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Clemens Fritz SV Werder Bremen
39 Gegentore kassierten Clemens Fritz und Werder Bremen in der Hinrunde © getty

München - Werder Bremen ist unter Viktor Skripnik erfolgreicher, doch eine elementare Baustelle bleibt bestehen. Der SPORT1-Rückrundencheck.

Nach dem kurzen Winterurlaub brechen die Bundesligisten demnächst in ihre Trainingslager auf. Schließlich startet bereits am 30. Januar die Rückrunde.

Die Hälfte der Teams kämpft um den Klassenerhalt. Bei den anderen neun Teams geht es um den Einzug ins internationale Geschäft.

SPORT1 schlendert im Rückrundencheck durch die Liga, nimmt sich die kriselnden Mannschaften vor und analysiert auch, was bei anderen besser läuft.

Diesmal geht es um Werder Bremen.

Die Ausgangslage:

Die Möglichkeiten sind begrenzt. Finanziell - und damit zwangsläufig auch sportlich. Trotz der Konsolidierung gab Werders Geschäftsführer Thomas Eichin einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel aus, als Zwischenschritt, um in den kommenden Jahren wieder in Europa angreifen zu können.

Doch die Realität ist eine andere. Sie lautet Abstiegskampf. Mit 17 Zählern hat Bremen sogar zwei Punkte weniger auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison.

Und die Probleme liegen auf der Hand: Mit 39 Gegentreffern sind die Grün-Weißen das anfälligste Team der Liga. Vier Siege und fünf Remis reichen nicht für einen Rang im gesicherten Mittelfeld.

Das gibt es derzeit ohnehin kaum ? und das ist ein Hoffnungsschimmer: Der Rückstand auf Rang zehn (Paderborn) beträgt gerade einmal zwei Punkte.

Die Situation des Trainers:

Viktor Skripnik übernahm nach dem 9. Spieltag die Nachfolge des erfolg- und glücklosen Robin Dutt.

Bislang erwies sich der Schritt als sinnvoll: Wo Dutt in 9 Spielen nur 4 Punkte sammelte, holte Skripnik in 8 Partien 13 Zähler. Nicht nur wegen dieser Zahlen überzeugt der 45-Jährige seine Spieler und Chefs, sie schätzen seinen klaren Plan und seine offene Ansprache.

Die Transferaktivtäten:

"Wir suchen einen verteidigenden Spieler. Das kann ein Sechser oder ein Innenverteidiger sein", sagte Eichin der "Bild".

Doch weil die Portokasse nicht ausreichend gefüllt ist, muss Bremen anders an das nötige Kleingeld kommen.

So verlieh Werder mit Nils Petersen (SC Freiburg) und Eljero Elia (FC Southampton) zwei Spieler, um die Gehaltsliste zu kürzen. Dazu kommt die Vertragsauflösung mit Dutt, sodass die Grün-Weißen insgesamt rund 3,5 Millionen Euro einsparen.

Für Luca Marrone? Lange galt der Juve-Verteidiger als Kandidat, doch Sportdirektor Rouven Schröder dementierte: "Marrone ist absolut kein Thema. Ein ordentlicher Spieler, der uns aber in der jetzigen Situation nicht hilft." Was nicht verwundert angesichts der Tatsache, dass der Italiener keine Spielpraxis hat, weil er die gesamte Hinrunde wegen einer Oberschenkelverletzung verpasste.

Ein weiteres Gerücht - einen möglichen Deal mit dem Schweizer Mittelfeldspieler Renato Steffen - demenentiert dessen Berater Ludwig Kögl bei SPORT1.

Im schlimmsten Fall droht eine weitere Baustelle. Der Vertrag von Zlatko Junuzovic läuft im Sommer aus, und der Österreicher sagte zuletzt: "Ich wäre nicht überrascht, wenn es schnell gehen würde." Heißt: Ein Winter-Wechsel ist möglich.

Eichins Reaktion: "Völliger Humbug." Ende offen.

Fix ist dagegen die Ausleihe des Talentes Levin Öztunali von Bayer Leverkusen. Der 18 Jahre alte Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler kommt bis Sommer 2016 und soll den Konkurrenzkampf im Mittelfeld erhöhen. Die Verpflichtung weiterer hungriger Talente scheint nicht ausgeschlossen.

Das muss besser werden:

Ganz klar: die Defensive. Kassiert Werder weiterhin durchschnittlich 2,29 Gegentore pro Partie, dürfte es eng werden mit dem Klassenerhalt. 155 Torschüsse ließ der Tabellen-16. in der Hinrunde zu - Liga-Höchstwert!

Dabei sind es keineswegs ausschließlich die Abwehrspieler, die sich individuelle Fehler leisten. Keeper Raphael Wolf ist nicht frei von Patzern, erhält im Durchschnitt die SPORT1-Note 3,57.

Ein weiterer, Besorgnis erregender Wert: DIe Grün-Weißen haben die höchste Fehlpassquote der Liga. 31,8 Prozent aller Pässe landeten beim Gegner.

Das macht Hoffnung:

Die größte Hoffnung ist der Trainer: Nach seinem vielversprechenden Start hat Skripnik in der Wintervorbereitung nun Gelegenheit, in Ruhe mit seinem Team zu arbeiten und ihm noch mehr seinen Stempel aufzudrücken.

Den Charaktertest haben die Bremer derweil schon bestanden. Beim 2:1-Sieg zum Hinrunden-Kehraus gegen Dortmund sollte das Team Selbstvertrauen gewonnen haben.

Zudem kehrt Franco Di Santo zurück. Der Stürmer ist mit sechs Treffern der sicherste Schütze der Grün-Weißen, musste in den vergangenen sechs Begegnungen allerdings wegen eines Außenbandanrisses passen.

In einer Video-Botschaft aus seinem Heimat-Urlaub in Argentinien ließ er Folgendes mitteilen: "Gerade eben studierten wir einen neuen Torjubel ein, den ich dann in der Rückrunde für meinen Verein zeige."

Wenn er verletzungsfrei bleibt und die Vorbereitung aufs Toreschießen genauso ernst nimmt, kann Werder guter Dinge sein.

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