München - Die wiedergenesenen Rückkehrer um Sahin entfachen in Dortmund neue Hoffnung. Doch die ist trügerisch und gefährlich.

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Von Holger Luhmann

Jürgen Klopp darf sich in diesen Tagen ein bisschen fühlen als sei schon Weihnachten.

Die nach langer Verletzung wiedergenesenen Nuri Sahin, Jakub Blaszczykowski und Oliver Kirch sind für den Trainer von Borussia Dortmund so etwas wie vorzeitige Geschenke in turbulenter Adventszeit.

"Jeder Spieler mehr hilft uns", sagte Ur-Borusse Kevin Großkreutz zur Bedeutung der Dortmunder Comebacker. Trotzdem: Einen Haken hat die Angelegenheit dennoch.

Zu kaputt, um Klopp zu verstehen

Doch so richtig erfreuen können wird sich Klopp an den Rückkehrern wohl erst im neuen Jahr.

Sahin etwa habe sich beim 1:1 in der Champions League am Dienstag gegen den RSC Anderlecht mächtig strecken müssen, um die Partie durchzuhalten.

"Als wir ihn fragen wollten, ob es noch geht, war er offenbar so kaputt, dass er uns gar nicht verstanden hat", erklärte Klopp später.

"Glücksgefühl" bei den Rückkehrern

Nuri Sahin
Nuri Sahin (m.) spielte von 2011 bis 2012 für Real Madrid © Getty Images

Sahin machte seine Sache nach siebenmonatiger Zwangpause durchaus gut, bereitete sogar das Tor von Ciro Immobile vor.

Kirch kehrte nach vier Monaten in die Mannschaft des BVB zurück.

Blaszczykowski bekam nach exakt 318 Tagen Fußball-Abstinenz ein paar Minuten Einsatzzeit und sprach anschließend stellvertretend für das Trio von einem "Glücksgefühl".

"Mit jedem Spiel wird mehr hinzukommen"

Das wird auch Klopp beim Anblick seiner Rückkehrer empfunden haben.

Sein Verweis auf den Konditionszustand von Sahin macht aber auch deutlich: Die Gesundeten benötigen Zeit, um wieder ihren ursprünglichen Leistungsstand zu erreichen.

So sieht es auch Sahin selbst. "Mit jedem Spiel wird mehr und mehr hinzukommen", sagte der Mittelfeldspieler.

Die Zeit als Gegner

Genau das ist aber auch die Crux für den in der Liga so tief gefallenen BVB: Zeit, um sich zu festigen und sich aus dem Schlamassel zu befreien, hat die Borussia nicht.

Das Spiel in Berlin bei Hertha BSC (Sa., ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm) werde "ein komplett anderes" als gegen Anderlecht, warnte Sahin: "Ehrlich gesagt, geht es dort um viel mehr als jetzt in der Champions League."

Die Hoffnung, die die Comebacker in Dortmund entfachen, ist trügerisch und gefährlich.

Denn es ist nicht davon auszugehen, dass sie in Berlin schon die Last der Verantwortung tragen können.

Vielmehr, dass Klopp den gleichen "robusten Kämpfern" vertraut, die am vergangenen Wochenende beim 1:0 gegen Hoffenheim weitgehend überzeugt haben. Dazu dürfte auch Stürmer Adrian Ramos gehören, der im Sommer von Berlin nach Dortmund gewechselt war.

Arbeit an zwei Baustellen

Für Klopp ist es eine Arbeit an zwei Großbaustellen. Er muss die Rückkehrer auf ihr altes Level führen und allmählich in die Mannschaft einbinden.

Und er muss sich speziell um zwei Sorgenkinder kümmern.

Das eine ist Shinji Kagawa, der nach seiner Rückkehr von Manchester United mehr ein Schatten seiner selbst ist.

Das andere ist Henrikh Mkhitaryan. Im entscheidenden Moment spielt er entweder den falschen Pass oder vergibt Chance um Chance.

Klopps Mantra: weitermachen

"Er arbeitet wie ein Tier, kann aber seine Chancen nicht nutzen. Das haut ihm ins Gebälk", sagt Klopp über den sensiblen Armenier.

Mkhitaryan und den Rückkehrern um Sahin hat Klopp vor allem eine Aufgabe ins Stammbuch geschrieben: harte Arbeit.

"Das ist wie mit unserer Gesamtsituation", sagte Klopp und klang beinahe beschwörend, "du musst weitermachen, auch wenn es nicht so leicht ist."

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