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Roman Weidenfeller (l.) gewann mit Dortmund 2012 das Double
Roman Weidenfeller (l.) gewann mit Dortmund 2012 das Double © getty

München - An Roman Weidenfellers Degradierung überrascht Jürgen Klopps Kühle. Der Keeper äußert sich nun zurückhaltend.

Wenn es im Fußball bei einer Mannschaft nicht läuft, greifen häufig die viel zitierten "branchenüblichen Mechanismen". Sprich: Der Trainer wird ausgetauscht.

Bei Borussia Dortmund würde niemand auf die Idee kommen, Jürgen Klopp zu entlassen. Auch ein Rücktritt kam trotz des zwischenzeitlichen Absturzes auf Platz 18 nie in Frage.

Der Coach zauberte eine andere - altbewährte - Maßnahme unter seiner BVB-Kappe hervor: Er wechselte vor dem Spiel gegen 1899 Hoffenheim den Torhüter aus.

Mitch Langerak stand zwischen den Pfosten, Roman Weidenfeller saß auf der Bank.

Mehr noch als die Maßnahme an sich überraschte die Kühle, mit der Klopp sie kommentierte.

Kein Gespräch mit Weidenfeller

"Ich weiß nicht genau, wie er es aufgenommen hat. Ich habe es im Mannschaftskreis gesagt", sagte Klopp am Freitagabend nach dem 1:0-Sieg, durch den sich die Borussia Luft im Tabellenkeller verschaffte und die Abstiegsränge verließ.

Der Trainer hatte den verdienten Schlussmann, der mit dem BVB zweimal Meister und einmal Pokalsieger wurde, ohne ein vorheriges Gespräch unter vier Augen zum Ersatzspieler degradiert. Oder böse gesagt: abserviert.

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"Roman kann damit umgehen"

Er werde "den Teufel tun, die Spieler noch zu fragen, ob sie es cool finden, nicht zu spielen", verteidigte sich Klopp.

Weidenfeller sei schließlich "erfahren genug. Er kann damit umgehen, kein Problem."

Dass Weidenfeller sich seine Strafversetzung zu Herzen nehmen wird, glaubt Klopp nicht. "Ich kenne Roman seit sechseinhalb Jahren. Er hält jedem Druck stand", sagte der Trainer.

Weidenfeller: "Rein sportliche Entscheidung"

Weidenfeller blieb nach der Degradierung äußerlich ruhig. "Das war eine rein sportliche Entscheidung vom Trainer, die ich natürlich akzeptieren werde", sagte der 34-Jährige bei "Sport Bild Plus".

Sportlich ist Klopps Entscheidung nachvollziehbar: Langeraks bisherige Leistungen im BVB-Tor waren in den vergangenen Jahren mehr als ordentlich, Weidenfeller hatte sich zuletzt einige - darunter folgenschwere - Patzer geleistet. So beim 1:2 in Köln und beim 0:2 in Frankfurt.

"Es waren schon einige Situationen da, in denen Weidenfeller seine Vorderleute leicht verunsichert hat", sagte Franz Beckenbauer bei "Sky".

Doch die Degradierung des Weltmeisters könnte durchaus zum Problem werden. Vielleicht ist sie es sogar bereits.

Helmer vermutet Stress

"Ich glaube, dass es Stress gab, weil Jürgen ihm die Entscheidung nicht einmal in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt hat", sagte SPORT1-Experte Thomas Helmer am Sonntag im Volkswagen Doppelpass.

Dass Weidenfeller, der immerhin als zweiter Torwart im Sommer mit der Nationalmannschaft die WM gewann, "jetzt rausgenommen wird, ist schon ein Hammer!", findet Ex-Borusse Helmer.

Seine Entscheidung sei "reines Bauchgefühl" gewesen, erklärte Klopp. Er wollte "die Frische und den Spaß von Mitch Langerak, der lange genug gewartet hat. Mitch war immer nah dran, und jetzt ist er mal dran."

Langerak hofft auf weitere Einsätze

Langerak, der zuletzt am 1. Spieltag gegen Leverkusen in der Startelf gestanden hatte, freute sich über das Vertrauen des Trainers und hofft auf weitere Einsätze. "Ich möchte so oft spielen, wie ich kann", sagte er nach dem Spiel. Gegen die harmlosen Hoffenheimer hatte er allerdings noch keine Möglichkeit, sich auszuzeichnen.

"Ich werde weiter hart trainieren müssen. Hoffentlich darf ich dann noch mal spielen", meinte der 26-Jährige, der seit 2010 in Dortmund unter Vertrag steht.

Langerak versicherte, zu seinem Konkurrenten ein "überragend gutes Verhältnis" zu haben: "Roman hat mir viel Glück gewünscht. Wir sind gute Freunde, auf und neben dem Platz."

Wer spielt gegen Anderlecht?

Sollte er aber auch am Dienstag im Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht und am kommenden Wochenende in Berlin auf der Bank sitzen, wäre dies ein mehr als deutliches Signal gegen den 34-Jährigen, der seit mehr als zwölf Jahren in Dortmund spielt.

Langerak oder Weidenfeller? "Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht", behauptete Klopp.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc kommentierte die Entscheidung möglichst gelassen: "Der Trainer hat es ja begründet, es war eine Bauch-Entscheidung. Und keine Entscheidung für eine ganze Saison."

Wachablösung bahnt sich an

Es ist aber kaum anzunehmen, dass Klopps Bauch ihm die Entscheidung abnehmen wird.

Langerak nach einem Spiel wieder aus der Mannschaft zu nehmen, wäre hart gegenüber dem Australier, der seine Reservistenrolle stets ohne Murren ausgefüllt hat.

Einiges spricht dafür, dass Weidenfeller sich - zumindest vorerst - mit dem Platz auf der Bank begnügen muss. Es bleibt abzuwarten, wie der Weltmeister diese Rolle annimmt. Bei der WM in Brasilien verhielt er sich vorbildlich als Reservist hinter Manuel Neuer.

Weidenfellers Vertrag beim BVB läuft noch bis 2016, dann ist er 36.

Langerak ist acht Jahre jünger. Von Wachablösung zu sprechen, wäre verfrüht. Doch Klopps Torwart-Tausch könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein.

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