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Franck Ribery erzielte gegen Leverkusen sein 100. Pflichtspieltor für den FC Bayern.
Franck Ribery erzielte gegen Leverkusen sein 100. Pflichtspieltor für den FC Bayern. © Getty Images

München - Franck Ribery erzielt das Siegtor für den FC Bayern gegen Bayer Leverkusen. Nicht alle Offensivkünstler der Münchner überzeugen.

Vom FC Bayern berichten Mike Lukanz und Ivo Hrstic

Arjen Robben hatte leichtes Nasenbluten. Es war die einzige Schramme, die der FC Bayern aus dem Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen davon getragen hatte.

Am Ende stand ein 1:0-Sieg und die Erkenntnis, dass es "etwas weniger Spektakel war als erwartet", wie es Robben bei "Sky" formulierte.

"Zwei Mannschaften, die natürlich viel angreifen wollten, aber beide in der Defensive auch sehr gut aufgepasst haben."

Der Favorit wankte also nur kurz, fiel aber nicht. Dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte schlugen die Münchner Leverkusen und ziehen weiter einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze.

Franck Ribery (51.) mit seinem 100. Pflichtspieltor für den Rekordmeister entschied eine nur am Anfang spannende Partie.

"Das war ein schweres Spiel für uns. Nach meinem Tor hatten wir die Möglichkeit, das Spiel mit einem zweiten Treffer frühzeitig zu erscheinen. Wichtig war aber, dass wir gewonnen haben", sagte ein zufriedener Ribery nach seinem 287. Einsatz für den Rekordmeister.

Leverkusens Torjäger Stefan Kießling war dagegen enttäuscht: "Wir haben in der ersten Halbzeit gut mitgehalten, hatten auch die besseren Möglichkeiten. Ich weiß nicht, was dann in der zweiten Halbzeit war, da haben wir nicht mehr so gut gespielt."

Leverkusen beginnt stark

Eines ist Roger Schmidt nicht vorzuwerfen: dass er blufft. Der Coach von Bayer Leverkusen hatte unter der Woche ein aggressives und leidenschaftliches Spiel "bis zum Gehtnichtmehr" angekündigt.

Und seine Spieler hielten Wort. Zumindest in den ersten drei Minuten: Dann schoss Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng bei einem Klärungsversuch unter Bedrängnis Xabi Alonso vors Bein und sorgte damit für eine Vorlage für Karim Bellarabi.

Der Neu-Nationalspieler zog alleine Richtung Manuel Neuer und spitzelte den Ball am Torhüter vorbei, doch Juan Bernat verhinderte mit einer Grätsche auf der Linie den frühen Rückstand. Wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn Bellarabi dem Ball etwas mehr Druck mit auf den Weg gegeben hätte.

Bayern kommt besser ins Spiel

Denn nach diesem Aufreger dehnten die Gäste das vom Trainer angekündigte "Gehtnichtmehr" etwas zu stark.

Dem hohen Pressing Leverkusens entzog sich der Gastgeber relativ simpel mit weit geschlagenen Bällen übers Zentrum, die Müller oder Lewandowski, beide überraschend als klassische Flügelstürmer unterwegs, für die nachrückenden Mittelfeldspieler ablegten.

Eine Taktik, mit der der FC Bayern bereits vergangene Saison beim 3:0 Dortmund agiert hatte und die auch gegen Leverkusen erstaunlich gut funktionierte.

So kamen die Bayern nach rund 15 Minuten besser im Spiel. Einzig Torchancen blieben Mangelware. Ribery war bei Tin Jedvaj ebenso gut aufgehoben wie im Zentrum Mario Götze bei Ömer Toprak oder Thomas Müller bei Wendell.

Kießling vertändelt Konterchance

In der 30. Minute nutze Son noch einmal eine Unaufmerksamkeit der Münchner Hintermannschaft und steckte fein auf Kießling durch.

Der Torjäger außer Dienst jedoch nahm ohne Grund das Tempo raus, zog nach außen statt nach innen Richtung Tor und brachte nur noch eine halbherzige Flanke ins Niemandsland zustande.

Intensives, aber zähes Spiel

Das Spiel blieb vor 71.000 Zuschauern in der kalten Münchner Arena intensiv, aber zäh.

Hakan Calhanoglu auf Leverkusener Seite war ebenso erschreckend blass wie Mario Götze, Ribery oder Arjen Robben.

Wenn bei beiden Topteams die kreativen Köpfe einen unkreativen Abend erleben, wird Fußball auch bei Mannschaften dieser Klasse mehr gearbeitet als gespielt.

Götze bleibt blass

Zur Pause hatte Guardiola dann sowohl ein Einsehen mit Mario Götze - für ihn kam Sebastian Rode ins Spiel - als auch mit dem Flügelstürmer Lewandowski, der fortan wieder als Mittelstürmer spielte.

Am Bild änderte sich zunächst wenig. Leverkusen stand zwar taktisch nach wie vor hoch, der letzte Funken Entschlossenheit ging den Gästen aber immer mehr ab.

Alonso legt für Ribery auf

Der FC Bayern spielte in der bewährteren Formation sogleich sicherer und so geschah das, was so oft passiert: Die Bayern nutzten ihre individuelle Klasse, um das Spiel in ihre Richtung zu lenken.

Nach einer Ecke von der rechten Seite legte Xabi Alonso per Kopf klug zurück auf Höhe des Elfmeterpunktes, wo Ribery (51.) volley zur Führung traf. Es war zugleich das 100. Pflichtspieltor des Franzosen im Trikot des FC Bayern.

Lewandowski versiebt Riesenchance

Das Tor gab den Hausherren sichtbar Auftrieb, doch sie verpassten es in der Folge gleich mehrfach, das Spiel durch Müller und Robben vorzeitig zu entscheiden.

Aus der Kategorie "kann man machen" war dann Lewandowskis Versuch in der 59. Minute, der es fertig brachte, den Ball aus drei Metern neben das Tor zu schießen.

Video

Bayern kontrollieren, Kurzeinsatz für Schweinsteiger

In den letzten 30 Minuten geschah auf dem Rasen nichts mehr, zumindest nichts Erwärmendes.

Leverkusen hatte sich nach dem Rückstand in sein Schicksal ergeben, die Bayern spielten die Partie souverän herunter. Vom erhofften Spitzenspiel blieb so nicht mehr viel übrig.

In dieser Atmosphäre holte sich Bastian Schweinsteiger für die letzten Minuten noch etwas Spielpraxis und warmen Applaus ab.

Nächstes Spitzenspiel in Augsburg

Nach Wolfsburg, Mönchengladbach und Dortmund war damit die nächste Hoffnung der Liga, wieder etwas Spannung ins Titelrennen zu bekommen, dahin.

Kommende Woche gibt's dann einen neuen Versuch. Kandidat diesmal: der FC Augsburg. Viel Glück.

Die Highlights des Spitzenspiels - nachhören auf SPORT1.fm.

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