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SPORT1-Reporter Christoph Lother (l.) traf Schalkes Horst Heldt zum Interview
SPORT1-Reporter Christoph Lother (l.) traf Schalkes Horst Heldt zum Interview © SPORT1

Doha - Horst Heldt spricht im SPORT1-Interview über seine Erwartungen an Nastasic, Sorgenkind Boateng und Höwedes' Wechselgedanken.

Roberto Di Matteo wollte ihn. Und er bekam ihn.

Matija Nastasic, den der FC Schalke 04 zunächst bis Saisonende von Manchester City ausleiht, ist der erklärte Wunschspieler seines neuen Trainers.

Und nicht nur das. Für Manager Horst Heldt ist die Ausleihe des serbischen Nationalspielers auch eine Ansage an die Konkurrenz. Die Schalker wollen auch weiter im Konzert der Großen mitspielen.

Im SPORT1-Interview spricht Heldt über seinen Transfercoup, die königsblauen Verletzungssorgen, mögliche Titelambitionen, die enttäuschende Hinrunde von Kevin-Prince Boateng und die Wechselgedanken von Kapitän Benedikt Höwedes.

SPORT1: Neuzugang Matija Nastasic ist der erklärte Wunschspieler von Trainer Roberto Di Matteo, seine Verpflichtung war eine zähe Angelegenheit. Was macht diesen Mann so besonders? Warum wollten Sie ihn unbedingt haben?

Horst Heldt: Roberto kennt ihn noch aus seiner Zeit in England. Er ist ein sehr zweikampfstarker und robuster Spieler. Manchester City hat vor gut zwei Jahren 15 Millionen Euro für ihn an den AC Florenz überwiesen. Allein das zeigt schon seinen Stellenwert. Bei City hat er im ersten Jahr dann gleich eingeschlagen wie eine Bombe, durfte unter dem damaligen Trainer Roberto Mancini viele Spiele machen. Später hat sich seine Situation durch einen Trainerwechsel dann verändert.

Manchester City v Arsenal - FA Community Shield
Matija Nastasic wurde in der Jugend bei Partizan Belgrad ausgebildet © Getty Images

SPORT1: In der laufenden Premier-League-Saison kam Nastasic kein einziges Mal zum Einsatz. Ist der Transfer ein Stück weit auch ein Risiko?

Heldt: Er hat in der Tat so gut wie gar nicht gespielt in der Hinrunde, höchstens mal bei Testspielen. Wir werden ihn schon fragen, woran das lag. Aber nichtsdestotrotz sind wir von seinen Qualitäten überzeugt. Er hätte nicht so lange bei Florenz oder City unter Vertrag gestanden wenn er nichts könnte.

SPORT1: Nastasics Marktwert wird auf fast 20 Millionen Euro geschätzt, es handelt sich also durchaus um einen Transfer mit Gewicht. Soll er auch ein Zeichen dafür sein, dass sich auf Schalke etwas bewegt?

Heldt: Erst mal leihen wir ihn aus. Ob er im Sommer dann endgültig kommt, ist ja noch nicht sicher. Aber natürlich soll es ein Zeichen nach innen und nach außen sein. Wir wollen zeigen, dass wir zu solchen Transfers in der Lage sind und auf Dauer in der Champions League vertreten sein wollen.

SPORT1: Das Trainingslager in Doha war von vielen verletzungsbedingten Rückschlägen geprägt. Fürchten Sie einen problematischen Start in die Rückrunde?

Heldt: Unser Verletzungspech ist tatsächlich gravierend, aber es bringt nichts zu jammern. Ich denke, dass wir uns trotz der vielen Ausfälle schon eine ganz gute Ausgangslage geschaffen haben. Die Spieler, die zur Verfügung stehen, haben gezeigt, dass sie durchaus etwas können. Unser Auftaktprogramm mit den Spielen gegen Hannover, Bayern und Gladbach hat es zwar in sich und wird spannend, aber Sorgen mache ich mir nicht.

SPORT1: Ziel dürfte - wie von Ihnen bereits angedeutet - die erneute Qualifikation für die Champions League sein. Wäre alles andere schon eine Enttäuschung?

Heldt: So würde ich das nicht sagen. Nicht, weil ich mir ein Alibi verschaffen will, sondern weil man immer die ganze Saison betrachten sollte. Mit unseren vielen Verletzten hatten wir in der Hinrunde eben schon ein paar Probleme und auch in der Rückrunde wissen wir nicht genau, wer wann wieder eingreifen kann. Das macht die Sache nicht einfach.

SPORT1: Klaas-Jan Huntelaar kündigte zuletzt an, mit Schalke künftig wieder um den Titel mitspielen zu wollen. Wann trauen Sie sich wieder, von der Meisterschaft zu reden?

Heldt: Zunächst einmal finde ich es gut, wenn ein Spieler sich so etwas vornimmt. Ziel eines jeden Spielers muss sein, etwas Großes zu erreichen und Titel zu gewinnen. Ich behaupte nicht, dass wir die Bayern innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre da oben ablösen. Ich denke aber auch nicht, dass die Bayern in den nächsten zehn Jahren ununterbrochen Meister werden. Das haben sie in der Vergangenheit auch nicht geschafft. Es gibt immer Vereine, die da dazwischen funken können. Da möchten wir natürlich dazu gehören.

SPORT1: Einer, der in der Hinrunde nicht gerade überzeugen konnte, ist Kevin-Prince Boateng. Erwarten Sie im neuen Jahr mehr von ihm?

Heldt: Kevin hatte in der Hinrunde Probleme, da gebe ich Ihnen Recht. Er war immer wieder verletzt und selten bei hundert Prozent. Er konnte sich sicher nicht so einbringen wie wir das sonst von ihm gewohnt sind. Aber ich denke, man sollte jedem Spieler auch mal eine Schwächephase zugestehen. Im Trainingslager macht er bislang einen guten Eindruck, kann jede Einheit voll mitmachen. Das dürfte ihm Auftrieb geben.

SPORT1: Benedikt Höwedes sagte am Ende der Hinrunde, dass es ihn durchaus reizen würde, früher oder später mal im Ausland zu spielen. Was halten Sie davon und wie wichtig wäre es, ihn langfristig auf Schalke zu behalten?

Heldt: Natürlich ist Benedikt eine Identifikationsfigur für unsere Fans. Er ist einer aus der Knappenschmiede, der sich bis zum Weltmeister hochgearbeitet hat. Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Grundsätzlich halte ich solche Gedanken aber für legitim, gerade in seinem Alter. Ich denke auch nicht, dass es so akut ist. Er hat hier noch einen Vertrag bis 2017 und ich kann mir genauso gut vorstellen, dass er seine Karriere auf Schalke beendet.

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