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Jürgen Klopp wechselte 2008 von Mainz 05 zu Borussia Dortmund
Jürgen Klopp wechselte 2008 von Mainz 05 zu Borussia Dortmund © getty

Frankfurt am Main - Borussia Dortmund geht am Stock. Die Pleite bei Eintracht Frankfurt ist der Tiefpunkt - speziell auch für Coach Jürgen Klopp.

Von Frank Hellmann

Der Fixtermin für Jürgen Klopp steht seit Wochen. Und er schien zumindest von der Örtlichkeit perfekt gewählt.

Einen Tag nach dem Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt, am heutigen Montag um 20 Uhr, tritt der Trainer von Borussia Dortmund im Frankfurter Hof auf und hält im Ballsaal des luxuriösen Hotels mitten in der Bankenstadt einen moderierten Vortrag inklusive Fragerunde.

Laune am Tiefpunkt

Thema: "Motivation & Führung - Titel, Thesen, Tore." Denn als Entertainer versteht sich der Fußballlehrer zeit seines Lebens eigentlich bestens, und der Bezug zu seiner Wahlheimat Frankfurt, in der er nicht nur sein Studium der Sportwissenschaften zu Ende brachte, sondern sich auch als Fußballer verdingte, ist ja verbürgt.

Doch nun wird es eine spannende Frage, wie gut "Kloppo" wirklich auch als Schauspieler taugt.

Denn die Laune ist am Tiefpunkt. Und der BVB auf dem letzten Tabellenplatz. Das 0:2 bei Eintracht Frankfurt (Bericht) ging als Abziehbild der Misere durch. 

"Wir machen viel für nichts. Die Spielentwicklung führt nicht dazu, dass wir uns Selbstvertrauen holen - im Gegenteil", klagte Klopp.

Hoffenheim als Charaktertest

"Das zu durchbrechen, ist eine große Herausforderung." Schon das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am Freitag wird damit zum Charaktertest einer Mannschaft, die mehr aus Künstlern statt Kämpfern besteht.

Sportdirektor Michael Zorc stellte ungeschminkt fest: "Wir müssen uns nichts vormachen. Wir sind mitten im Abstiegskampf angekommen."

Im Frankfurter Stadtwald wendeten sich erstmals die Anhänger von ihren Lieblingen ab - aus echter Liebe ist enttäuschte Liebe geworden, weil der "Blut-Schweiß-Tränen"-Appell von Vorstandschef Hans-Joachim Watzke auf der Aktionärsversammlung vor einer Woche wenig bis gar nichts genützt hat.

Die Dortmunder Stars kombinieren schön, sie spielen gut - aber sie zwingen nicht das Glück wie es die engagiertere Eintracht tat.

Verständnis für Pfiffe der Fans

Noch immer probieren es BVB-Protagonisten wie der verspielte Armenier Henrikh Mkhitaryan lieber mit "Hacke, Spitze, eins, zwei, drei" und dem formschönen Außenristschuss statt mit dem schmucklosen Vollspannstoß.

Davon haben nun auch etliche Fans genug, die ihren Unmut deshalb abluden, weil Aufwand und Ertrag seit Wochen im Liga-Alltag in einem krassen Missverhältnis stehen.

"Die Pfiffe kann ich nachvollziehen", erklärte Klopp, der den Liebensentzug erwartet hatte. "Es war klar, dass das passieren würde. Wir machen es ihnen auch nicht leicht."

Klopp wirkt persönlich getroffen

Klopp selbst wirkte am Sonntag auf der Pressekonferenz nicht nur nachdenklich, sondern auch persönlich getroffen. Der 47-Jährige befindet sich in seiner schlimmsten Sinnkrise, seit er im Sommer 2008 bei den Westfalen anheuerte.

Spätestens nach dem Champions-League-Finale 2013, der auch als persönlicher Siegeszug dieses charismatischen Trainers galt, war Klopp der am meisten gehypte Fußballlehrer auf dem internationalen Markt, und gerade wegen des Interesses aus England dehnte der BVB den Kontrakt mit seinem Chefideologen gleich bis 2018 aus. Aber ob er ihn auch wirklich erfüllt?

Zorc hält "komplett" zu Klopp

Am Sonntagabend beantwortete Sportchef und Klopp-Freund Zorc erstmals überaus ernsthaft die Frage nach dem Trainer (News). "Wir sind komplett überzeugt, dass wir mit Jürgen da rauskommen. Dass er sich Gedanken macht, ehrt ihn sehr."

Aber die Führungsriege ist weit davon entfernt, in Aktionismus zu verfallen. Dennoch ließ Klopp erstmals die Gedanken weit schweifen, als er auf einen möglichen Rücktritt angesprochen wurde.

"Ich kann mich jetzt nicht hinstellen und sagen, dass wir die Sterne vom Himmel gespielt und nur Pech gehabt haben."

"Ich habe hier die Verantwortung"

Auf die Frage, ob eine Demission von seiner Seite denkbar sei, antwortete Klopp: "Ich habe hier die Verantwortung und solange keiner kommt und sagt, wir haben jemanden, der es besser macht, kann ich doch nicht gehen. Es gibt sicher keine Tendenzen dazu."

Nur wenn ein Trainerwechsel das Glück zurückbringe, "dann soll mich jemand anrufe und mir eine Garantie geben - aber so leicht ist es nicht."

Ergo bleibt vorerst alles beim Alten: "Die Verantwortung, die ich verspüre, ist groß. Der stelle ich mich." Genau wie dem lange vereinbarten Vortrag vor Führungskräften der deutschen Wirtschaft.

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