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Christian Seifert ist seit Juli 2005 Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung

Der Geschäftsführer der DFL befürwortet angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen die WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022 einen WM-Boykott und appelliert an ein gemeinsames Vorgehen der großen europäischen Verbände.

"75 Prozent der Spieler einer WM sind in Europa unter Vertrag, und wenn Europa 'Wir spielen nicht mehr mit' sagt, dann ändert das alles", sagte Christian Seifert der "Süddeutschen Zeitung".

Die FIFA könne dann zwar "Deutschland, England, Italien und Spanien für die nächsten drei WM-Turniere sperren", erklärte Seifert, "aber das wäre dann auch schon egal. Denn dann gibt's eine WM nicht mehr."

Eine derartige Aktion sei aber ohne ein geeintes Europa nicht möglich.

"Wenn dann nur Deutschland und England übrig bleiben, fürchte ich, dass das nicht das schärfste aller Schwerter ist", führte der 45-Jährige aus.

Seifert hat allerdings "große Zweifel" an einem vereinten Vorgehen gegen den unter starkem Beschuss stehenden Weltverband: "Die FIFA hat 209 Mitgliedsverbände, und viele Funktionäre aus diesen Verbänden leben vom System FIFA seit Jahren hervorragend."

Man müsse bei so vielen Mitgliedsstaaten "leider davon ausgehen, dass in vielen Ländern andere Ethikmaßstäbe gelten als bei uns".

Die Schlüsselfigur für eine klare Positionierung der UEFA ist deren Präsident Michel Platini.

Doch Seifert glaubt nicht, dass sich dieser einem Boykott anschließen würde.

"Frankreich etwa wird sich kaum gegen Katar wenden, nachdem der Franzose Platini als Katar-Verfechter gilt", begründete Seifert seine Skepsis.

Seifert würde auch einen Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter begrüßen, glaubt aber nicht, dass damit alle Probleme aus der Welt wären.

"Das Erschütternde an dem Untersuchungsbericht (Garcia-Report, d.Red.) ist doch, dass bis auf Belgien und Holland offenbar alle Bewerber versucht haben, mit ethisch fragwürdigen Mitteln den Zuschlag für die WM zu bekommen. Das belegt doch, dass es sich hier nicht um ein reines Personalproblem Blatter handelt. Sondern um ein Systemproblem FIFA", so Seifert.

Seifert sieht die DFL angesichts der Auswüchse bei den WM-Vergaben 2018 und 2022 "von dieser FIFA nicht mehr vertreten, man fühlt sich nicht mehr zugehörig".

Es könne der DFL nicht recht sein, wenn sich die Glaubwürdigkeit der FIFA im freien Fall befinde.

Er wisse mit Blick auf den Weltverband auch nicht mehr, "ob man sich wundern oder fremdschämen soll".

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