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Robin Dutt
Robin Dutt startete seine Karriere als hauptverantwortlicher Trainer 1999 in Ditzingen © getty

München - Stuttgarts neuer Sportchef Robin Dutt spricht bei SPORT1 über den VfB und den Wechsel vom Trainingsplatz an den Schreibtisch.

Nach seinem Aus als Trainer bei Werder Bremen im Oktober 2014 hatte Robin Dutt nicht damit gerechnet, dass er so schnell auf die Fußball-Bühne zurückkehrt.

Doch plötzlich ist der 49-Jährige wieder da.

Dutt ist neuer Sportvorstand beim VfB Stuttgart und soll in dieser Funktion den Erfolg zu den Schwaben zurückbringen.

Als Chefcoach arbeitete er im Profibereich beim SC Freiburg, bei Bayer Leverkusen und zuletzt in Bremen. Zwischendurch war er ein Jahr lang Sportdirektor beim DFB.

Im SPORT1-Interview spricht Dutt über seinen neuen Job, seine Ziele mit den Schwaben, den Wechsel vom Fußballplatz an den Schreibtisch - und verrät eine interessante Entscheidung.

SPORT1: Herr Dutt, was begeistert Sie am neuen Job beim VfB?

Robin Dutt: Da gibt es einige Faktoren, die Begeisterung auslösen können. Es gibt einen emotionalen Teil, der beinhaltet, dass ich in Stuttgart aufgewachsen bin. Ich bin hier eingeschult worden und wenn du dann in dem großen Klub am Ort eine Führungsposition übernehmen kannst, dann ist das schon eine starke emotionale Sache. Außerdem hat der VfB nach wie vor eine unheimlich große Strahlkraft. Der dritte Punkt ist der, dass ich mich darauf freue, in dieser Position meine Erfahrungen aus der Trainer-Arbeit ganz eng mit den Manager-Aufgaben im operativen Geschäft zu verzahnen.

SPORT1: Können Sie nun in neuer Funktion das anders machen, was Sie früher als Trainer kritisiert haben?

Dutt: Als Sportvorstand kann ich auf diese Themen jetzt entscheidenden Einfluss nehmen. Es schadet sicher nicht, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen weiß, wie ein Trainer denkt und warum ein Trainer was macht. Aufgrund dessen kann ich den Chefcoach auch besser unterstützen.

SPORT1: In den vergangenen Jahren waren Sie Trainer, dann Sportdirektor und zuletzt wieder Trainer. Wo gehören Sie wirklich hin?

Dutt: Als ich zum ersten Mal die Seite gewechselt habe und Sportdirektor beim DFB wurde, da war das etwas komplett anderes als das, was ich jetzt mache. Jetzt gebe ich den Trainingsplatz und die Aufstellung auf und - da habe ich nie ein Hehl daraus gemacht, dass mir die Trainerjob Spaß gemacht hat - natürlich wird mir das fehlen, aber das ist nur ein kleiner Teil des Trainerberufes.

SPORT1: Was bleibt Ihnen?

Dutt: Was mir im Gegensatz zum DFB-Job bleibt, ist die Kabinenluft, die Emotionen am Spieltag und natürlich die Zusammenstellung eines Kaders gemeinsam mit dem Trainer. Schon in den ersten Tagen beim VfB zeigt sich das. Ich bin nah bei der Mannschaft dran, man sieht sich beim Essen und spricht mit dem Trainer über den Kader. In erster Linie sind täglich zwei Mal anderthalb Stunden anders, nämlich die, in denen das Team auf dem Platz steht. Aber viele andere Tätigkeiten sind in ähnlicher Form noch vorhanden.

SPORT1: Was haben Sie neben der angesprochenen Verzahnung noch vor mit dem VfB?

Dutt: Wir wollen den Weg weiter gehen und auf unseren eigenen Nachwuchs sowie unsere eigene Ausbildung setzen. Und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern so, dass wir in allen Mannschaften gedanklich die gleiche Idee vom Fußball haben. Nur ein Beispiel: Der U 17-Trainer bildet den Sechser in der Art und Weise aus, wie auch der Scout unterwegs ist, um einen möglichen Sechser zu finden oder wie der Cheftrainer seinen Sechser auf das nächste Bundesligaspiel einstellt. Da muss jeder gedanklich in die gleiche Stoßrichtung gehen.

SPORT1: Muss nicht auch der Teamgeist besser werden?

Dutt: Der Teamgeist ist die Grundlage für den Erfolg einer Mannschaft und muss überall vorgelebt werden. Egal ob das die Waschfrau ist, der Marketing-Mitarbeiter oder der Vorstand. Es geht nur mit Teamgeist. Ziele zu erreichen erfordert Arbeitseinsatz und Geduld. Es sind alles keine Aufgaben, die man mal im Vorbeigehen lösen kann.

SPORT1: Wie überraschend kam für Sie das Angebot des VfB?

Dutt: Als der Anruf vom VfB kam, da war ich noch im Freizeit-Modus. Ich habe da weder an eine Trainertätigkeit, noch an einen Managerjob gedacht. Ich wollte mich um die Familie kümmern, um meinen Körper und wollte ein bisschen Fahrrad fahren. Als der Anruf dann kam, habe ich etwas Zeit gebraucht, um mir Gedanken zu machen und etwas Konzeptionelles zu Papier zu bringen.

SPORT1: Christoph Daum hat Sie gelobt, er meinte aber auch, dass die Gefahr besteht, dass Sie eine gewisse Lernphase bräuchten. Ist dem so?

Dutt: Ich habe in meiner Vita, die etwas spezieller ist als andere, auch Glück gehabt. Ich war kein Profi, sondern habe, bevor ich ins Profigeschäft eingestiegen bin, schon zehn Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Das war ein glücklicher Umstand. Der nächste glückliche Umstand war der, dass ich als Trainer in den ersten Stationen schon Manager-Aufgaben übernommen hatte. Ich habe also die Aufgaben, die in einem großen Klub anstehen, schon in einem kleineren Verein mit gemacht.

SPORT1: Welche Aufgaben waren das konkret?

Dutt: Ich habe damals etwa schon Verträge ausgehandelt und von daher auch auf diesem Gebiet schon eine gewisse Erfahrung. Darüber hinaus war das eine Jahr beim DFB sehr hilfreich. Da habe ich viel mitnehmen können. Ich habe fast jeden Verein besucht und überall interessante Dinge gesehen. Ich erlebe nun, dass beim VfB viele Themen auf mich zukommen, die so neu für mich nicht sind. Natürlich muss ich noch dazulernen, aber ich habe ja auch fähige Mitarbeiter, die ich zu Rate ziehen kann.

SPORT1: Sie sollen sich konkrete Kompetenzen zusichern lassen haben.

Dutt: Das stimmt. Es geht um eine Klarheit, dass ich von Anfang an gerne festgelegt haben will, in welchem Rahmen ich mich bewegen kann - sowohl finanziell als auch bei der Personalstruktur. Das war mir wichtig und das haben wir geklärt.

SPORT1: Bleibt der Trainingsanzug nun für immer im Schrank?

Dutt: Ja. Es sei denn ich mache selber Sport. Ich habe jetzt einmal hin- und hergewechselt. Keiner kann mit Sicherheit sagen, was in zehn Jahren sein wird, aber ich hoffe, dass ich dann noch in dieser Position beim VfB arbeite. Denn das würde bedeuten, dass wir erfolgreich waren.

SPORT1: Bei Ihrer Vorstellung witzelten Sie mit Trainer Huub Stevens. Es wirkte so, als würden da beste Freunde sitzen. Warum stimmt die Chemie zwischen Ihnen so gut?

Dutt: Es gibt einfach Menschen, zu denen man sofort einen guten Draht aufbaut. Huub ist ein sehr sympathischer und erfahrener Trainer. Wir hatten schon als Kollegen immer unsere Späße gemacht und das hat sich jetzt in den ersten Tagen beim VfB fortgesetzt. Bei aller Professionalität und Ernsthaftigkeit finde ich es wichtig, dass wir abseits des Platzes auch mal einen Spaß machen können. Huub ist ein toller Mensch und wir verstehen uns sehr gut.

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