Borussia Dortmund ist im Falle des Abstiegs gewappnet und wird eine Lizenz für die 2. Liga beantragen. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Lizenzierungsverfahren.

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Von Andreas Reiners

Da war es wieder, das Unwort: Abstieg.

Ein Wort, mit dem sich Borussia Dortmund seit geraumer Zeit immer intensiver beschäftigen muss. Ein Wort, das beim BVB eigentlich keiner in den Mund nehmen will. Und doch ist es allgegenwärtig. Geistert auch im neuen Jahr durch den Verein. 

„Weihnachten war zwar ruhig, aber nicht wirklich besinnlich. Ich bin nicht jeden Tag vor lauter guter Laune breit grinsend durch die Gegend gelaufen. Die Tabelle ist nämlich immer noch die gleiche“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Trainingslager in La Manga.

Die Tabelle lügt nicht

Und die Tabelle lügt ja bekanntlich nicht: Platz 17, zwei Zähler hinter dem rettenden Ufer. Wäre - Stand jetzt - gleichbedeutend mit dem Abstieg. Klar: In der Rückrunde will die Truppe von Trainer Jürgen Klopp die Aufholjagd starten. Die desaströse Hinserie vergessen machen und die Kritiker verstummen lassen.

Trotzdem muss sich Watzke mit allen Eventualitäten auseinandersetzen. Also auch dem Worst Case. Deshalb ist der BVB-Boss auch gezwungen, zweigleisig zu planen.

Heißt: Damit Borussia Dortmund in der kommenden Saison im Falle des Abstiegs überhaupt in der 2. Bundesliga mitspielen kann, muss der Verein einen Antrag für die Lizenz für die zweithöchste deutsche Spielklasse stellen. Klingt komisch, ist aber so.

Sache von einer halben Stunde

"Ich gehe davon aus, dass wir aufgefordert werden, die Unterlagen einzureichen. Das werden wir machen", bestätigte Watzke in der Sport Bild. Was bei manchen Klubs zu schlaflosen Nächten und Schweißausbrüchen führt, sei für den BVB jedoch «nur eine Sache von einer halben Stunde», weil man die Lizenzbedingungen übererfülle, erklärte Watzke: «Denn es geht hier um Liquidität.»

Beim Lizenzierungsverfahren geht es allerdings um mehr als das. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Verfahren.

Was ist eine Lizenz?

Vereinfacht gesagt: Die Lizenz ist die Voraussetzung für einen Klub, um in der Bundesliga oder 2. Bundesliga mitspielen zu können.

Warum muss der BVB einen Antrag stellen?

Damit Borussia Dortmund im Falle des Abstiegs in der 2. Bundesliga antreten kann. Im Grunde eine reine Formalie also, denn für die Bundesliga muss der BVB sowieso einen Antrag stellen. Dabei werden wie bei allen anderen Bewerbern auch die Voraussetzungen für die Teilnahme am Ligabetrieb überprüft.

Welche Kriterien sind das?

Eine Menge: Sportliche, rechtliche, administrative und personelle, infrastrukturelle und sicherheitstechnische, medientechnische und finanzielle Kriterien. Zu jedem Punkt müssen die Klubs entsprechende Unterlagen einreichen.

Wie läuft das Verfahren ab?

Die Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga müssen die Unterlagen fristgereicht bis zum 15. März einreichen. Danach erfolgt eine Bewertung der einzelnen Kriterien durch Experten. Die wiederum geben eine Entscheidungsvorlage an die DFL weiter. Der Ligaverband entscheidet schließlich in der Gesamtheit der zahlreichen Kriterien über die Lizenzvergabe.

Wann fällt die Entscheidung?

Zeitnah. Bereits Mitte April geben die Experten ihre Empfehlung ab, dann fällt die DFL ihr Urteil: Erteilung der Lizenz ohne oder mit Auflagen oder Bedingungen sowie eine Lizenzverweigerung. Bei Auflagen erhält der Klub grünes Licht, muss diese Auflagen jedoch während der kommenden Saison erfüllen. Sonst drohen Geldstrafen oder Punktabzüge. Gibt es Bedingungen, bekommen die Klubs einen Aufschub um nachzubessern, die endgültige Entscheidung fällt dann Ende Mai.

Gegen jede Entscheidung haben die Klubs die Möglichkeit einer Beschwerde, um neue Tatsachen vorzulegen. Diese werden erneut geprüft. Sollte es zu keiner Einigung kommen, kann Beschwerde beim Lizenzierungsausschuss des Ligaverbandes eingelegt werden. Der entscheidet schließlich endgültig.

Wozu überhaupt ein Lizenzierungsverfahren?

Auch hier vereinfacht gesagt: Um den Spielbetrieb kurz- und auch langfristig zu sichern. Für wirtschaftliche Stabilität, maßvolles Wirtschaften, fairen und gesunden Wettbewerb. Das Verfahren ist mit ein wichtiger Grund dafür, dass die Bundesliga im internationalen Vergleich wirtschaftlich sehr gut dasteht. Und sich beim Financial Fairplay keine Sorgen machen muss. Das Verfahren gibt es seit der Bundesliga-Gründung 1963 und hat sich seitdem stetig weiterentwickelt.

Gab es bereits Lizenzverweigerungen?

Ja, und zwar nicht wenige. 18 Lizenzverweigerungen gab es in der Bundesliga und 2. Bundesliga bislang, dazu einen Lizenzentzug. Die häufigsten Gründe dafür waren Verletzungen von Lizenzbedingungen oder das Versäumen einer Ausschlussfrist. Daneben gab es auch schon Klubs, die ihre finanzielle Situation aufgehübscht haben, um die Lizenz zu bekommen.

Auch der BVB selbst stand schon kurz vor dem Lizenzentzug. Nach jahrelanger Misswirtschaft drückten den Klub 2005 Schulden in Höhe von über 160 Millionen Euro, der Ruin, der finanzielle Kollaps drohte.

In praktisch letzter Sekunde stimmten jedoch alle Gläubiger des BVB einem Sanierungskonzept zu und retteten den Verein so vor der Insolvenz. Die Lizenzerteilung durch die DFL erntete jedoch teilweise ebenso harsche Kritik wie die Tatsache, dass der BVB bereits ein Jahr zuvor trotz der finanziellen Schieflage grünes Licht erhalten hatte.

So weit wird es im Falle des Abstiegs aber diesmal nicht kommen. Denn Liquidität ist für den BVB trotz der sportlichen Misere kein Problem: Im vergangenen Geschäftsjahr machte der BVB einen Umsatz von 260 Millionen. Dabei erzielte er einen Nettoerlös von zwölf Millionen Euro.

Im Falle des Abstiegs wäre das jedoch nur ein kleiner Trost.

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