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Rafael van der Vaart kehrte im August 2012 zum HSV zurück
Rafael van der Vaart kehrte im August 2012 zum HSV zurück © getty

München und Hamburg - Der Hamburger SV erlebt gegen den VfB Stuttgart einen Tiefpunkt. Abermals steht Rafael van der Vaart im Mittelpunkt der Kritik.

In puncto Aggressivität konnte man dem Kapitän des Hamburger SV nichts vorwerfen.

Selbst nach der 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart ging Rafael van der Vaart noch in den Zweikampf.

Sein Gegner war in diesem Fall ein "Sky"-Reporter, dem er auf eine kritische Frage hin entgegenblaffte: "Du stellst Fragen, ich weiß nicht was los ist. Hast du schlecht geschlafen, oder was!"

Van der Vaart war auf die Szene in der 20. Minute angesprochen worden, in der der Niederländer Georg Niedermeier umgeschubst hatte, was von Schiedsrichter Dr. Felix Bych nicht geahndet wurde.

Zinnbauer schützt van der Vaart

"Heute war er aggressiv, jetzt will man es ihm noch negativ ankreiden. Er will die Mannschaft nach vorne peitschen", verteidigte Trainer Joe Zinnbauer hinterher das Verhalten seines Spielmachers.

Auch als Sündenbock für die Niederlage dürfe van der Vaart nicht herhalten, stellte der Coach klar:

"Man darf es jetzt nicht an van der Vaart festmachen. So ein Spieler wie van der Vaart, ein klassischer Zehner, der braucht die Räume. Es gelingt momentan der ganzen Mannschaft nicht."

Kritik von Effenberg

Ganz und gar anders sieht das Stefan Effenberg und ging als "Sky"-Experte mit van der Vaart hart ins Gericht.

"Er trabt, er trabt, er trabt weiter", beschreibt Effenberg das unmotivierte Verhalten des Niederländers vor dem Gegentor.

Zumal van der Vaart den Ball auch noch selbst verloren hatte.

Acht Torschüsse in 90 Minuten

Was der ganzen Mannschaft des HSV momentan nicht gelingt, ist für Torgefahr zu sorgen.

Die Zweikampfwerte stimmen, mit 113 zu 106 gewonnen Duellen entschieden die Hanseaten diese Statistik gegen die Stuttgarter für sich.

Doch vor dem Tor hapert es gewaltig.

"Dieser Punch in der Box, der uns seit Wochen fehlt, war wieder nicht da."

Ganze acht Torschüsse wagte der HSV in 90 Minuten. Der VfB schoss doppelt so oft auf den Kasten von Jaroslav Drobny, obwohl er fast eine ganze Halbzeit mit zehn Mann auskommen musste.

Doch die numerische Überlegenheit sei für sein Team sogar ein Nachteil gewesen, erklärte Zinnbauer: "Es war ein zerfahrenes Spiel, weil wir gegen zehn Mann spielen mussten. Wir haben uns zu wenig bewegt, hatten zu wenig Ideen."

Bangen um Lasogga

Fehlende Kreativität im Mittelfeld, dieses Problem hat Zinnbauer während seiner Amtszeit immer noch nicht in den Griff bekommen.

Die Stürmer Artjoms Rudnevs und Pierre-Michel Lasogga erhalten zu wenig verwertbare Bälle.

Vor allem deshalb hat der HSV nach 16 Spielen erst neun Saisontore auf dem Konto. Nur Tasmania Berlin präsentierte sich 1965 mit acht Treffern zu diesem Zeitpunkt noch ungefährlicher.

Zu allem Überfluss droht nun für das Spiel beim FC Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER u. im Sportradio SPORT1.fm) auch noch Angreifer Lasogga wegen Oberschenkelproblemen auszufallen.

Van der Vaart vor Abschied

Zinnbauer selbst wirkt ratlos, was das Offensivproblem angeht. Man werde die Gründe analysieren, sagte er nach dem Spiel nur.

Dabei liegt es auf der Hand, das die fehlende Kreativität vor allem an van der Vaart festzumachen ist. Nicht ohne Grund bezeichnet ihn Zinnbauer ja als klassischen Zehner.

Der Coach antwortete nach dem Spiel auf kritische Fragen der Journalisten ausweichend: "Rafael ist für uns ein sehr wichtiger Spieler. Er ist ein Spieler, der Ideen hat."

Der Vertrag des 31-Jährigen läuft im Sommer 2015 aus. Die Zeichen stehen auf Trennung.

"Zur Vertragssituation gehören immer zwei dazu", sagte Zinnbauer dazu nur.

Der Trainer hat momentan ohnehin wichtigere Sorgen. Denn bei einer Niederlage auf Schalke könnte dem HSV der Sturz auf Rang 18 drohen.

Dann stünden die Rothosen wieder an der Stelle, an der Zinnbauer das Team übernommen hat.

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