Frankfurt am Main - Viktor Skripnik trifft mit Werder erstmals auf seinen Lehrmeister Thomas Schaaf. Beide Trainer haben viele Gemeinsamkeiten.

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Von Frank Hellmann

Das hat Viktor Skripnik dann doch verraten. "Es kam eines SMS von ihm, dann habe ich angerufen. Thomas hat mir gratuliert und gesagt, ich solle meinen Weg gehen."

Geschehen ist das Ende Oktober, als der damals sieglose SV Werder sich auf jenes Modell besann, das bereits in höchster Abstiegsnot 1999 in Bremen geholfen hatte. Nämlich den Amateurtrainer zu den Profis zu schicken, um von innen heraus die Wende einzuleiten. Klar, dass Thomas Schaaf als Coach von Eintracht Frankfurt daraufhin den Kollegen kontaktierte.

Nun ist es nicht so, dass der gebürtige Ukrainer Skripnik und der aus Mannheim stammende Schaaf gemeinsame Urlaube verbringen, aber die freundschaftliche Bande ist verbürgt.

Wenn sich Eintracht Frankfurt und Werder Bremen am Sonntag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm) im Frankfurter Stadtwald duellieren, dann wird es vor dem Anpfiff zu einer herzlichen Umarmung kommen.

Brüder im Geiste

Nicht nur wegen einiger äußerlicher Ähnlichkeiten gelten die beiden als Brüder im Geiste. Unaufgeregt in der Niederlage, bodenständig beim Sieg - und stets sich selbst treu.

"Es wird emotional. Aber ich bin genauso aufgeregt, wenn ich neben Jürgen Klopp stehe. Für Thomas ist es in seinem Herzen sicher etwas ganz Besonderes, gegen Werder zu spielen", mutmaßt Skripnik.

Und da liegt der 45-Jährige natürlich nicht so falsch. "Wenn jetzt am Wochenende die Bremer kommen, ist das natürlich so, dass ich da einige Leute kenne", beteuert Schaaf. "Es war eine schöne Zeit mit tollen Erinnerungen."

Inhaltlich mit Werder abgeschlossen

Aber gleichzeitig betont der 53-Jährige, er sei total fokussiert auf Frankfurt. Das Thema Werder sei "inhaltlich abgeschlossen".

Zigmal hat er diesen Fakt die vergangenen Tage vorgetragen, denn es ist für ihn unmöglich alle Interviewanfragen zu erfüllen.

Die Mailbox und der Anrufbeantworter sind trotz erheblicher Speicherkapazität voll. "Das kann ich gar nicht bewältigen."

Aber gerade auf diesem Sektor hat sich Schaaf am meisten verwandelt: Genau wie Skripnik braucht er die exorbitante Medienpräsenz in diesem Business bestimmt nicht, aber er macht viel mehr mit als früher.

Sinneswandel bei Schaaf

Und er ist bewusst zugänglicher geworden - weil er vielleicht auch zeigen will, dass er mehr kann als nur Bremen. Immer wieder spricht er vom Weg, den er in Frankfurt geduldig gehen wolle.

Dabei ist es sportlich bislang ein ziemlicher Zickzack-Kurs. Nach gutem Start fremdelten einige Spieler mit den Umstellungen unter Schaaf. Hinzu kam beim Saisonstart der überflüssige Machtkampf mit Torgarant Alexander Meier, später störten wechselnde Systeme und Formationen die interne Harmonie.

Schaaf wirkte auf einmal wie ein Suchender, doch ausgerechnet vor den Spielen bei Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund rauften sich die Protagonisten zusammen.

Die Mannschaft plädierte für einen offensiveren Ansatz mit mehr Initiative - und der Trainer verschloss sich diesem Ansinnen nicht. Mittlerweile gibt es bei den Hessen eine Doppelspitze mit Haris Seferovic und Meier und eine Raute im Mittelfeld zu besichtigen, in der auch Toptalent Marc Stendera seinen Platz hat.

Parallelen zwischen Skripnik und Schaaf

Ist es Zufall, dass die Hanseaten genauso agieren? Viktor Skripnik ("Schaaf hat mir gezeigt, wie Fußball funktioniert") setzt auf dasselbe System. Obwohl der Kader qualitativ schlechter ist, möchte auch Skripnik mutig agieren.

Mit dem U-19-Europameister Davie Selke im Sturm und neuerdings mit dem 20 Jahre alten Levent Aycicek im zentralen Mittelfeld. Die Jugendwelle führte jüngst zu einem formidablen 4:0 gegen Paderborn.

Skripnik hat vier seiner fünf Pflichtspiele gewonnen. So ist auch Schaaf einst vor 15 Jahren an der Weser durchgestartet: mit einem erlösenden Arbeitssieg im Mai 1999 gegen Schalke, wenig später war Werder sogar Pokalsieger.

Skripniks Weg vorgezeichnet

Die Parallelen zwischen den beiden ziehen Entscheidungsträger wie Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer ganz bewusst. "Viktor hat genau wie Thomas ein Trainer-Gen in sich. Er gibt keine Kopie, aber ist in vielem genauso."

Also eine Art Klon. "Papa trifft Klon, die Zeile passt", gibt Skripnik zu. Interessant in diesem Zusammenhang, dass Fischer einst in einem Gespräch Skripnik denselben Werdegang wie Schaaf aufzeigte - da war der noch Nachwuchstrainer der U 17.

Seine Beförderung war also ohnehin irgendwann geplant, nun besitzt er wie sein Assistent Torsten Frings einen bis 2017 datierten Kontrakt.

Langfristige Verträge

Und Schaaf? Der strotzt nach der selbst verordneten Auszeit wieder vor Tatendrang.

Sein Arbeitspapier bei der Eintracht läuft bis 2016, aber er hat bereits durchblicken lassen, dass er ein längeres Engagement nicht ausschließt.

Es ist gut möglich, dass die Aufeinandertreffen Schaaf versus Skripnik sogar zu einem Liga-Dauerbrenner werden.

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