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Jürgen Klopp trainiert Borussia Dortmund seit 2008
Jürgen Klopp trainiert Borussia Dortmund seit 2008 © getty

München - Der Absturz bei Borussia Dortmund sorgt für Verwunderung. Bei SPORT1 sprechen die Vorgänger von Jürgen Klopp über die Krise.

Experten und Fußballfans reiben sich beim Blick auf die Tabelle verwundert die Augen. Borussia Dortmund steht auf dem letzten Tabellenplatz (BERICHT: Echte Liebe? - echter Abstig?). Nach 13 Spieltagen mit elf Pünktchen.

Das Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim am Freitag wird zum Charaktertest für das Team von Trainer Jürgen Klopp.

Zwei, die vor ihm als Trainer bei den Westfalen tätig waren, schauen mit Sorge auf die aktuelle Krise bei den Schwarz-Gelben: Jürgen Röber, der von Dezember 2006 bis März 2007 beim BVB tätig war, und sein Nachfolger Thomas Doll, bis Mai 2008 in Dortmund arbeitete.

"Jürgen gerät in Erklärungsnot"

"Das kann keiner so richtig begreifen", sagt Röber im Gespräch mit SPORT1. "Selbst Jürgen gerät schon in Erklärungsnot. Er verhält sich da noch einigermaßen gut, obwohl er sicher innerlich kocht."

Es sei "eine Situation, wo jeder seit Wochen sagt die kommen da raus, aber es kommen einfach die Ergebnisse nicht."

Der 60-Jährige führt als Hauptgrund den Verlust von Stürmer Robert Lewandowski an: "Man konnte ihn einfach nicht ersetzen. Vor dem Tor hat der BVB seine Probleme. Man hätte 80 Prozent der Spiele gewinnen können, wenn man nur die Torchancen genutzt hätte."

Hinzukomme, "dass hinten katastrophale Fehler gemacht werden. Solche Tore haben die in den letzten drei Jahren nicht gekriegt. Es kommt eben alles zusammen."

Reus als Faktor

Für Röber ist die aktuelle Situation "schon gefährlich, aber wenn Marco Reus jetzt nicht verletzt gewesen wäre, dann würde es anders aussehen."

Für den früheren Trainer ist entscheidend, dass "ganz wichtige Spieler immer wieder weggebrochen sind, auch Reus war nicht richtig fit nach seiner Verletzung im Sommer und dann gerätst du in so eine Spirale rein."

Nach einer WM sei es zudem für Spitzen-Mannschaften "unglaublich schwer in eine Saison reinzukommen. Das habe ich damals mit dem VfB Stuttgart auch erlebt. Ich hatte nur Nationalspieler und war froh, als Weihnachten war."

"Die Jungs sind keine Maschinen"

Doll, der aktuell Ungarns Erstligisten Ferencvaros Budapest trainiert, sieht es bei SPORT1 ähnlich wie Röber: "Es ist schon eine beunruhigende Situation, weil man immer denkt, dass man da ganz locker rauskommt. Es lief von Anfang an nicht richtig mit Ausnahme der Champions League. Doch die Jungs sind keine Maschinen trotz ihrer Klasse, sie müssen erst wieder lernen Siege einzufahren."

Der 48-Jährige ist bei aller Sorge um seinen Ex-Verein dennoch zuversichtlich: "Wenn die Verletzten zurück sind und es eine vernünftige Vorbereitung gibt, dann werden viele Dinge besser gemacht, die bisher falsch gelaufen sind. Man sollte nicht so schwarzsehen."

Zweite Liga kein Thema

Zweite Liga ist für Doll jedenfalls kein Thema. "Das geht überhaupt nicht. Das sind alles klasse Charaktere, die brauchen einfach wieder Erfolgserlebnisse."

Doll begründet seine Zuversicht auch: "Es kommt ein Mats Hummels zurück, Nuri Sahin, Ilkay Gündogan und Reus sind wieder dabei sowie Adrian Ramos und Ciro Immobile finden sich immer besser zurecht." Auch ein Sven Bender sei "immer wieder angeschlagen" gewesen und habe sich "dennoch oft zur Verfügung gestellt."

Wut-Rede von Doll

Doll, der den BVB damals in Abstiegskampf übernahm und rettete, denkt zurück an seine Zeit. Damals sorgte er nach einigen Monaten mit einer Wut-Rede für Aufsehen: "Bei mir war es eine ganz andere Phase. Wir hingen da nicht so weit unten drin. Es war dennoch alles sehr negativ. Ich habe damals den Respekt gegenüber den älteren Spielern vermisst und da ist mir der Kragen geplatzt."

Sollte Klopp auch so eine Reaktion zeigen? "Ich glaube das bringt überhaupt nichts", meint Doll. "Ich denke, dass 'Kloppo' intern alles ganz genau analysiert und anspricht." Und weiter: "Jetzt den einen oder anderen, der vor wenigen Monaten noch überragende Leistungen brachte, an die Wand zu nageln, wäre völlig falsch."

"Jürgen wird niemals hinschmeißen"

Zuletzt wurde spekuliert, dass Klopp womöglich hinschmeißen könnte. Doch daran glaubt Röber nicht: "Die Phase jetzt ist schrecklich, aber Jürgen wird niemals hinschmeißen. Du kannst wegen einer halbe Saison, wo alles gegen dich läuft, nicht das wegwischen, was du über Jahre geleistet hast."

Gegen Hoffenheim müsse man "gewinnen. Und in der Rückrunde wird sich vieles normalisieren, wenn alle gesund sind."

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