Thomas Berthold sieht weiterhin gravierende Mängel beim VfB Stuttgart und erklärt, wo Huub Stevens jetzt ansetzen muss.

Hallo Fußball-Freunde,

der kurze Hoffnungsschimmer beim VfB Stuttgart ist nach der 0:4-Pleite gegen Schalke 04 schon wieder verflogen.

Am Hauptmanko hat sich auch unter Huub Stevens noch nichts geändert.

Es hapert weiterhin gewaltig in der Defensive.

Das war schon in der vergangenen Saison so. Da hatte man zum gleichen Zeitpunkt 26 Gegentore auf dem Konto, jetzt sind es 31.

Und wenn man zu Hause gegen Schalke spielt, die ja derzeit einige personelle Ausfälle haben, und dann so schlafmützig bei Standardsituationen agiert, dann ist das nicht bundesligareif.

Es fehlt an der Qualität der Spieler.

Es fehlt aber auch ein Führungsspieler. Es gibt keine Hierarchie im Team.

Und es kommt noch ein anderes Problem hinzu. Fehlende Qualität haben auch andere Mannschaften in der Bundesliga zu beklagen, nehmen wir mal den SC Freiburg oder den SC Paderborn. Die kommen dann aber über den Willen, den Kampf und die taktische Disziplin und sind damit durchaus erfolgreich.

Davon ist beim VfB Stuttgart auch nichts zu sehen, da ist gar nichts vorhanden.

Da muss Huub Stevens jetzt ansetzen. Was die Fitness und die Laufbereitschaft angeht, müssen die Spieler ein paar Schippen zulegen. Da ist in den letzten Monaten vieles versäumt worden.

Wenn man nicht die nötige Fitness hat, um in die Zweikämpfe zu kommen, kann man in der Bundesliga nicht bestehen.

Was mich generell schockiert: Ich wiederhole mich an dieser Stelle seit Wochen, was den VfB Stuttgart angeht. Doch es ist immer das Gleiche. Sportdirektor weg, Trainer weg, aber auf dem Platz ändert sich nichts.

Tatsächlich gibt es in Stuttgart immer noch ein paar, die den Ernst der Lage nicht begriffen haben.

Der VfB hat nach 14 Spielen 12 Punkte auf dem Konto. Da brennt es lichterloh unter dem Tannenbaum.

Wer jetzt immer noch nicht weiß, was die Stunde geschlagen hat, der hat seinen Beruf verfehlt.

Das einzig Gute ist: Nach wie vor ist alles ganz, ganz eng da unten. Aber darauf darf man sich nicht verlassen. Man muss sich erst einmal an die eigene Nase greifen.

Der Kreis der Abstiegskandidaten wird sich mit der Zeit mit Sicherheit reduzieren.

Bei Borussia Dortmund darf man beispielsweise davon ausgehen, dass die sich Schritt für Schritt da unten raus ziehen.

Und auf Schnäppchen auf den Wintertransfermarkt sollte man sich auch keine allzu großen Hoffnungen machen. Was über Jahre bei der Zusammenstellung der Mannschaft falsch gemacht wurde, kann man nicht in der Winterpause mir nix dir nix reparieren.

Ohnehin stellt sich die Frage: Welche Spieler gehen denn in der Winterpause zum Tabellenletzten der Bundesliga? Jemand, der der Mannschaft sofort weiterhilft, wohl kaum.

Am ehesten ginge das mit einem Spieler aus Südamerika, wo die Saison schon zu Ende ist. Aber dazu müsste der VfB Geld in die Hand nehmen.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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