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Jürgen Klopp trainiert Borussia Dortmund seit 2008

Dortmund - Von Aufgabe kann bei Jürgen Klopp keine Rede sein: In Frankfurt kehrt Borussia Dortmunds Trainer die Kämpfernatur heraus.

Von Frank Hellmann

Gute Freunde kann niemand trennen. Sven Müller, mit Jürgen Klopp bereits bekannt, als der bei Eintracht Frankfurts Amateuren kickte, ist mächtig stolz gewesen, dass sein Kumpel eine bereits im Sommer erteilte Zusage zu einem Motivationsvortrag nicht abgesagt hat.

Und das war gut so: Wo Klopp am Sonntag als ratloser Trainer von Borussia Dotrmund in der Frankfurter Arena händeringend nach Erklärungen für den Niedergang eines ambitionierten Teams suchte, gab er einen Tag später im Frankfurter Hof, einem Luxushotel in der Bankenstadt, den bestens gelaunten Plauderer.

Etliche ausgesuchte Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft, aber auch zahlreiche Jugendfreunde aus Frankfurter Zeiten kamen dabei in den Genuss, außergewöhnliche Anekdoten, aber auch tiefe Einblicke zu erhalten.

"Wenn ich etwas zusage, dann tue ich das auch. Ich habe mir aber am Morgen nicht gesagt, dass es geil ist schon wieder nach Frankfurt zu fahren", erläuterte Klopp in seinem launigen Eingangsstatement vor 260 Zuhörern.

28 Spieler, 28 Gründe

Was aber ist los mit seiner Mannschaft? "Es gibt 28 Spieler und damit 28 Gründe", sagte Klopp, "meine Mannschaft lebt extrem davon, dass sie zusammenarbeitet; dass sie sich gemeinsam stärker macht, aber wenn diese Zusammenarbeit nicht stattfindet, fehlt etwas."

Das latente Verletzungspech, fehlendes Selbstvertrauen kämen hinzu. Und die Stärke der Liga, denn die Konkurrenz habe Blut geleckt, dem BVB ein Bein zu stellen. "Unser größtes Problem sind die elf Punkte. Und die anderen sind wie die Löwen: Ein angeschossenes Tier wird weggemacht."

Interessant, dass Klopp, der zuvor viele alte Weggefährten aus seiner Frankfurter Studentenzeit in den Arm genommen hatte, sich selbst enorm kämpferisch gab.

"Ich bin ein Kämpfer. Und ich bin ein besserer Trainer, als wir 2012 Meister wurden, das Problem ist nur, dass man es an der Tabelle leider nicht ablesen kann. Ich bin niemand für einen Rücktritt. Ich mache das ganz oder gar nicht. Ich bin in diesem Moment Borussia Dortmund. Und solange der BVB das auch möchte, stehe ich komplett zur Verfügung. Das ist wie in einer Ehe - man hält zusammen in guten wie in schlechten Zeiten."

Mit 8,4 Promille auf dem Lastwagen

Und weiter: "Es ist relativ einfach mit 8,4 Promille auf einem Lastwagen zu stehen, durch die Dortmunder Innenstadt zu fahren und sich feiern zu lassen. Es ist ungleich schwieriger in unserer momentanen Situation das Gesicht des Vereins zu sein. Aber ich habe nie gedacht, dass mir mein Leben lang die Sonne aus dem Arsch scheint. Und jetzt arbeite ich lieber an einer Lösung des Problems, als darüber zu sprechen."

Nicht nur einmal schaffte es der von Moderator Bela Rethy interviewte Entertainer, den voll besetzten Festsaal zum Lachen zu bringen ? dem Trainer wäre zu wünschen, dass er seine Spieler auch so schnell erreicht.

Klopp insistierte, er sehe aber "Licht am Ende des Tunnels ? ich habe nicht zum ersten Male in meinem Leben Probleme." Als Trainer fühle er sich nun einmal "für jede Niederlage dramatisch verantwortlich."

Von Abnutzungserscheinungen wollte er indes nichts wissen, sondern versicherte fast trotzig: "Wir sind in einer Extremsituation. Die Spieler hängen an meinen Lippen. Die Jungs wollen gemeinsam zurückschlagen."

Spitze gegen Hoffenheim

Schon Freitag im Flutlichtspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Den Kraichgauern gab Klopp noch dieses Bonmot mit: "Wir haben ihnen vor zwei Jahren den Klassenerhalt geschenkt. Die sind nur deshalb noch in der Bundesliga. Das macht unseren Rucksack aber nicht kleiner."

Über eine Demission bei einem neuerlichen Nackenschlag würde er nur nachdenken, "wenn wir 0:14 gegen Hoffenheim verlieren, aber faktisch bin ich so nicht unterwegs."

Eine volle Breitseite bekam noch Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer ab. Auf die Frage, ob dem BVB in der Führungsetage ein polarisierender Kopf wie Sammer fehlte, antwortete Klopp fast entrüstet: "Der fehlt bei Borussia Dortmund niemand. Entschuldigung, aber diese Vorlage musste ich nutzen."

Der BVB-Fan müsse nur geduldig sein. "Wer nur Erfolg haben will, hat nur eine Chance: Bayern-Fan zu werden."

Termin als Privatmann

Sein Verein legte Wert auf die Feststellung, dass der Trainer den mit Sponsorentätigkeiten verbundenen Termin als Privatmann abgemacht hatte ? übrigens bereits vor Saisonstart.

Der Zeitpunkt, am Tiefpunkt seiner 2008 begonnenen Ära zu erscheinen, zeugte durchaus von Mut. Aber vielleicht hat der Kämpfer Klopp dem Klub mit seinem besten öffentlichen Auftritt in dieser Saison auch eine Initialzündung gegeben.

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