München - Nach dem grünen Licht für die Torlinientechnik wird über den Videobeweis nachgedacht. Der Blick geht in die Niederlande.

Video

Für Horst Heldt war es nur ein erster Schritt.

Der Manager des FC Schalke begrüßt die Einführung der Torlinientechnik.

Doch dies geht Heldt nicht weit genug. "Wenn man bereit ist, neue Techniken einzuführen, sollten wir hin zum Videobeweis gehen", betont Heldt.

Es geht darum, künftig auch strittige Szenen etwa bei Handspielen, Abseitsstellungen oder Fouls mit Hilfe technischer Hilfsmittel zu entscheiden.

Denkbares Modell aus den Niederlanden

Auch Andreas Rettig ist prinzipiell offen für den Videobeweis. Der DFL-Geschäftsführer schränkt aber ein: "Der ist noch etwas weit weg auf der Zeitachse."

Aber keinesfalls außer Sichtweite.

Der Blick richtet sich nun verstärkt auf das Pilotprojekt in den Niederlanden, das für Rettig auch für die Bundesliga ein denkbares Modell sein kann.

Fünfter Offizieller im Ü-Wagen

Das Prinzip in den Niederlanden ist recht simpel: Ein fünfter Offizieller sitzt in einem Übertragungswagen und hat dort einen Blick auf alle Kamerabilder.

Bei strittigen Entscheidungen nimmt er Funkkontakt zum Schiedsrichter auf - im Idealfall innerhalb von 15 Sekunden.

Zwei Jahre lang hat der niederländische Fußball-Verband mit dem Video-Referee experimentiert. Bislang ohne Kontakt zum Unparteiischen auf dem Platz.

500.000 Euro kostet das Projekt "Arbitrage 2.0" in der zweijährigen Testphase.

Zwei bis drei Szenen pro Spiel

"Wir sind sehr zufrieden", sagte Projektleiter Gijs de Jong.

In 24 Partien kam der Video-Schiedsrichter im ersten Test-Jahr zum Einsatz, davon 22 Mal in der ersten Liga.

Das Fazit: "Pro Spiel gab es durchschnittlich zwei bis drei Situationen, in denen der Unparteiische vom Video-Schiedsrichter hätte profitieren können."

Antrag bei Regelhütern

Nun will der KNVB eine Genehmigung dafür bei der FIFA beantragen und würde damit zum Vorreiter werden.

Dabei gibt es aber ein Problem: Bislang hat der Fußball-Weltverband diese Art von Unterstützung nicht zugelassen. Die zuständige Kommission IFAB (International Football Association Board) wird sich nun mit dem Vorschlag der Niederländer auseinander setzen.

Die nächste Sitzung des IFAB findet ab dem 27. Februar 2015 in Belfast statt.

Die Chancen auf ein "Go" für die Niederlande stehen gar nicht schlecht.

Trainer-Einsprüche nicht erwünscht

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte zuletzt über sogenannte "Challenges" sinniert, also mögliche Trainer-Einsprüche zweimal pro Halbzeit.

Vergleiche zum American Football drängen sich hierbei auf.

Für den Fußball, bei dem das Spiel möglichst wenig unterbrochen werden soll, scheint diese Option aber nicht sinnvoll.

Umso mehr bietet sich der Videobeweis, wie er in den Niederlanden praktiziert wird, als echte Alternative an.

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