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Uli Hoeneß unterstützt künftig die Nachwuchsabteilung der Bayern
Uli Hoeneß unterstützt künftig die Nachwuchsabteilung der Bayern © getty

München - Uli Hoeneß tritt seinen neuen Job an, und der FC Bayern macht ernst in der Nachwuchsarbeit. Für die Konkurrenz wird's ungemütlich.

Oscar Wildes Romanfigur Dorian Gray verkauft für ewige Jugend seine Seele an den Teufel.

Ganz so weit geht der FC Bayern nicht, immerhin aber sprenkelt er sein Geld mittlerweile über die Republik auf der Suche nach den besten Nachwuchsspielern.

Auf dass die Münchner Jugend ewig währe.

Im Sommer holte der Klub für über eine Million Euro den 18-jährigen Sinan Kurt von Borussia Mönchengladbach.

Kurt erzwang dabei den Transfer durch anhaltendes öffentliches Herumgenöle und drohte an, so oder so nie wieder für die Borussia zu spielen. Wie bei den Großen.

Erst Kurt, nun Kimmich

Und als erste Amtshandlung des neuen Jahres waren rund sieben Millionen Euro als Lösemittel nötig für Joshua Kimmich, ein 19 Jahre altes Talent des VfB Stuttgart.

Die Bayern machen ernst im immer hektischeren Rennen um hoffnungsvolle junge Spieler.

Dazu passt auch die Nachricht, dass Uli Hoeneß am Montagmorgen seinen neuen Job beim Münchner Nachwuchs angetreten hat.

FC Barcelona zum Vorbild

Die Gründe für die neue Münchner Strategie: Beim FC Barcelona gehört "La Masia" seit Generationen zur DNS des Vereins.

Spätestens seitdem Barca unter Pep Guardiola seine Vitrinen vollstopfte, sind sich die meisten einig: Hier gibt es die beste Jugendarbeit.

Und trotzdem hat Barcelona es offensichtlich nötig, gegen die Regeln der FIFA bei Transfers von Minderjährigen zu verstoßen.

Die Konsequenz: Bis Januar 2016 sind dem Verein Transfers komplett verboten.

Negativbeispiel Chelsea

Chelsea, Real Madrid, Manchester United: Sie alle jagen Talente durch die ganze Welt, es zählt Masse.

Lieber noch einen Jungen holen, es könnte einem ja etwas durch die Lappen gehen.

Die zusammengekauften Horden werden dann verliehen, teilweise an drei oder vier verschiedene Vereine hintereinander.

Chelsea etwa hat im Moment 24 Spieler bei anderen Klubs geparkt, die meisten von ihnen höchstens Anfang 20.

An einem Spieler wie dem Norweger Martin Odegaard ist schon kurz nach dessen 16. Geburtstag ganz Europa dran.

In diesem Kampf braucht man deutlich spitzere Waffen, als sie die Bayern bislang besaßen.

Sie werden wohl auch mit Hoeneß nicht in diesem Maß an die Sache herangehen, vor allem auf dem deutschen Markt dürften die Münchner aber deutlich aggressiver auftreten.

Wohin verschlägt es Odegaard?

Die A-Junioren der Bayern waren zuletzt 2004 Deutscher Meister, die B-Junioren 2007.

Und was noch schlimmer ist: Aus keiner dieser beiden Mannschaften setzte sich auch nur ein Spieler dauerhaft durch in München.

Am nächsten dran waren noch Diego Contento und Andreas Ottl-

Zuletzt wenig Erfolg

Der letzte wirklich erfolgreiche Jahrgang der Münchner gewann 2002 den Titel bei den A-Junioren mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Piotr Trochowski, Michael Rensing und Christian Lell.

2007 stand die A-Jugend mit Thomas Müller und Toni Kroos immerhin noch im Finale, verlor in der Verlängerung gegen Bayer Leverkusen.

Vereine wie Schalke, Wolfsburg oder Hoffenheim sind vorbeigezogen, selbst Mainz und Freiburg haben mittlerweile auf Nachwuchsebene mehr Erfolg.

Dortmund und Stuttgart arbeiten hier schon traditionell ergiebiger als die Bayern.

Lahm und Schweinsteiger stechen heraus

Seit Louis van Gaal Thomas Müller, Holger Badstuber und David Alaba in die erste Elf integrierte, ist kein Spieler mehr aus dem eigenen Nachwuchs nachgerückt.

Hinzu kommt: Alaba kam erst mit 16 nach München, genau wie Toni Kroos. Beide machten in München also nur den letzten Schritt zum Profi.

Dabei sehnen sich die Fans nach Typen wie Schweinsteiger und Lahm, die das Münchner Gemüt perfekt kennen.

Wichtig fürs Selbstverständnis

Hoeneß selbst hat diesen Anspruch an sich und den Verein.

Es kann ihm nicht gefallen, wie sich die Dinge in den vergangenen Jahren entwickelt haben.

Mit Heiko Vogel, Mehmet Scholl, Marcus Sorg oder Heiko Herrlich holten die Bayern namhafte Männer als Nachwuchstrainer, Scholl und Sorg sind schon wieder weg.

Das Tempo wird verschärft.

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