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Stefan Kießling (Bayer Leverkusen)
Stefan Kießling erzielte sein drittes Saisontor in der Bundesliga © getty

Sinsheim - Stefan Kießling erzielt den Siegreffer in Hoffenheim - in jenes Netz, das bei seinem Phantomtor gerissen war. Sprechen will er darüber aber nicht.

Stefan Kießling ließ lieber die symbolkräftigen Bilder sprechen, sagen wollte er nichts.

Dabei hätten alle zu gerne gewusst, wie sich der Stürmer gefühlt hat, als er bei seinem Torjubel in der 79. Minute ausgerechnet in jenem berühmten Netz lag, das mittlerweile kein Loch mehr hat

Über eine Stunde warteten die Fragesteller im Anschluss an das 1:0 (0:0) von Bayer Leverkusen am vorletzten Hinrunden-Spieltag der Fußball-Bundesliga bei 1899 Hoffenheim auf den Siegtorschützen, der 14 Monate nach seinem Phantomtor zum ersten Mal an den "Tatort" zurückgekehrt war.

Doch die Warterei war vergebens, der wochenlange Spießrutenlauf im Anschluss an seinen bisher letzten Auftritt in Sinsheim ließ den 30-Jährigen vorsichtig werden.

"Eine Last ist von ihm abgefallen"

Da Kießling sich nicht äußern wollte, mussten andere das Reden übernehmen.

Kießlings Tor zum Nachhören auf SPORT1.fm

"Man hat nach dem Abpfiff schon gemerkt, dass eine Last von ihm abgefallen ist. Das freut mich für ihn", sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler: "Während des Spiels hatte man schon das Gefühl, dass er heute kein Tor macht. Aber das ist das Phänomen Fußball. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball."

Spießrutenlauf nach Phantomtor

Diese spezielle Geschichte begann am 18. Oktober 2013. Kießling hatte den Ball damals ans Außennetz geköpft, durch ein Loch im Netz landete der Ball aber im Tor. WM-Schiedsrichter Felix Brych erkannte den Treffer zu Unrecht an.

Es folgte eine wochenlange Diskussion. Kießling erhielt sogar Morddrohungen. Dem sechsmaligen Nationalspieler wurde vorgeworfen, dass er die Szene korrekt wahrgenommen, aber nicht dem Referee gemeldet hatte. Am Ende stand das Urteil des DFB-Sportgerichts, das die Tatsachenentscheidung Brychs stützte.

Es gab kein Wiederholungsspiel, das 2:1 der Leverkusener hatte Bestand. Das Phantomtor löste die Debatte um die Einführung der Torlinientechnik aus. Am 4. Dezember entschieden sich die Bundesligisten im zweiten Anlauf für die Einführung der Technik ab der kommenden Saison).

"Das Tor liebt Stefan scheinbar"

Beim Blick zurück auf die Wochen nach dem Phantomtor wurde Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade ("Das Tor liebt Stefan scheinbar") nachdenklich.

"Was direkt nach dem Tor damals alles passiert ist, ist unentschuldbar", äußerte Schade: "Aber Stefan ist mit der Vorberichterstattung in den letzten Tagen gut klargekommen. Es ist abgeklärt genug, um das wegzustecken."

Teamkollegen freuen sich für "Kies"

Danach hatte es zunächst allerdings nicht ausgehen. Kießling, der bei jedem Ballkontakt von den Hoffenheimer Fans ausgepfiffen wurde, vergab vor 24.731 Zuschauern mehrere Großchancen. Dann rutschte der Stürmer nach einer Flanke mit dem Ball ins Tor. Diesmal war alles korrekt - zur Freude der Kollegen.

"Der 'Kies' hat sich das erarbeitet. Er haut sich in jedes Spiel rein. Das Tor tut ihm sicher gut. Und wenn einer das entscheidende Tor macht, dann ist es er", sagte der starke Torwart Bernd Leno.

Ömer Toprak sah es ähnlich. "Es war ein schweres Spiel für ihn", äußerte der Innenverteidiger: "Er wurde die ganze Zeit ausgepfiffen, obwohl er nichts für die Sache von damals konnte. Deshalb freut es mich für ihn."

Auch Trainer Roger Schmidt, dessen Team (27 Punkte) vor dem letzten Hinrunden-Spiel am Samstag gegen Eintracht Frankfurt auf dem vierten Platz liegt, schloss sich den Glückwünschen an.

"Wenn man hart arbeitet, wird man irgendwann belohnt", sagte der Coach: "Gerade in so einem Spiel in Hoffenheim, wo er im letzten Jahr einen Spießrutenlauf mitmachen musste."

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