München - Gerry Ehrmann zeigt bei SPORT1 wenig Verständnis für Roman Weidenfellers Degradierung. Der Torwart-Coach kritisiert Klopps Vorgehen.

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Roman Weidenfeller erlebte zuletzt einen Tiefpunkt. Vor dem Bundesliga-Match gegen Hoffenheim degradierte Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp den Keeper zum Reservisten.

Vor dem Heimspiel in der Champions League gegen den RSC Anderlecht (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im Sportradio SPORT1.fm) muss er nun sogar dauerhaft um seinen Status als Nummer eins fürchten.

Einer, der den Weltmeister gut aus dessen Anfängen im Profifußball beim 1. FC Kaiserslautern kennt, hat sich nun zur Situation des 34-Jährigen geäußert.

"Es tut mir persönlich leid für Roman", sagte Weidenfellers Ausbilder Gerry Ehrmann im Gespräch mit SPORT1. "Ich war selbst Torwart und weiß, wie das ist, wenn man aus dem Tor genommen wird."

BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte sich gegen den langjährigen Dortmunder Rückhalt entschieden, um so ein Zeichen im Abstiegskampf zu setzen.

Klopp hatte Weidenfeller darüber nicht in einem persönlichen Gespräch in Kenntnis gesetzt, sondern seine Maßnahme erst in der Mannschaftssitzung kundgetan.

Ehrmann versteht Klopp nicht

"Das ist schon hart für den Jungen", sagte Ehrmann. "Er ist ein verdienter Spieler, und da ist es doch selbstverständlich, dass man da vor so einer Entscheidung mit ihm spricht."

Der Torwart-Trainer des 1. FC Kaiserslautern kann das Vorgehen des Dortmunder Fußball-Lehrers daher nicht nachvollziehen. "Bei mir gäbe es das nicht", so der 55-Jährige. Er würde "vorher mit meinem Torwart sprechen und ihn über die Situation aufklären".

Zwar meinte Ehrmann auch, dass sich ein Trainer nicht immer für seine Personal-Entscheidungen rechtfertigen muss, "aber bei einem Spieler mit 34 Jahren, der Kapitän war und so viel mit dem Verein erreicht hat, ist es das Mindeste, dass man mit ihm spricht."

In die gleiche Kerbe schlägt auch SPORT1-Experte Peter Neururer: "Das sollte man schon dem Spieler frühzeitig mitteilen", sagte der Trainer des VfL Bochum in der Telekom Spieltaganalyse .

"Ein Stammspieler hat schon eine Erklärung verdient, wenn er nicht mehr spielt. So handhabe ich das zumindest", fügte Neururer hinzu.

Querelen vor der Degradierung?

Ehrmann vermutet, dass es bereits vorher zu internen Querelen gekommen sein könnte.

Klopp selbst hatte in der Pressekonferenz betont, nicht nach Verdiensten, sondern nach dem Moment aufzustellen. Dabei bestätigte er, Weidenfeller die Entscheidung nicht persönlich mitgeteilt zu haben.

"Wenn ein Spieler darüber reden will, kann er immer zu mir kommen. Nicht vor dem Spiel, aber gerne danach. Das hat Roman nicht eingefordert, daher hat es nicht stattgefunden. Wenn ich jetzt sagen würde, Mitch ist bis Juni die Nummer eins, hätte ich natürlich mit ihm gesprochen. Das ist aber nicht der Fall."

"Kein kleiner Bub"

Sportlich könne Ehrmann Klopps Entscheidung für die Partie gegen Hoffenheim aber ein Stück weit nachvollziehen. Schließlich patzte Weidenfeller zuletzt beim 1:2 in Köln und beim 0:2 in Frankfurt.

"Er hat zuletzt natürlich nicht ganz sicher gewirkt", räumte Ehrmann ein. "Aber er hat all die Jahre seine Leistung gebracht. Wenn er jetzt in einem kleinen Tief ist, dann muss man gerade zusammenhalten. Roman ist doch kein kleiner Bub."

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