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Armin Veh (r.) wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister
Armin Veh (r.) wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister © getty

München - Armin Veh ist Augsburger durch und durch. Vor dem Spiel gegen Bayern spricht er bei SPORT1 über den aktuellen Höhenflug des FCA.

Es ist das Gipfeltreffen des 15. Spieltags.

Der FC Augsburg empfängt als Drittplatzierter den Tabellenführer und Rekordmeister FC Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm).

Unter diesen Voraussetzungen ist die Begegnung eine Premiere. Noch vor einigen Jahren hätte kein noch so glühender FCA-Fan auch nur im Entferntesten an diese Konstellation zu wagen geglaubt.

"Alles geht voran"

Einer, dessen Herz seit Kindesbeinen für den FCA schlägt, ist Armin Veh, der vor zweieinhalb Wochen als Trainer des VfB Stuttgart zurücktrat.

Über die Lage dort mag er derzeit nicht sprechen - umso lieber dafür über den Klub, mit dem ihm sogar noch mehr verbindet.

Der 53-Jährige startete 1979 in Augsburg seine Profikarriere. Veh trug zudem von 1985 bis 1987 das FCA-Trikot und war zwei Mal beim Klub als Trainer angestellt: von 1990 bis 1995 und von 2003 bis 2004.

Eintracht Frankfurt v VfB Stuttgart - Bundesliga
Armin Veh trainierte in seiner Laufbahn zweimal den FC Augsburg © Getty Images

Noch heute lebt Veh in der Nähe von Augsburg. Und hat "seinen" Klub immer fest im Blick.

"Ich möchte nicht als Wunder bezeichnen, was gerade beim FCA passiert", sagt Veh im Gespräch mit SPORT1.

"Schon im letzten Jahr haben sie eine gute Saison gespielt und dementsprechend ist es kein Wunder, aber es ist alles sehr überraschend", erklärt er weiter: "Diese Entwicklung hat man sich nicht vorstellen können, aber sie tut dem Verein und der Stadt natürlich richtig gut."

Man habe in Augsburg "darauf geachtet, dass nicht nur der sportliche Erfolg wächst und alles andere hinterher hinkt, sondern dass alles voran geht."

Seinsch der Vater des Erfolgs

Für Veh ist der eigentliche Vater des Erfolgs Walther Seinsch. Von November 2000 bis 3. Dezember 2014 war der heute 73-Jährige Vorstandsvorsitzender des Vereins.

Durch den ehemaligen Textilunternehmer erfolgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Vereins, woraufhin sich auch in all den Jahren seiner Führung der sportliche Erfolg einstellte.

"Es ist immer abhängig von Personen", sagt Veh, "von daher hat das mit Walter Seinsch angefangen, weil er derjenige war, ohne den es der FC Augsburg in der Form nie geschafft hätte, in die Bundesliga zu kommen."

Erfolgstrio Weinzierl, Reuter und Bircks

Aktuell ist für den sportlichen Erfolg des Klubs ein Trio verantwortlich: Trainer Markus Weinzierl, Sportchef Stefan Reuter und der Aufsichtsratsvorsitzende und Geschäftsführer Peter Bircks.

"Peter Bircks war immer die rechte Hand von Walther Seinsch und die Zwei standen stets für Kontinuität im Verein. Und das ist in jedem Klub extrem wichtig", erklärt Veh.

Das Erfolgsrezept beim FCA? "Es gibt kurze Wege, man versteht sich gut und mit Reuter, Weinzierl und Bircks sind gute Leute am Werk. Und es werden gute Personalentscheidungen getroffen. Da passt alles. Und da es auch zwischenmenschlich stimmt, ist es das, was den Erfolg ausmacht."

2005 noch Regionalliga

In der Saison 2005/2006 spielte der Verein noch in der Regionalliga, stieg am Ende der Saison in die Zweite Liga auf, wo der Klub fünf Jahre spielte. 2011 stieg der FC Augsburg schließlich in die Bundesliga auf.

Viele Spieler loben immer die Ruhe im Umfeld und im Klub. Hektische Entscheidungen gibt es in Augsburg nicht. Für Veh ist dies aber nicht das alleinige Erfolgsgeheimnis.

Er meint: "Nur mit Ruhe stehst Du nicht unbedingt da oben. Da kannst du mehr den Abstieg vermeiden."

"Team hat gewisse Reife"

Augsburgs Unaufgeregtheit sei wichtig, "aber da wurde schon vieles generell sehr gut gemacht. Die Personalpolitik war klasse und das ist der Verdienst von Weinzierl, Reuter und Bircks", erklärt Veh: "Sie haben keine unerfahrene Mannschaft. Da ist schon ein Team, das eine gewisse Reife hat."

Was die Ziele angeht, da ist er ganz realistisch: "Ich glaube nicht, dass sie es auf einen Champions League-Platz schaffen, aber sie haben durchaus eine Chance Platz sechs zu erreichen, was auch eine kleine Sensation wäre. Es wäre ein Riesenerfolg, wenn sie in Augsburg Europa League spielen könnten."

"Guter Typ und Trainer"

Eine Trainerdiskussion war in Augsburg in den letzten zweieinhalb Jahren nie ein Thema, auch nicht, als es in den ersten Monaten für Weinzierl nicht gut lief.

"Alles ist ergebnisabhängig, aber man erkannte, dass Weinzierl ein guter Typ und ein guter Trainer ist und es auch zwischenmenschlich passte. Dann muss man nicht über eine Entlassung nachdenken, nur weil die Ergebnisse nicht stimmen", sagt Veh.

Für Veh steht fest: "Es war der Schlüssel zum Erfolg, dass man in der schwierigen Zeit zusammengehalten hat und nicht die üblichen Entscheidungen getroffen hat. Ich weiß, dass man immer überzeugt war von Weinzierl und deshalb hat man es durchgezogen."

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