München - Die Führerschein-Affäre um den Nationalspieler von Borussia Dortmund hat Fragen aufgeworfen. SPORT1 gibt die Antworten.

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Wer beim falschen Abbiegen andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, zahlt in Deutschland 70 Euro Bußgeld. Marco Reus zahlt viel mehr.

540.000 Euro muss Borussia Dortmunds Profi nun überweisen. Für ein Verhalten, das sein Trainer Jürgen Klopp als "falsch abgebogen" umschrieb. Das die Staatsanwaltschaft Dortmund als Fahren ohne Fahrerschein bezeichnet.

Sechs Fälle zwischen September 2011 und März 2014 sind aktenkundig. Nach einer Routinekontrolle in Dortmund kam heraus: Reus hat nie eine Führerscheinprüfung gemacht. Er war aber trotzdem häufig im Auto unterwegs. Und häufig zu schnell. Dafür zahlt er nun die Quittung.

Das Urteil gegen Reus ist seit Mittwoch rechtskräftig. Seitdem wird mehr über den naiven Menschen und weniger über den dauerverletzten Profi gesprochen.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall Reus.

- Ist der Profi nun vorbestraft?

Reus darf sich als nicht vorbestraft bezeichnen. Er muss 90 Tagessätze zahlen, die Strafe ist im Zentralregister eingetragen. Erst ab 91 taucht sie im so genannten Führungszeugnis auf. Klingt im ersten Moment nach einem Promi-Bonus, der Schlimmeres für den Nationalspieler verhindern soll.

Doch den gibt es nicht. Bei jemanden, der wiederholt und nachweislich mehrere Fahrten ohne Führerschein gemacht hat, sind 90 Tage der gängige Tarif. Höhere Strafen werden nur verhängt, wenn jemand wegen ähnlicher Delikte vorbestraft ist.

- Wie berechnet sich Reus' "Strafzettel"?

Borussia Dortmund zahlt dem Nationalspieler rund 2,2 Millionen Euro jährlich - das macht 180.000 Euro monatlich. Bei 90 Tagessätzen kommen die 540.000 Euro zusammen.

Gegen Reus soll übrigens auch gegen Urkundenfälschung ermittelt worden sein. "Im Jahr 2009 verschafften Sie sich über eine unbekannt gebliebene Kontaktperson einen niederländischen Führerschein, bei dem Ihnen bekannt war, dass Sie durch diesen keine Berechtigung erhalten, in Deutschland Kraftfahrzeuge zu führen. Bei diesem handelt es sich um eine Fälschung", zitiert der "WDR" aus dem Strafbefehl.

Das Ermittlungsverfahren wegen Urkundenfälschung soll aber eingestellt worden sein. Das Fahren ohne Führerschein wiegt bei der Bestrafung schwerer. Auch das ist keine "Lex" Reus, sondern ein üblicher juristischer Vorgang.

- Warum fiel Reus erst jetzt auf?

Der Dortmunder wurde offenbar nie von einer Streife herausgewunken, sondern immer geblitzt. Und dann hat Reus das Bußgeld stets gezahlt. Die Behörden kontrollieren in diesen Fällen nicht, ob der Sünder einen Führerschein besitzt.

Gibt es Punkte, werden diese ans Zentralregister in Flensburg weitergeleitet. Auch dort gibt es keinen Automatismus, die Fahrerlaubnis zu überprüfen. Erst ab acht Punkten oder bis zum 1. Mai ab 18 Punkten, wird der Führerschein eingezogen. Reus blieb aber immer unter dieser Grenze.

Übrigens: Bei Schalke 04 halten sie einen ähnlichen Fall für ausgeschlossen. "Unsere Spieler haben einen Dienstwagen und müssen ihren Führerschein vorliegen", sagte Sportvorstand Horst Heldt auf der Pressekonferenz am Freitag.

- Wie reagiert Borussia Dortmund auf den Vorfall?

Jürgen Klopp hat mit seinem Spieler am Donnerstag geredet. "Er ist maximal einsichtig", sagte der BVB-Trainer.

Klopp wies auch auf mögliches Dilemma hin: "Es kommt der Punkt als Marco Reus, wo es schwierig ist, mit dem Auto in der Fahrschule vorzufahren und zu sagen: Ich möchte den Führerschein. Eine dumme Geschichte, wo es keinen richtigen Ausweg gibt, bis man erwischt wird."

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ergänzte: "Er hat unsere volle Solidaität. Er hat niemanden geschädigt, nur sich selbst."

- Kann Reus demnächst die Führerscheinprüfung machen?

Noch offen ist, ob der Dortmunder mit einer sogenannten isolierten Sperre belegt wird. Dann dürfte Reus in einem gewissen Zeitraum keine Fahrerlaubnis bekommen.

Ansonsten kann sich Reus bei der Fahrschule anmelden. Ob er zur Prüfung zugelassen wird, ist wegen seiner bisherigen Verkehrsdelikte fraglich.

- Bei Eignungszweifeln sieht der Gesetzgeber eine medizinisch-psychologische Untersuchung vor, die man im Volksmund den "Idiotentest" nennt. Dabei wird überprüft, ob sich die generelle Einstellung zum Straßenverkehr nun geändert hat.

Was kostet heutzutage die Führerscheinprüfung?

Für eine Fahrstunde sind in Deutschland 30 bis 40 Euro fällig. Reus müsste auf jeden Fall eine Anzahl an Pflichtfahrstunden machen. Dazu gehören fünf Überlandfahrten, vier Fahrstunden auf der Autobahn und drei bei Dunkelheit.

In Nordrhein-Westfalen zahlen Fahrschüler zwischen 1500 und 1900 Euro. In Bayern liegt der Preis zwischen 1700 und 2200 Euro. Aber das ist eine andere Geschichte.

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