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Manager Christian Heidel hat für den 1. FSV Mainz 05 einen neuen Sponsor an Land gezogen
Christian Heidel ist seit 1991 Manager bei Mainz 05 © Getty

Mainz - Manager Christian Heidel spricht bei SPORT1 über die Mainzer Chancen gegen den ungeschlagenen Rekordmeister FC Bayern.

Von Andreas Reiners

Christian Heidel flüchtet sich in Galgenhumor.

"Ich weiß nicht, ob die Bayern vor uns zittern. Wir werden uns sicher nicht zum Favoriten ausrufen lassen, das nimmt mir keiner ab", sagt der Manager des FSV Mainz 05 im SPORT1-Interview.

Acht Spiele ohne Sieg - keine Mannschaft hat derzeit so eine Negativserie wie die Mainzer. Und ausgerechnet jetzt (20 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm) kommen die Über-Bayern.

Doch die Mainzer sind die letzte Hoffnung der Liga, dass der FC Bayern in dieser Hinrunde vielleicht doch noch mal Federn lässt.

Allerdings stehen die Chancen dafür laut Heidel bei "1:99". Seine Hoffnung: "Eine Stunde nach dem Spiel ist Urlaub. Hoffen wir mal, dass sie schon in Stimmung sind."

Im Interview mit SPORT1 spricht der Mainzer Manager über die anstehende Partie gegen den Rekordmeister, die sportliche Situation bei den Rheinhessen und darüber, ob der Rückstand der Liga auf die Bayern in naher Zukunft verringert werden kann.

SPORT1: Christian Heidel, was stimmt Sie optimistisch für das Spiel gegen die Bayern?

Christian Heidel: Ich weiß nicht, ob die Bayern vor uns zittern. Wenn wir anfangen, solch ein Spiel von vornherein abzuhaken und gar nicht anzutreten, dann sollten wir es auch nicht tun. Irgendwann werden die Bayern ein Fußballspiel verlieren. Ob das gegen uns sein wird, weiß ich nicht. Dass die Chancen wahrscheinlich 1:99 stehen, mag sein. Wir werden alles versuchen und alles probieren. So schnell geben wir nicht auf.

SPORT1: Mainz war zunächst achtmal ungeschlagen, blieb zuletzt dann achtmal ohne Sieg. Wie erklären Sie sich diese beiden Extreme?

Heidel: Das hat glaube ich noch keiner geschafft. Bei uns steht Mainz 05 drauf. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die nächsten acht Spiele jetzt wieder nicht verlieren, ist nicht allzu groß. Dafür haben wir einfach nicht die Qualität. Da fehlen Nuancen, deswegen stehen wir auf dem Platz, auf dem wir stehen. Wir haben das nie als Ausrede benutzt. Aber wenn man sieht, wer bei uns alles ausfällt, dann ist das auch nicht so leicht zu verkraften. Da fehlt schon ein Stück Qualität.

SPORT1: Wie tief sind denn Ihre Sorgenfalten ob der aktuellen Situation?

Heidel: Da habe ich weniger Bedenken, weil ich weiß was fehlt und was wieder kommt. Ich bin da aber sehr realistisch. Die Hälfte der Liga ist im Abstiegskampf und wir sind mittendrin. Klar ist, dass eine ganze Reihe von Mannschaften in der Verlosung sind. Wir sind dabei, aber ich glaube, dass wir die Qualität haben, uns wieder zu befreien. Dafür müssen wir aber besser Fußball spielen.

SPORT1: Sie sind die letzte Hoffnung der Liga, dass die Bayern in dieser Hinrunde vielleicht doch nochmal ein Spiel verlieren. Was können Sie der Liga versprechen?

Heidel: Ich kann nur versprechen: Wir werden alles versuchen und geben uns nicht geschlagen. Wir werden uns aber sicher nicht zum Favoriten ausrufen lassen, das nimmt mir keiner ab. Eine Stunde nach dem Spiel ist Urlaub. Hoffen wir mal, dass sie schon in Stimmung sind. Mir fehlt bei dem Trainer momentan aber so ein bisschen der Glaube, dass da irgendetwas einreißt. Das wird ganz, ganz schwierig. Freiburg hat kein Mal aufs Tor geschossen, dafür aber nur 0:2 verloren. Aber ob du 0:1 oder 0:8 verlierst, ist im Endeffekt egal. Wir wollen irgendwie versuchen zu punkten.

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SPORT1: Wie weit ist die Mannschaft im Moment davon entfernt, eine Leistung abzurufen, um es den Bayern schwer zu machen?

Heidel: Die Bayern hatten in den letzten Jahren schon öfter gegen uns Probleme. Auch in München war es selten deutlich. Letztes Jahr haben wir sogar schon mal 1:0 zur Halbzeit geführt. Aber wenn ich sage: "Dieses Jahr sind wir richtig gut drauf", und dann schaut einer auf die Tabelle, wir spielen 0:0 in Köln und haben seit acht Spielen kein Spiel mehr gewonnen, dann fangen die Menschen ja an zu lachen. Im Endeffekt habe ich den Eindruck, dass die Spiele gegen die Bayern für alle Mannschaften wie Pokalspiele sind. So müssen wir es angehen. Es ist traurig, dass man in einer Liga spielt, ein Pokalspiel hat. Aber der FC Bayern ist momentan so weit weg von allen. Das haben sie sich erarbeitet und davor muss man den Hut ziehen.

SPORT1: Haben Sie die Hoffnung, dass der Abstand auf die Bayern wieder verkleinert werden kann?

Heidel: Ich sehe leider keinerlei Anzeichen dafür. Sie spielen immer besser und sie haben immer mehr Geld. Wenn einer ausfällt, wird einer gekauft. Ich sage das nicht aus Neid, sondern das ist ja alles selbst verdientes Geld. Der FC Bayern hat den Verein in einer Art und Weise aufgestellt, dass er normalerweise über Jahre unangefochten an der Spitze stehen müsste. Früher hatten sie mal ein paar Probleme mit dem Trainer, auch das ist inzwischen so gut besetzt - besser geht es wahrscheinlich gar nicht. Der FC Bayern gehört inzwischen wirtschaftlich zu den stärksten Klubs auf der Welt. Ich wüsste nicht, wer da in Deutschland annähernd mithalten könnte. Man kann mal ein schlechtes Jahr haben. Mir fehlen nur im Moment die Gründe dafür.

SPORT1: Was wäre Ihnen persönlich lieber: Wie in Mainz mit bescheidenen Mitteln etwas aufzubauen oder die Möglichkeiten wie bei den Bayern zu haben?

Heidel: Solch eine Frage stelle ich mir eigentlich nicht. Der FC Bayern wird mich nicht anrufen und das verstehe ich total. Deswegen muss ich mit dem klar kommen, was wir hier haben. Ich glaube, dass man auch eine spannende Aufgabe außerhalb von München haben kann. Wir werden in den nächsten Jahren nicht um den Titel mitspielen. Aber wir müssen uns unsere eigenen Titel machen. Ich sage es immer wieder: Wir sind das sechste Jahr in Folge in der Bundesliga, als Mainz 05, mit unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Und das ist unser eigener kleiner Titel. Und den wollen wir jedes Jahr verteidigen. Auch wenn es immer schwieriger wird, weil wirtschaftlich immer stärkere Klubs kommen. Bei uns ist es schwierig, das zu verändern. Deswegen müssen wir versuchen, immer weniger Fehler zu machen als der eine oder andere größere Klub als Mainz.

SPORT1: Was sagen Sie denn zu den jüngsten Aussagen von Paul Breitner, der der Konkurrenz Unfähigkeit vorgeworfen hat?

Heidel: Ich habe da zufällig eingeschaltet und ich finde, da werden dem Paul Breitner die Worte im Mund rumgedreht. Er hat gesagt, dass die Bayern 1972 das Olympiastadion und viele Klubs 1974 zur WM neue Stadien bekommen haben. Der einzige Verein, der sich den Vorsprung durch hervorragende Arbeit jedoch herausgearbeitet hat, war der FC Bayern. Da habe ich Probleme zu sagen, das stimmt nicht. Deshalb muss man vielleicht nicht sagen, dass die anderen alle dämlich waren. Aber Fakt ist, dass die Bayern keine großen Vorteile hatten. Die haben ein großes Stadion hingestellt bekommen wie viele andere Bundesligisten auch. Und am Ende gibt es jetzt eine Übermannschaft FC Bayern. Er hat nicht gemeint, dass die Leute im Moment alle so doof sind. Es ging um die Entwicklung des FC Bayern. Ich sehe das ähnlich, der FC Bayern hat es einfach besser gemacht als Köln, Hamburg und Frankfurt, als alle Klubs, die ein neues Stadion bekommen haben. Da haben wir noch vor einer Holztribüne gespielt mit 1000 Plätzen. Wir waren nicht gemeint.

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