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Ralf Fährmann startete seine Profikarriere 2007 beim FC Schalke 04
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München - Vor dem Spiel in Paderborn spricht Schalkes Torwart Ralf Fährmann bei SPORT1 über seinen Klub, Manuel Neuer und Borussia Dortmund.

Ralf Fährmann kann endlich zufrieden sein. Und stolz.

Der Torwart des FC Schalke 04 hat in den letzten Jahren einiges erlebt - Positives wie Negatives.

2011 wurde der 26-Jährige Nachfolger von Manuel Neuer bei den Königsblauen nach dessen Wechsel zum FC Bayern. Ein schweres Erbe.

Nach einem Kreuzbandriss und vielen Zweifeln in der Anfangszeit wurde Fährmann im November 2013 endgültig die Nummer eins im Tor von S04. Seitdem überzeugt er mit starken Leistungen.

Vor dem Spiel am Mittwoch beim SC Paderborn (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm) spricht Fährmann im SPORT1-Interview über seinen Verein, den kommenden Champions-League-Gegner, Neuer, Borussia Dortmund, Trainer Roberto Di Matteo - und die Nationalelf.

SPORT1: Herr Fährmann, im Achtelfinale der Champions League trifft Schalke auf Real Madrid. Zufrieden oder geschockt?

Ralf Fährmann: (lacht) Es ist die Champions League, wenn man im Vorfeld schon von einem guten oder schlechten Los spricht, dann ist das ein Luxusproblem. Wer in der Königsklasse weiterkommt, der gehört zu den besten Vereinen Europas und dann ist es egal, ob der Gegner Real Madrid heißt oder AS Monaco oder FC Porto. Ich freue mich sehr, dass es wieder gegen Real geht. Wir haben uns letztes Jahr schon mit ihnen messen können, wollen aus unseren Fehlern lernen und es in dieser Spielzeit viel besser machen. Gerade in Madrid zu spielen, ist ein besonderes Erlebnis. Es werden zwei geile Duelle.

SPORT1: Erinnern Sie sich noch an das Spiel im Bernabeu Stadion?

Fährmann: Na klar, da gab es einige Situationen, in denen ich mich habe auszeichnen können. Meine Vorfreude ist einfach riesengroß auf solche Gegner. Man muss sich nur mal den Sturm der Spanier anschauen. Da spielen mit Karim Benzema, Cristiano Ronaldo und Gareth Bale drei absolute Superstars. Ronaldo ist gerade wieder auf großer Rekordjagd und man darf auch Toni Kroos nicht vergessen. Man träumt als Kind, sich mit den Besten der Besten messen zu können, und deshalb werden diese zwei Spiele etwas ganz Besonderes.

SPORT1: Schalkes Geschäftsführer Peter Peters sagte "Tagesform schlägt Klasse". Kess, oder?

Fährmann: Natürlich hat man in jedem Spiel eine Chance, ganz egal, gegen wen es geht. Wir sind natürlich in der Außenseiterrolle, aber wir haben in Chelsea und gegen Bayern zu Hause Unentschieden gespielt, von daher ist das mit der Tagesform nicht so verkehrt. Wir müssen aber schon über uns hinauswachsen und Real muss einen schlechten Tag haben. Jeder von uns wird sich aber zerreißen und alles für ein Weiterkommen machen.

SPORT1: Sie wurden nach dem Abschied von Manuel Neuer als neue Nummer eins geholt, erlitten dann einen Kreuzbandriss und sind inzwischen nach schweren drei Jahren Stamm-Keeper auf Schalke. Wie glücklich sind Sie?

Fährmann: Ich bin überglücklich. Es war die schlimmste Zeit meiner Karriere, erst die schwere Verletzung und dann keine Chance zu bekommen. Doch es ist jetzt ein Stück weit Genugtuung, dass ich es meinen Kritikern zeigen konnte, die nicht an mich geglaubt haben. Ich wusste immer, dass ich meine Chance nutzen werde, wenn ich mehrere Spiele bekomme. Es ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen, dass ich weiter auf Schalke spielen kann und die unangefochtene Nummer eins bin. Das versuche ich weiter zu bestätigen. Es ist ein unglaubliches Gefühl.

SPORT1: Welches Gefühl haben Sie bei Ihrem Trainer Roberto Di Matteo?

Fährmann: Ein sehr gutes. Herr Di Matteo ist ein großartiger Trainer, der sehr verliebt ist in den Fußball. Er hat 24 Stunden nur diesen Sport im Kopf, ist morgens der Erste, der vor acht Uhr im Kabinentrakt steht und abends der Letzte, der heimfährt. Herr Di Matteo denkt sehr differenziert und analytisch und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, was uns als Mannschaft guttut. Er nimmt uns damit viel Druck. Zudem ist er eine absolute Autoritätsperson.

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SPORT1: Ist er ein harter Hund, Kumpel oder ein Mix aus beidem?

Fährmann: Er ist schon beides. Wir haben aber vor allem einen Trainer, der konsequent in seinem Handeln ist, und einen klaren Plan verfolgt, an dem wir uns orientieren können. Er passt perfekt auf Schalke. Er hat eine starke Ausstrahlung nach außen, ist aber umgänglich und spricht viel mit uns Spielern. Er duzt uns, und ich sage Trainer zu ihm, so umgehe ich das mit dem Du oder Sie.

SPORT1: Täuscht das Gefühl oder ist die Unruhe auf Schalke weniger geworden?

Fährmann: Es ist ein bisschen ruhiger geworden, aber eine gewisse Unruhe wird immer auf Schalke bleiben. Die ist ja auch da, weil es ein Verein voller Emotionen und Leidenschaft ist. Wenn diese Unruhe weg wäre, würde etwas fehlen bei einem Klub, der polarisiert. Es ist natürlich nicht immer förderlich für ein ruhiges Arbeiten, aber diese Leidenschaft darf nie weg sein. Sie zeichnet Schalke doch aus.

SPORT1: Kölns Torwart Timo Horn sagte jetzt, dass er sich hinter Manuel Neuer vor niemandem verstecken müsse. Wo sehen Sie sich im Dunstkreis der potenziellen Nachfolger von Neuer?

Fährmann: Ich bin ja außerhalb des Platzes eher ein ruhiger Typ. Auf dem Platz ist das anders, aber ich bin kein Typ, der sich in irgendeine Position oder Rolle reinreden möchte. Ich möchte einfach meine Leistung für mich sprechen lassen und die hat in den letzten Monaten gestimmt. Die Nationalelf wäre das Sahnehäubchen, was dazukommen könnte. Ich sehe mich natürlich auch in dem Kreis, der da auch spielen kann, aber das sollen andere entscheiden.

SPORT1: Jetzt gab es einigen Ärger in der Liga, weil Paul Breitner sich sehr weit aus dem Fenster lehnte. Wie bewerten Sie seine Aussagen, dass der FC Bayern nichts für die Unfähigkeit der anderen Klubs könne?

Fährmann: Dass seine Aussagen auf Unmut stoßen würden, war klar. Paul Breitner hat viel im Fußball geleistet, aber dass ich anderer Meinung bin, ist auch klar. Auf Schalke macht die gesamte Vereinsführung meiner Meinung nach einen super Job. Es ist nicht einfach für andere Klubs, einfach mal nachzurüsten mit Spielern von der Klasse eines Xabi Alonso. Die Vereine können es sich nicht leisten gefühlte drei Top-Mannschaften mit diesem Gehalts-Volumen zu stellen. Natürlich hat sich Bayern München den Erfolg über Jahre erarbeitet, aber dann sollte man im Erfolg auch Größe zeigen.

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SPORT1: Ein Blick zum Erzrivalen: Glauben Sie, dass Borussia Dortmund absteigt?

Fährmann: Nein. Sie werden es sehr schwer haben, wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden, weil jetzt Sachen nicht mehr funktionieren, die früher gang und gäbe waren. Das ist leider so, wenn du so weit unten drin bist, aber der BVB wird sich raus kämpfen und zurückfinden in die Erfolgsspur. Eine Liga ohne den BVB wäre langweilig.

SPORT1:Am Mittwoch geht es zum SC Paderborn. Wie sehen Sie den Klub und wie schwer wird die Aufgabe?

Fährmann: Die Paderborner spielen eine hervorragende Saison, gerade mit den Verhältnissen, die da vorherrschen. Man muss sich nur die Trainingsbedingungen anschauen oder das Budget des Klubs. Man kann nur den Hut vor der Arbeit dort ziehen. Das ist eine Mannschaft, die das Fußballspiel sucht, was uns zugutekommen wird. Sie haben sich das erarbeitet, so im Fokus zu stehen, aber wir sind Schalke und wollen dort drei Punkte holen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

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