München - Die Umstände des Unfalltods von Junior Malanda lösen in seiner Heimat eine Debatte über die Lebenswelt junger Profis aus.

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Von Francois Duchateau

Als Francky Dury seine Mannschaft zusammenruft, geht es schlagartig nicht mehr um Fußball.

"Verinnerlicht gut, welch privilegiertes Leben ihr genießt", sagte der Coach von Zulte Waregem seinen Spielern während des Trainingslagers im spanischen Marbella: "Kennt die Spielregeln und bitte passt auf."

Der tödliche Autounfall Junior Malandas hat den belgischen Fußball nicht nur tief bestürzt.

Er hat ihn auch nachdenklich gestimmt.

Reden ins Gewissen

Neben dem Bundesliga-Star des VfL Wolfsburg saßen noch zwei weitere belgische Juniorenkicker - die 20-Jährigen Anthony D'Alberto und Jordan Atheba - im VW Touareg, der am Samstagmittag bei Porta Westfalica schwer verunglückte. Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Darum haben die Verantwortlichen der Jupiler Pro League bereits damit begonnen, ihren Talenten ins Gewissen zu reden.

Dury war vor seiner Laufbahn als Erstligatrainer als Polizist tätig. Er kennt die Gefahren im Straßenverkehr. Das Unglück von Malanda wolle der 57-Jährige nicht näher kommentieren, schließlich könne man eine Altersgruppe nicht über einen Kamm scheren, denn auch Fahrer mit 40 oder 50 sterben im Straßenverkehr wegen überhöhter Geschwindigkeit.

"Aber ich kann nur festhalten, dass das Leben gefährlich ist und dass jeder seiner Verantwortung bewusst sein sollte", mahnte er zur Vorsicht.

Malanda war nicht angeschnallt

Wie die Polizei Bielefeld am Montag bekanntgab, war Junior Malanda, der auf der Rückbank saß und möglicherweise schlief, aus dem Auto geschleudert worden, weil er keinen Gurt angelegt hatte.

In seiner Heimat gehen indes die Berichte über die Geschwindigkeit, mit der das Trio unterwegs war, weit auseinander. Während "Het Nieuwsblad" von Tempo 150 schreibt, ist in "Het Laatste Nieuws" sogar von 250 Stundenkilometer die Rede.

Die Polizei wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen, hielt jedoch fest: "Wir gehen davon aus, dass die Geschwindigkeit den Witterungsverhältnissen nicht angepasst war." In den Augen der Beamten war das die Hauptursache des Unglücks.

Gefährliche Bedingungen

Starker Regen und heftiger Wind hatten für äußerst gefährliche Fahrbedingungen gesorgt. An der Unfallstelle war bei Nässe eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer vorgeschrieben.

Jaques Sys, Chefredakteur des belgischen Magazins "Sport", zeigte sich bewegt über die internationale Anteilnahme am jungen Bundesligaspieler, der zu den goldenen Talenten seiner Generation zählte.

Eine vielversprechende Karriere lag vor ihm. In seiner wöchentlichen Kolumne wählte Sys allerdings auch kritische Worte: "Es ist etwas, was man häufiger bei jungen Fußballern sieht: Sie flirten mit Extremen. Sie sind jung und verdienen plötzlich viel Geld. Deshalb landen sie schnell in einer Art irrationalen Welt, wo sie sich nicht an Regeln gebunden fühlen. In diesem Sinn kann der Vorfall mit Malanda hoffentlich eine Lehre in Sachen Vorsicht sein."

Youngster sollen nicht abheben

Beim RSC Anderlecht, Borussia Dortmunds Gruppengegner in dieser Champions-League-Saison, hat man sich nicht erst nach dem Unfall von Malanda Gedanken über die Betreuung seiner Jugendlichen gemacht.

Schon länger kümmern sich Mitarbeiter um soziale Angelegenheiten in den U-Teams, damit die Youngster nicht abheben.

"Solche Maßnahmen sind notwendig", sagt Manager Herman Van Holsbeeck gegenüber "Nieuwsblad". "Viele Jungs, die einen Vertrag bei Anderlecht unterzeichnen, sehen, wie sich ihr Leben verändert. Sie haben plötzlich viel Geld und können sich ein schnelles Auto kaufen."

"Wir werden ihnen ans Herz legen, dass sie vorsichtig sein müssen", sagt er, "vor allem bei schlechtem Wetter". Man müsse die Lehren ziehen aus dem Tod Malandas.

Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung

Auch Anderlecht ist direkt vom schweren Unfall betroffen: Fahrzeuginsasse D'Alberto spielt bei der Anderlechter U 21.

Der Brüsseler Verein hat sich im Umgang damit allerdings Zurückhaltung auferlegt.

"Er liegt im Krankenhaus. Seine Familie hat schon genug am Hals", so Holsbeeck.

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