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Thomas Müller hält fest: "Wir sind eben nicht beim Frauenballett"
Thomas Müller hält fest: "Wir sind eben nicht beim Frauenballett" © getty

Thomas Müller ist es wichtig zu betonen, dass Fußball nun mal kein Frauenballett sei. Warum eigentlich?

Die Geschichte des Balletts ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Man sieht es exemplarisch an einer Begebenheit aus der Fernsehfamilie Simpson, die in dieser Woche ihr 25-Jähriges feiert.

Ehemann Homer brach in einer ihrer schönsten Episoden einmal in einen unerwarteten Jubelsturm aus, als Gattin Marge ihm den Erwerb zweier Karten für eine Ballettvorstellung mitteilte.

Warum, offenbarte wenig später ein animierter Blick in seine verträumte Gedankenwelt: Unter Ballett stellte er sich einen Bären mit Hut vor, der in einem Miniaturauto seine Runden in der Manege drehte - während er selber begeistert im Publikum saß und den Zirkusmarsch mitsang: Dädä-dädä-dädä-dädä-däda, dädä-dädä-dädä-dädä-dädä-dädä...

Große Ernüchterung, als er den Irrtum realisierte.

© SPORT1

Auch diese Woche hat ein prominenter Zeitgenosse das Ballett offensichtlich etwas missverstanden. Man bekommt zumindest den Eindruck, wenn man sich anhört, was Fußballweltmeister Thomas Müller über sein Tor für den FC Bayern über den SC Freiburg zu sagen hatte.

Mit redlicher Körperlichkeit hatte Müller sich hierbei ins Zweikampfgetümmel gestürzt und dabei auch ein blaues Auge in Kauf genommen. Für ein Tor hole er sich "gerne ein Veilchen ab", hielt er fest: "Wir sind eben nicht beim Frauenballett."

Müller, das ist wichtig anzumerken, sagte im selben Atemzug an, dass es ihm fernliege, "Frauenballett jetzt hier in den Dreck zu ziehen".

Aber wie das immer so ist, wenn man sagt, dass man nichts gegen etwas sagen wolle: Man sagt dann doch was dagegen.

Erst vor einiger Zeit war es Thomas Müller aus irgendeinem Grund wichtig zu betonen, dass er und seine Teamkollegen "Männerfußball" betrieben, nun also die Klarstellung, dass Männerfußball kein Frauenballett sei: Bei aller prinzipiellen Wertschätzung für die Frauen und ihr Ballett scheint es ihm wichtig zu sein, sich von ihnen abzugrenzen.

Warum eigentlich? Wer sich ein bisschen beschäftigt mit Ballett, kann leicht herausfinden, dass es - ernsthaft betrieben - ein harter Leistungssport mit hohem Konkurrenzdruck ist, in dem sich Bänder dehnen und Knochen knacken, in dem Blut, Schweiß und Tränen fließen und in dem man sich, wenn es dumm läuft, auch ein Veilchen holen kann.

Es gibt also bei näherer Betrachtung einige Gemeinsamkeiten zwischen Männerfußball und Frauenballett. Auch Unterschiede, klar, im Wesentlichen den, dass Männer keine Frauen sind und Fußball kein Ballett.

Wenn man darüber dann wieder etwas nachdenkt, stellt man allerdings fest, dass das eigentlich keine Neuigkeit ist - und deshalb auch nichts erwähnenswertes.

Aber gut: Vielleicht ist es ja nicht Thomas Müller, der einem Missverständnis aufgesessen ist, vielleicht bin es auch ich.

Womöglich war es ihm auch einfach nur ein Anliegen klarzustellen, dass im Männerfußball halt einfach was ganz anderes ist als im Kreis fahrende Bärenweibchen und ihr Dädä-dädä-dädä-dädä-däda.*

* Bitte diese Schlusspointe nicht falsch verstehen: Auch im Kreis fahrende Bärenweibchen gehen in ihrem Sport Risiken ein. Einmal falsch abgebogen und gegen die Manegenwand geprallt, und schnell hat man sich auch dabei ein Veilchen oder Schlimmeres geholt. Ratsam folglich, dass auch Bärenweibchen, die den Weg des Im-Kreis-Fahrens gehen, ordnungsgemäß ihren Führerschein machen.

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