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Jürgen Klopp führt den BVB zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg
Jürgen Klopp führt den BVB zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg © getty

München - Borussia Dortmund überwintert als Vorletzter. Kann Trainer Jürgen Klopp den Abstieg abwenden? SPORT1 spielt die Möglichkeiten durch.

Nur Roman Bürki und Joselu hat es Borussia Dortmund nach dem 2:2 zwischen Freiburg und Hannover zu verdanken, nicht als Tabellenletzter der Bundesliga überwintern zu müssen.

Dortmund bleibt auf Platz 17 vor Freiburg - allerdings nur aufgrunde eines mehr erzielten Treffers (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Die Dortmunder stehen also als "Vollidioten" da. Trainer Jürgen Klopp hat es selbst so bezeichnet.

Die bohrende Frage, die der BVB mit ins neue Jahr nimmt: Schafft die am Abgrund wandelnde Borussia unter Klopp die Wende?

Oder gibt der zweimalige Meistertrainer doch irgendwann ratlos, resigniert und desillusioniert auf? Fühlen sich die treuen BVB-Verantwortlichen gar zum Handeln gezwungen? Und, wenn ja, wer wäre ein möglicher Nachfolger von Klopp?

SPORT1 spielt die verschiedenen Möglichkeiten durch.

Hoffnung auf Wintertrainingslager

Bei aller Enttäuschung über die Hinrunde und Sorge ist Klopp von der Wende zum Guten überzeugt.

"Ich glaube fest daran, dass Licht am Ende des Tunnels angeht", sagte der 47-Jährige nach der 1:2-Niederlage bei Werder Bremen.

Den Tabellenkeller kennt er durchaus. Mit dem FSV Mainz 05 ist er schon einmal als Trainer abgestiegen. Klopp muss es schaffen, die Mannschaft physisch und mental wieder aufzurichten.

Ein Mats Hummels war nach der strapaziösen Weltmeisterschaft auch noch verletzt, musste dann ohne Vorbereitung direkt aushelfen. Gleiches gilt für einen Langzeitverletzten wie Ilkay Gündogan.

Klopp zieht seine Hoffnung vor allem aus einem ungestörten Wintertrainingslager im spanischen La Manga: "Wir haben jetzt drei Wochen Vorbereitung, die werden wir intensiv nutzen und dann ganz anders wiederkommen. So schwach sind wir nicht", sagte Klopp.

Mannschaft fragil und nicht homogen

Ähnliche Parolen waren in den vergangenen Wochen allerdings schon häufiger zu hören - und verpufften. Stattdessen wirkt die Mannschaft fragil und auch nicht homogen zusammengestellt.

Das findet auch Jupp Heynckes, der mit dem FC Bayern am Ende der Saison 2011/12 das Nachsehen gegen den BVB hatte.

"Sie haben es meines Erachtens vor der Saison verpasst, wenn es ökonomisch und finanziell möglich gewesen wäre, den Kader so aufzustellen, wie wir es nach 2012 in München gemacht haben", sagte Heynckes bei "Sky".

Abschied aus "echter Liebe"?

Bislang wird nur über das Spielerpersonal geredet. Über den Trainer noch nicht. Das Handtuch will Klopp nicht werfen für ihn ist die Borussia eine Herzensangelegenheit. Den Dortmunder Slogan "Echte Liebe" lebt er vor.

"Wenn man gemeinsam aus so einer Krise, wie sich gerade der BVB erlebt, herauskommt, ist es auch eine Chance, noch enger zusammenzuwachsen", sagt SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold: "Von daher ist die Trainerfrage in Dortmund im Moment für mich überhaupt nicht relevant."

Auch Klopp sieht sich nach wie vor als den Richtigen auf der Kommandobrücke. Sollte er doch irgendwann zu der Überzeugung gelangen, nicht mehr der Richtige zu sein, würder er - aus "echter Liebe" - einem neuen Partner nicht mehr im Weg stehen.

Mit Klopp in die Rückrunde

Zu Beginn der Rückrunde muss die Borussia bei Bayer Leverkusen und dann zuhause gegen den FC Augsburg antreten. Ein verpatzter Start ins Jahr 2015 könnte zu einem Umdenken führen.

"Wenn er von den ersten vier Spielen der Rückrunde drei verliert, wird es auch für ihn eng", warnt Berthold.

Nach einer mehrstündigen Sitzung mit Klopp, Sportdirektor Michael Zorc und Klub-Boss Hans-Joachim Watzke legten sich die Verantwortlichen fest, mit Klopp in die Rückrunde zu gehen.

"Wir sind der festen Überzeugung, dass es uns gemeinsam gelingen wird, aus der schwierigen aktuellen Situation herauszukommen", sagte Zorc dem "kicker".

Die Zahlen sind alarmierend

Die nüchternen die Zahlen sind allerdings alarmierend: Mit 15 Punkten spielte Borussia Dortmund seine schlechteste Hinrunde seit der Saison 1987/88. Erstmals seit 30 Jahren belegt der BVB nach der ersten Saisonhälfte einen direkten Abstiegsplatz.

Einzig der Hamburger SV hat eine schwächere Trefferquote als Dortmund. Der nach München abgewanderte Robert Lewandowski konnte bislang nicht im Ansatz ersetzt werden. Spielerisch geht kaum etwas: Nach dem achten Spieltag spielte Dortmund nur noch ein Tor mit einem Pass heraus.

Zudem hat der BVB bereits 26 Gegentore kassiert, in der Meister-Saison 2011/12 waren es insgesamt nur 25.

Helmer: "Klopp wirkt ratlos"

SPORT1-Experte Thomas Helmer zählte Klopp im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1 an.

"Er wirkt schon ziemlich ratlos", sagte Helmer, nahm zugleich aber auch die Klubführung in die Pflicht: "Die anderen müssten jetzt auch mal raus der Deckung. Jürgen hat ja schon alles probiert und so langsam gehen ihm die Maßnahmen aus."

Eine "Patentlösung" sieht Helmer aber auch nicht.

Ein anderer Konzepttrainer?

Sollte es wirklich zur Trennung zwischen Dortmund und Klopp kommen, stellt sich die Frage nach dem Nachfolger.

Zunächst müssten die Bosse eine Grundsatzentscheidung treffen. Soll wieder ein sogenannter Konzepttrainer her? Ein Markus Weinzierl, Arsene Wenger oder Thomas Tuchel wären geeignete Kandidaten.

Doch Weinzierl ist in Augsburg angestellt, Wenger beim FC Arsenal. Ad hoc wäre nur Tuchel verfügbar - grünes Licht aus Mainz, wo er noch unter Vertrag steht, vorausgesetzt. Mit einem Trainer aus Mainz haben die Dortmunder ja bis zu dieser Saison gute Erfahrungen gemacht.

Ein Retter als letzte Hoffnung?

Eine andere denkbare Lösung wäre die Verpflichtung eines Trainers mit dem Prädikat Retter. Zumindest als Übergang für den Rest der Saison.

Seine dringlichste Aufgabe wäre es, die Mannschaft mental wieder robuster zu machen.

Ein Übungsleiter vom Schlag eines Felix Magath. Noch scheint ein solcher Schritt schwer vorstellbar.

Aber das galt vor der Saison auch für Dortmunds dramatische Situation nach dieser Hinrunde.

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