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Pep Guardiola-FC Bayern München-Trainerbank
Pep Guardiola führte den FC Bayern in seiner ersten Saison zum Double © getty

München - Beim FC Bayern läuft alles, was bei der Konkurrenz seit der WM nicht klappt. Warum? SPORT1 nennt die Gründe.

Der FC Bayern München könne nichts für die Unfähigkeit der anderen Vereine.

Paul Breitner, der Markenbotschafter des Rekordmeisters, hat die Konkurrenz zornig gemacht mit diesem Satz im Volkswagen Doppelpass.

Verständlich, wer lässt sich schon gern unfähig nennen? Unbestreitbar allerdings, dass der FC Bayern es sich im Moment erlauben kann, auf die Konkurrenz herabzublicken.

Mit 4:0 fertigte er am Wochenende den Überraschungsverfolger Augsburg ab. Mit neun Zählern hat er den VfL Wolfsburg, den Tabellenzweiten, distanziert. Nicht zu reden vom Rest der Mitbewerber.

Weil sie unfähig sind? Man kann die Frage auch anders stellen. In was ist der FC Bayern und sein Coach gerade fähiger als die Rivalen? SPORT1 analysiert vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg (ab 19 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm).

• Keine Spur von WM-Kater

14 Münchner waren bei der WM dabei. Kein Klub dieser Welt stellte mehr Spieler. Fünf Bayern-Stars bestritten sogar alle Spiele, sieben an der Zahl. Dem Rekordmeister droht der WM-Kater, ähnlich wie bei vorherigen Großturnieren, warnte mancher Experte vor der Saison. Auch die Klubverantwortlichen bekundeten ihre Sorge.

Trotzdem verkündete Guardiola schon auf der USA-Reise Mitte August: "Kein Problem, ich habe das alles schon 2010 mit Barcelona nach Spaniens WM-Sieg erlebt."

Und siehe da: Den Kater haben gefühlt alle anderen (die Nationalelf inklusive), nur der FC Bayern nicht. WM-Akteure wie Arjen Robben und Mario Götze brillieren, statt in Durchhänger zu verfallen. Warum? Siehe die kommenden Punkte...

• Das Spielsystem

Guardiola ließ in der aktuellen Saison bereits sechs verschiedene Systeme spielen. Falls er eine Viererkette brachte, war es neben dem 4-2-3-1 entweder ein 4-3-3 oder ein 4-2-2-2. Der bekennende Fan von Dreierabwehrreihen hat neben dem 3-4-3 aber auch ein 3-4-1-2 und ein 3-5-2 im Repertoire.

Mit seiner Mannschaft erarbeitet er jede dieser Varianten bis zur Perfektion. Die Folge sind superlative Ballbesitzwerte um die 70 Prozent. Der Gegner ist zum Laufen gezwungen, die Bayern können sich ausruhen. Die Münchner spulen meist deutlich weniger Kilometer ab als die Konkurrenz.

Zwischenzeitlich lagen sie bei 115,3 Kilometern im Schnitt - und damit im unteren Mittelfeld dieser Statistik. Hilfreich ist dabei, dass im Schnitt 87,6 Prozent der Pässe beim eigenen Mann ankommen.

• Guardiolas Konsequenz

Taktisch ist der Bayern-Coach flexibel, ansonsten aber zieht er seine Idee durch - immer. BVB-Coach Jürgen Klopp schwenkte in der Krise des BVB jüngst um. Er ist für seine Kumpelattitüde bekannt. Nun setzte er zuerst Torwart Roman Weidenfeller auf die Bank und nominierte dann Kevin Großkreutz nicht fürs Spiel in Berlin.

Es sind Maßnahmen, die Trainer treffen, wenn sie ratloser werden. Guardiola lässt es nicht so weit kommen. Xherdan Shaqiri und Pierre-Emile Hojbjerg beschwerten sich jüngst öffentlich über ihre Reservistenrolle. Guardiolas Antwort: "Wenn ein Spieler nicht bleiben will, muss er gehen."

• Kein Bonus für Weltmeister

In der Druckkammer Säbener Straße weiß jeder, dass er nicht unersetzlich ist. Ende Oktober nahm sich Guardiola Mario Götze zur Brust. Er lobte ihn zwar für seine Entwicklung, stellte aber zugleich klar: "Ich will mehr!"

Zur Erinnerung: Der Siegtorschütze des WM-Finales hatte damals beim 6:0 gegen Werder Bremen zwei Tore erzielt und über Wochen auf konstant hohem Niveau gespielt, wie nie zuvor bei den Bayern.

• Das Rotationsprinzip

Ottmar Hitzfeld führte dieses einst ein. Auch Guardiola greift auf diese Methode zurück. Im Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau kamen Robert Lewandowski und Arjen Robben erst nach der Pause.

Zuletzt beim FC Augsburg saßen Mario Götze und Thomas Müller zunächst auf der Bank. Immer wieder gönnt er seinen Stars Pausen. Wohl dem, der sich angesichts von fünf verletzten Spielern diesen Luxus leisten kann.

• Die finanziellen Möglichkeiten

Jedes Unternehmen ist nur so gut, wie seine Mitarbeiter, heißt es. Das gilt auch für den FC Bayern. Der Lizenzspieleretat liegt bei kolportierten 160 Millionen Euro. Borussia Dortmund kommt im Vergleich nur auf 73 Millionen.

Während beim BVB zum Beispiel ein Matthias Ginter den zwischenzeitlichen Ausfall von Mats Hummels nicht kompensieren konnte, legten die Bayern auf dem Transfermarkt nach. Xabi Alonso kam für läppische zehn Millionen Euro, und Bastian Schweinsteiger hatte die Zeit, die er brauchte, um seine Kniebeschwerden geduldig auszukurieren.

Javi Martinez verletzt? Kein Problem, wurde eben noch Medhi Benatia für 30 Millionen Euro nachgekauft.

Die Weltmeister aus Dortmund können nicht auf ihre Kollegen aus anderen Nationen bauen. Sie sind gefordert, und teils überfordert. Dabei kamen sie in Brasilien nur auf ein Viertel der Einsatzzeit (1154 Minuten).

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