Huub Stevens gilt als großer Defensiv-Verfechter, doch beim VfB zeigt das noch keine Wirkung. SPORT1 analysiert die Abwehrschwäche.

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Wo Huub Stevens drauf steht, da steckt die Null drin. Heißt es jedenfalls.

Mit der taktischen Umsetzung seiner Aussage "Die Null muss stehen" mauerte der Niederländer den FC Schalke 04 einst zum UEFA-Cup-Triumph.

Seitdem rührt Stevens überall dort Abwehrbeton an, wo er gerade als Trainer arbeitet.

Und so sollte dank des 61-Jährigen auch beim VfB Stuttgart der Laden hinten endlich wieder dicht sein.

Erst ein Saisonspiel ohne Gegentor

Dies wäre bei den Schwaben dringend nötig.

Die Kennzahlen sind erschreckend: Erst ein Saisonspiel ohne Gegentor (beim 1:0 gegen Hannover 96 am 27. September).

Mit 31 Gegentoren die löchrigste Abwehr aller Bundesliga-Klubs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch auch Stevens konnte das lichterlohe Brennen im eigenen Strafraum nicht sofort löschen. Zuletzt beim 0:4 gegen Stevens' Ex-Klub Schalke 04 sah sich der Tabellenletzte bereits nach einer Minute in Rückstand - nach 21 Minuten hieß es 0:3. 

Schießbude VfB

Schießbude VfB - und nun geht es ausgerechnet zum FSV Mainz 05 (Sa., 18.15 Uhr, LIVE im Sportradio SPORT1.fm), der zuletzt vier Heimsiege in Folge gegen Stuttgart feierte.

"Wir müssen uns auf jeden Fall gewaltig steigern, um zu punkten, diese Leistung gegen Schalke war nicht Bundesliga-tauglich", mahnte Torhüter Sven Ulreich bei "Facebook".

Abwehrchef Rüdiger verletzt

Die Hoffnung, dass Stevens das Dauerproblem in den Griff bekommt, ist nicht gerade groß.

Zumal auch noch Abwehrchef Antonio Rüdiger (Knie-OP) verletzt ausfällt, Routinier Georg Niedermeier nach überstandener Oberschenkel-Blessur gerade erst wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen ist - und Talent Timo Baumgartl Gefahr läuft, entgegen einer natürlichen Entwicklung verheizt zu werden.

Womöglich baut Stevens deshalb nun auf Amateur Stephen Sama.

Sieg gegen Freiburg Strohfeuer

Ob das die Trendwende bewirkt, darf bezweifelt werden.

Dass Stevens mit dem 4:1 in Freiburg ein erfolgreiches Comeback als Stuttgarter Trainer erlebte, hatte beim VfB ohnehin niemanden nachhaltig in Sicherheit gewogen.

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", hatte Stürmer Martin Harnik erklärt.

Das Glück war zwischenzeitlich zwar zurückgekehrt - die Nöte und Defizite sind geblieben.

"Lieber einmal 0:4 als viermal 0:1"

Auch, weil Stevens neben dem Personal bereits nach zwei Spielen die Argumente auszugehen scheinen.

"Lieber einmal 0:4 verlieren als viermal 0:1", bemüht er Floskeln - und fügt an: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."

Derlei Parolen hängen den entsetzten Fans zu den Ohren heraus. Genauso wie mangelnde Gegenwehr und haarsträubende Abwehrfehler, nicht zuletzt nach Standards.

Dafür steht vorne die Null

Im defensiven Mittelfeld hatten Carlos Gruezo und Moritz Leitner zuletzt keinen Zugriff auf die Schalker Offensivkräfte Tranquillo Barnetta und Max Meyer. (BERICHT: Choupo-Moting schießt VfB ab)

Die langersehnte Null, die hinten fehlt, ist vorne umso präsenter:

Bei den Pleiten gegen Köln, Bayern, Hoffenheim, Wolfsburg, Bremen, Augsburg und Schalke gelang kein eigener Treffer. Ebenso wenig beim Erstrunden-Aus im DFB-Pokal in Bochum (0:2).

Und: Seit September 2013 glückten dem VfB keine zwei Siege hintereinander.

Ausfälle und Unzufriedenheit

Das liegt auch an weiteren Ausfällen wie die der Langzeitverletzten Vedad Ibisevic und Mohammed Abdellaoue.

Trotz der personellen Engpässe ließ Stevens die zwei teuersten VfB-Einkäufe Filip Kostic und Daniel Ginczek (zusammen 8,5 Millioinen Euro Ablöse) auf der Bank brummen.

Zudem steht der unzufriedene Kreativkopf Alexandru Maxim wohl vor dem Absprung.

Noch immer kein Sportdirektor

In der Winterpause sind eigentlich Verstärkungen vonnöten. Womit sich die nächsten Probleme auftun.

Wer nämlich soll diese eintüten? Nach dem Rauswurf von Fredi Bobic ist noch immer kein neuer Sportdirektor gefunden.

Dass Robin Dutt (früher Werder Bremen) und Augsburgs Stefan Reuter die Nachfolge antreten könnten, ist reine Spekulation.

Und nicht zuletzt ist der VfB auch finanziell kaum auf Rosen gebettet.

"Der Wahnsinn"

Kein Wunder, dass VfB-Experten wie auch Ex-Manager Herbert Briem in den "Stuttgarter Nachrichten" klagen: "Was beim VfB passiert, ist der Wahnsinn."

Die Befürchtung, dass die Abwärtsspirale noch mehr an Fahrt aufnimmt, ist keineswegs unbegründet.

Neue Kompetenz und eine Perspektive sind nicht in Sicht, der Fast-Fast-Abstieg in der Vorsaison ist nach wie vor nicht wirklich aufarbeitet.

"Unser Trainer Huub Stevens hat vergangene Woche gesagt, es wird ganz schwer, den Klassenverbleib zu erreichen. Seit Samstag denke ich, er hat untertrieben", postete Ulreich nach dem Offenbarungseid gegen Schalke.

Es wirkt, als sei der VfB der Bundesliga nicht mehr gewachsen.

Wenn in Mainz, danach gegen den Hamburger SV und Aufsteiger Paderborn keine Punkte eingefahren werden, könnten beim Schlusslicht die Lichter ganz schnell ausgehen.

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