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1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
Jubel bei den Bayern nach dem Ausgleich durch Bastian Schweinsteiger (Mitte) © Getty Images

Mainz - Der Last-Minute-Sieg in Mainz krönt eine überragende Hinrunde der Bayern. Die loben sich danach selbst und freuen sich auf Urlaub.

Aus Mainz berichtet Frank Hellmann

Eigentlich tun es die Protagonisten ja selten: sich über grünen Klee zu loben.

Aber wenn eine Fußballmannschaft mal wieder so eine famose Hinrunde spielt wie der wettbewerbsübergreifend nur einmal bezwungene FC Bayern, dann darf man sich auch mal selbst beweihräuchern.

Kaum hatte Arjen Robben mit dem Last-Minute-Treffer zum 2:1-Erfolg die Siegesserie der unersättlichen Titelsammler ausgebaut, blickte der 30-Jährige auf das große Ganze: "Alle haben gesagt, wir würden nach der WM Probleme bekommen. Aber jetzt nach so einem langen Jahr muss man uns ein Kompliment machen. Wir haben Maximales geleistet."

Robben, bei der WM und danach in herausragender Form, zog auch persönlich eine positive Bilanz: "Ich bin happy, dass ich das ganze Jahr auf dem Platz und nicht in der Reha war. Wenn man über längere Zeit fit ist, kommt man in seinen Rhythmus und wird immer stärker und besser."

Jetzt aber sei endgültig der Zeitpunkt gekommen, vom Fußball einmal abzuschalten. "Der lange Urlaub ist genau das, was wir brauchen. Wir hatten das Maximum an Spielen. Die Pause kommt zum richtigen Zeitpunkt."

Sammer zeigt sich gnädig

Und sogar der sonst so strenge Sportvorstand Matthias Sammer gab milde lächelnd diese Losung aus: "Die Spieler sollen jetzt machen, was sie wollen."

Tatsächlich war mit dem Freitagsspiel beim widerspenstigen FSV Mainz 05, der lange an seinem zehnten Remis schnupperte, sofort dienstfrei verbunden - erst am 7. Januar müssen die Stars wieder an der Säbener Straße zum Training antanzen.

Und damit der Erholungswert nicht leidet, setzten sich in der Nacht zu Samstag gleich zwei Mannschaftsbusse in Bewegung, die den FCB-Tross gen München brachten. Ist doch schön, wenn man die Sitze ausklappen und die Beine hochlegen kann.

"Wir mussten sehr viel investieren"

Zumal doch noch ein Kraftakt notwendig war, um den 14. Bundesliga-Sieg einzufahren. "Wir mussten sehr viel investieren", räumte Nationaltorwart Manuel Neuer ein, der nicht so glücklich aussah, als ihm Elkin Soto den Ball aus linker Position durch die Beine feuerte (21.).

Immerhin glich Bastian Schweinsteiger mit einem kunstvoll in den Winkel gezirkelten Freistoß zügig aus (24.).

"Besser kann man es nicht machen", scherzte der 30-Jährige, der sich damit selbst ein Startsignal fürs neue Jahr gegeben haben könnte.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte jedenfalls: "Bastian ist extrem beliebt bei unseren Fans, er ist neben Philipp Lahm so etwas wie der Super-Bayer. Ich wünsche ihm, dass er in der Rückrunde wieder die volle Leistungsfähigkeit erreicht."

Dynamik und Wucht

Noch geht dem Anführer, der trotz der milden Temperaturen in roten Handschuhen und dunkler Strumpfhose auflief, die Dynamik und Wucht ab, mit der er bei der WM aufwartete.

Kein anderer Bayern-Spieler könnte so vom Trainingslager in Katar profitieren wie Schweinsteiger, der sich diebisch über sein erstes Saisontor freute.

Dabei sprach er Franck Ribery einen großen Dank aus, ihm bei der Ausführung den Vortritt gelassen zu haben: "Der Franck war ein Gentleman und hat gesagt: 'Dann mach auch ein Tor!' Ich glaube, besser konnte er nicht passen."

Doch erst mit Robbens finalem Torschuss, vorbereitet von forschem Juan Bernat, setzte jener "Glücksmoment" ein, der Neuer zu einem langen Jubellauf animierte.

Die Highlights des Spiels zum Nachhören im Sportradio SPORT1.fm

Guardiola: "Mehr an Sieg geglaubt"

Pep Guardiola fand allerdings nicht, dass der berühmte Bayern-Dusel dabei geholfen hatte.

"Zweite Halbzeit hatten wir mehr Kontrolle. Am Ende waren wir glücklicher, wir haben aber mehr an den Sieg geglaubt."

Dem detailverliebten Katalanen waren die vielen Probleme der ersten Halbzeit nicht entgangen. Robben kritisierte eine recht ideenlose erste Hälfte, "in der ich mehr Bälle mit meinem Kopf als mit meinen Füßen berührt habe ? da haben wir keinen Fußball gespielt, die Position nicht gehalten."

Der Trainer führte das erstaunlicherweise auf den geringen Körperwuchs der Mainzer zurück. "Viele sehr kleine Spieler, da war es schwierig." Gleichwohl fällt die Halbjahresbilanz Guardiolas uneingeschränkt positiv aus: "Ich bin sehr zufrieden."

Keine WM-Nachwehen

Mentalität und Qualität im Kader seien entscheidend, dass die WM so gut wie keine Nachwehen hinterließ.

Die Leistungseinbußen und -schwankungen hatte auch der Starcoach in erheblichem größerem Umfang befürchtet.

Weshalb auch Rummenigge so kurz vor Heiligabend noch mal lobende Worte auspackte: "Es ist erstaunlich, was diese Mannschaft leistet. Sie spielt und spielt und spielt, sie ist erfolgreich, aber mit Respekt für den Gegner."

Dass es eingedenk des schon wieder gewaltigen Vorsprungs nicht jedem gefalle, wie weit sich der FC Bayern von den nationalen Konkurrenten entfernt hat, weiß der Vorstandsboss, betont aber auch: "Wir haben als Verein die Aufgabe, erfolgreich zu spielen."

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