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Das Vermögen von Dietmar Hopp wird auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt
Das Vermögen von Dietmar Hopp wird auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt © getty

Frankfurt am Main - 1899 Hoffenheim überwintert in Lauerstellung. Die Konkurrenz dürfte wachsam sein, denn der Klub gehört Dietmar Hopp bald ganz.

Von Frank Hellmann

Wer einmal tatsächlich das 3.300-Einwohner-Örtchen Hoffenheim besucht hat oder die knapp fünf Kilometer auf der Bundestraße 45 in das von 2.200 Bürgern bewohnte Nachbardorf Zuzenhausen weitergefahren ist, der stellt schnell etwas fest.

Beim Anblick dessen, was Dietmar Hopp hier für die TSG 1899 Hoffenheim hat bauen lassen, merkt der Beobachter schnell, dass alle Einrichtungen nicht nur top in Schuss sind, sondern eine angenehme Zweckmäßigkeit ausstrahlen - weder Jugendleistungszentrum noch Trainingszentrum thronen als Denkmäler in der hügeligen Landschaft.

Es gibt auch keine Statue des Stifters.

Gewollte Mutation

Einzig das mittlerweile von der U 23 genutzte Stadion oben am Hang in Hoffenheim, wo die TSG 2008 unter Ralf Rangnick in die Bundesliga aufstieg, ist nach dem Mann benannt, auf den die gewollte Mutation vom Kreisklassen- zum Bundesligavertreter zurückgeht: Dietmar Hopp.

Eingestiegen ist der Milliardär einst 1989: Da war die TSG Hoffenheim, für die er selbst in der Jugend stürmte, nach einer 2:3-Niederlage im Relegationsspiel gegen den FC Stebbach aus der Bezirksliga gerutscht.

Das konnte der reichste Mann aus der Rhein-Neckar-Region nicht mehr mit ansehen und griff dem Verein kräftig unter die Arme. Bis heute soll der 74 Jahre alte SAP-Begründer rund 350 Millionen Euro in die Mannschaft und Infrastruktur gesteckt haben.

Bald im Europapokal?

Lohnende Investitionen? 25 Jahre später steuert der Hopp-Klub immerhin auf einen neuen Höhepunkt zu: Spätestens nach dem 5:0-Kantersieg bei Hertha BSC scheint es wirklich möglich, dass die TSG Hoffenheim bald auch im Europapokal spielt (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Mag Trainer Markus Gisdol auch in Berlin wieder alle höhertrabenden Ambitionen verbal abgegrätscht haben, die Konkurrenz hat die Kraichgauer auf dem Zettel.

Mit 26 Zählern überwintert Hoffenheim als Siebter. Möglicherweise reicht der Rang am Saisonende, um in der Europa-League-Qualifikation mitzuspielen.

Noch immer ist das Traditionalisten wie Heribert Bruchhagen (Vorstandschef Eintracht Frankfurt) und Christian Heidel (Manager FSV Mainz 05) ein Dorn im Auge.

Für beide bleibt die TSG Hoffenheim ein fremdfinanzierter Eindringling.

"Umfangreiche Restrukturierungen"

Tatsächlich veröffentlichte die TSG vor einem Monat unter dem Titel "Umfangreiche Restrukturierungen prägen das Geschäftsjahr 2013/2014" eine Bilanz, die sich fürchterlich las.

Bei einem erwirtschafteten Gesamtumsatz von 66 Millionen Euro betrug der Verlust 11,7 Millionen Euro. In der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit fehlten sogar 25 Millionen.

Aber alles kein Problem: Das Eigenkapital der Spielbetriebs GmbH betrug ja 108 Millionen. Dank Hopp. Und deshalb hinken Frankfurt und Mainz, obwohl sie deutlich mehr Geld aus dem normalen Betrieb umsetzen, beim Lizenzspieleretat hinterher.

Nun hat gerade die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Zuge ihrer Anpassungen der "50+1"-Regel ihre Statuten geändert - sofern das DFB-Präsidium zustimmt, darf Hopp den Klub am 1. Juli 2015 auch formal übernehmen.

DFL präzisiert Leitlinien

Bislang hatte er sich mit 49 Prozent der Anteil begnügt, aber faktisch alles bestimmt. Nun gilt das auch formal. Die DFL hat ihre Leitlinien präzisiert.

Bisher galt eine Ausnahme nur für die Werksvereine Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg, nun wird auch Hopps Lebenswerk in diesen Status versetzt, schließlich hat der Gönner ja nicht nur in Beine, sondern auch in Steine kräftig investiert.

Die Arena an der Autobahn 6 in Sinsheim ist ebenso sein Werk wie weitere Stützpunkte der Nachwuchsförderung in der Region.

Nachhaltiges Interesse des Investors

Die Stimmrechte Hopp zu übertragen, gilt als richtiger Schritt, denn am nachhaltigen Interesse des Investors können keine Zweifel mehr bestehen.

Der Mäzen führt aus seinem Büro im Golfklub St. Leon kein Spielzeug, sondern eine Herzensangelegenheit. Längst wären auch bei seinem Ableben die Weichen gestellt, dass alles in seinem Sinne weitergeführt wird.

Sohn Daniel Hopp, der bereits bei den Handballern der Rhein-Neckar Löwen und des Eishockeyteams Adler Mannheim als Gesellschafter bzw. Geschäftsführer arbeitet, würde dann aufsteigen.

"Balance in der Bilanz"

Hopp senior hat eigentlich das Ziel, dass der Fußball-Bundesligist sich irgendwann selbst trägt. Geschäftsführer Frank Briel nennt die für Saison 2015/2016 als Ziel, "Balance in die Bilanz" zu bekommen.

Denn der für die Finanzen zuständige Mann weiß: "Wir unterliegen den Spielregeln des Financial Fairplay."

Erst recht, wenn mit Vorstellungen wie am Sonntag in Berlin das Dorf auch Europa erobert.

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