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Jürgen Klopp beim Testspiel von Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf
Jürgen Klopp ist seit 2008 Trainer von Borussia Dortmund © Getty

Dortmund - Konzentriert, fokussiert und optimistisch gehen Jürgen Klopp und Borussia Dortmund die Rückrunde in der Bundesliga an. Der Coach steht vor seiner vielleicht härtesten und schwersten Aufgabe.

Vom BVB berichtet Thorsten Langenbahn

Sehr fokussiert und konzentriert.

Das sind die BVB-Spieler zurzeit laut Aussage ihres Trainers. Sie seien sich der Lage bewusst, so Jürgen Klopp. Borussia Dortmunds Chefcoach geht's da nicht anders.

"Ich habe übrigens Dschungel-Camp in diesem Jahr noch nicht einmal gesehen", schickte Klopp auf der heutigen Pressekonferenz einer - sportlich gelagerten - Frage des RTL-Reporters vorweg.

Bloß nicht ablenken lassen

"Nur der BVB", lautet sein Motto für den bevorstehenden Abstiegskampf. Das hat Klopp in der gut dreiwöchigen Vorbereitung wiederholt betont. Links und rechts gibt es derzeit nichts anderes. Für triviale Ablenkung bleibt da erst recht keine Zeit.

Dem Dortmunder Trainer ist die Vorstartspannung vor dem Rückrundenbeginn bei Bayer Leverkusen am Samstag (ab 18.00 Uhr LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVE TICKER) deutlich anzumerken.

"Angespannt, sehr angespannt. Wie vor einer sehr, sehr wichtigen Prüfung", sagte Klopp auf SPORT1-Nachfrage zu seiner Gefühlslage. "Wo man auch, egal wie gut man vorbereitet ist, nicht reingeht und denkt: Kommt, fragt was ihr wollt, ich habe die Antworten schon."

Fokussiert, ruhig und optimistisch

Seine Suche nach Antworten auf den Absturz der Hinrunde hat Spuren hinterlassen. Die Strapazen sind in seinem Gesicht ablesbar. Zum Scherzen ist dem 47-Jährige derzeit nicht zumute. Verbales Vorpreschen ist in diesen Tagen nicht angebracht. Das ist Klopp nur allzu bewusst.

"Wir sind uns vollkommen im Klaren darüber, dass wir einen ganz, ganz langen und schweren Weg vor uns haben. Aber wir sind jetzt trotzdem in einer völlig anderen Verfassung, als wir das zum Ende der Hinrunde waren", sagt Klopp mit dem Blick nach vorn gerichtet.

Seine Hände ruhen bei diesen Worten übereinanderliegend auf dem Tisch. Geduldig beantwortet er die Fragen der Journalisten, hört genau zu, konzentriert, fokussiert. Kein Wasser, kein Kaffee, nur der BVB.

"Angemessen optimistisch" sei er, sagt Klopp mit ruhiger Stimme. „Ich freue mich auf den Start und dass wir nicht mehr nur drüber sprechen, was wir alles vorhaben, sondern dass wir das jetzt auch umsetzen dürfen", erklärt Klopp.

Klopp: Favorit ist Leverkusen

Im Trainingslager hatte er noch gereizt reagiert, als die Frage nach den Problemen gestellt wurde. Klopp ist die Probleme leid. Genau wie die Fragen danach. Er möchte sie lösen.

Die erste von den 17 zu lösenden Prüfungen in der Bundesliga ist ganz sicher nicht die leichteste. Der Tabellenvorletzte beim Dritten. Die Konstellation ist klar, die Favoritenrolle liegt bei den Gastgebern.

Als Vorteil sieht Klopp das nicht an, wohl aber den Zeitpunkt des Duells. „Es ist mir lieber, wir treffen jetzt auf sie, als in fünf, sechs Wochen, wenn sie auch noch absolut eingespielt sind“, sagt Klopp.

Ein erfolgreicher Start würde ihm und seinen Spielern einen großen Teil des Gewichts von den Schultern nehmen. Noch schleppen sie den Rucksack der katastrophalen Hinrunde mit sich herum.  

Die Hinrunde steckt weiter in den Köpfen

Den Ballast abwerfen. Mit allen Mitteln. Nichts wünscht Klopp sich mehr. „Ich habe gehört, ein Hypnotiseur hat sich angeboten. Das wird wahrscheinlich nur mit Hypnose gehen, dass wir die Hinrunde komplett hinter uns lassen", sagt Klopp mit ernster Miene.

Klopp wäre nicht der Macher und Motivator, als den die Fans in ganz Deutschland ihn schätzen gelernt haben, wenn er aus diesen Negativerlebnissen nicht neue Erkenntnisse ziehen würde.

"Wir haben viel gemacht und vieles davon hat uns auch besser gemacht. Wir sind einen großen Schritt weitergekommen", beurteilt Klopp die Vorzeichen auf einen Neustart 2015 positiv.

Klopps schwierigste Prüfung: Klassenerhalt

"Das bedeutet nicht, dass jedes Spiel gewonnen wird, aber die Chance darauf ist da. Und um die haben wir uns gekümmert", sagt er, ganz Realist.

Nach 22 Minuten hat Klopp alle Fragen beantwortet. Entschlossenen Schrittes marschiert er in Richtung Tür des Presseraums, in der Hand einen zusammengerollten gelben Schnellhefter wie aus der Schule.

Die nächste Prüfung namens Klassenerhalt steht bevor. Es könnte Klopps schwerste werden.

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