Kind, sich gegenüber den Verantwortlichen zu öffnen. Nur so könne die medizinische Betreuung und die Hilfestellung im Verein gewährleistet werden.

Anders als im Fall Miller sollten sie ihre Erkrankung aber nicht öffentlich machen, glaubt der 96-Präsident: "Markus wollte das ausdrücklich so und das ist zu respektieren. Aber wenn mich ein Spieler um Rat fragt, würde ich empfehlen, wir sollten es vertraulich, intern und defensiv angehen. Man kennt die Reaktionen der Öffentlichkeit nicht. "

Auch für den Kölner Sportchef Jörg Schmadtke, der zurzeit von Enkes Tod Manager bei Hannover 96 war, ist der Umgang mit psychischen Erkrankungen "ein schwieriger Spagat" für die Vereine.

"Wir fordern Top-Leistungen ein, müssen aber auch einen Blick für die Spieler haben", sagte der 50-Jährige dem "Express".

Nach Enkes Tod seien in der Bundesliga einige sensibilisiert worden.

"Die Klubs öffneten sich für Dinge wie die psychologische Betreuung der Sportler", äußerte Schmadtke.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht fünf Jahre nach dem Selbstmord von Enke beim Umgang mit Profi-Fußballern keine grundlegende Änderung.

Es habe sich "nichts Gravierendes verändert", hatte der 63-Jährige in einem Interview mit der ARD-Recherche-Redaktion Sport gesagt, "da würde man sich selber etwas vormachen. Wir kommen immer wieder an Punkte, wo man sich von einer gesunden sportlichen Rivalität entfernt."

Anlässlich des fünften Todestages des Nationaltorwarts am Montag (10. November) war am vergangenen Freitag im Landesmuseum in Hannover eine Ausstellung eröffnet worden. Sie läuft noch bis Dienstag (11. November).

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