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Klaus Toppmöller-Borussia Dortmund
Klaus Toppmöller trainierte in der Bundesliga den Vfl Bochum, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und den Hamburger SV © SPORT1

München - Klaus Toppmöller hat mit Bayer Leverkusen einen ähnlichen Absturz erlebt wie in der laufenden Saison Borussia Dortmund. Bei SPORT1 spricht der ehemalige Bundesliga-Trainer über die Talfahrt des BVB und Wege aus der Krise.

Klaus Toppmöller kann sich sehr gut in Jürgen Klopp hineinversetzen. Der 63-Jährige war in der Saison 2002/03 als Trainer von Bayer Leverkusen in einer ähnlichen Situation wie der Coach von Borussia Dortmund in der aktuellen Spielzeit.

Toppmöller kam 2001 nach Leverkusen und wurde nur ein Jahr später zum "Trainer des Jahres" gewählt. Die Rheinländer wurden unter ihm in allen drei Wettbewerben - Meisterschaft, Pokal und Champions League - Zweiter, was dem Klub den Titel "Vizekusen" einbrachte. Doch unter dem Strich war es ein erfolgreiches Jahr.

Vergleichbare Situation

An das, was in der darauffolgenden Saison passierte, denkt Toppmöller allerdings ungern zurück. Bayer stürzte ab und fand sich im Winter 2002 plötzlich im Abstiegskampf wieder. Für Toppmöller gibt es daher durchaus Parallelen zwischen Leverkusen 2002/03 und dem BVB 2014/15.

"Man kann unsere Situation absolut mit der des BVB in diesem Jahr vergleichen. In Dortmund gab es in der Hinrunde mit Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marco Reus und Jakub Blaszczykowski einige gravierende Ausfälle", sagt Toppmöller im Gespräch mit SPORT1.

Und auch die Dortmunder rutschten als Vizemeister der Vorsaison böse ab. Nach der Hinrunde trennt die Borussia nur ein einziges Tor vom Tabellenletzten SC Freiburg.

Toppmöller lehnt Trainer-Diskussion ab

Dass die Verantwortlichen des BVB dennoch weiter an Klopp festhalten, findet Toppmöller richtig. "Der Verein verhält sich wunderbar, indem man Ruhe bewahrt und Klopp Rückendeckung gibt."

Borussia Dortmund-Jürgen Klopp
Jürgen Klopp (l.) ist seit 2008 Trainer von Borussia Dortmund © Getty Images

Eine Trainer-Diskussion hält Toppmöller auch weiterhin für unangebracht. Klopp sei schließlich "nicht schlechter geworden als letztes Jahr. Er wurde damals als Europas Trainer des Jahres gehandelt und soll jetzt alles verlernt haben? Er ist nach wie vor ein sehr guter Trainer."

Entlassung nicht nachvollziehbar

Dass Toppmöller im Gegensatz zu Klopp in der Krise damals seinen Hut nehmen musste, kann er immer noch nicht nachvollziehen: "Ich war immer einer, der aneckt mit seiner Meinung. Und die großen Medien haben dann irgendwann gegen mich geschossen."

Auf die Frage, ob Klopp bei anhaltender Erfolglosigkeit womöglich doch von sich aus hinschmeißen könnte, meint Toppmöller nur: "Klopp soll keine Dummheiten machen, auch wenn der Druck zu groß werden sollte."

Auf Toppmöller wurde der Druck einst immer größer. Am 16. Februar 2003 war Schluss für ihn unterm Bayer-Kreuz. Sein Nachfolger, der bisherige Amateurtrainer Thomas Hörster, vermochte ebenfalls nicht, Bayer aus der Abstiegszone zu führen.

Erst Klaus Augenthaler schaffte mit der Werkself den Klassenerhalt. "Für mich war die Entlassung damals völlig unverständlich. Man sieht ähnliche Probleme jetzt beim BVB", sagt Toppmöller.

Absturz nach der WM

Seine Spieler hatten wie in diesem Jahr die Dortmunder damals nach der WM 2002 "keine richtige Vorbereitung. Die Jungs gingen auf dem Zahnfleisch, weil sie nach der erfolgreichen Saison noch bei der WM dabei waren", erklärt "Toppi".

"Lucio und Ze Roberto spielten im Finale und Yildiray Bastürk war mit der Türkei im Spiel um Platz drei dabei. Da kann man sich vorstellen, wie die zurückkamen."

Und weiter: "Bernd Schneider, Oliver Neuville und Jens Nowotny waren zudem allesamt verletzt. Ich wusste damals, dass die neue Saison schwer werden würde." Er selbst hatte "in dem Jahr keine freie Minute".

Marco Reus und Sokratis beim BVB-Training
Marco Reus (l.) wechselte 2012 von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund © Getty Images

Mangelnde Fitness als Hauptproblem

Das Problem seien vor allem die Verletzten gewesen, glaubt Toppmöller: "Bei Bayern spielt das keine Rolle, wenn da drei Leistungsträger fehlen. Doch dem BVB macht das schon zu schaffen, obwohl man eine gute Mannschaft hat. Aber wenn fünf bis sieben Stammspieler ausfallen, schaffen die das auch nicht."

Der Ex-Bayer-Coach musste im Herbst 2002 in Leverkusen mit Spielern arbeiten, "die eigentlich zur zweiten Mannschaft gehörten, plötzlich aber waren das meine Stammspieler. Da war es selbstverständlich, dass wir das Niveau nicht halten konnten." 

Die mangelnde Fitness einiger Stammspieler war auch Klopps Problem in der Vorrunde, wie er in der "Sport Bild" zugibt: "Wenn jemand spielt, der nicht zu 100 Prozent fit ist, macht er Fehler. Das ist, als wenn jemand nach 72 Stunden Schlafentzug eine Schach-WM spielen muss."

WM-Finale als Tiefschlag

Der Leverkusener Absturz hatte aber auch psychische Gründe, erklärt Toppmöller: "Wir wurden damals Zweiter, dann verloren meine Jungs auch noch das WM-Finale in Japan gegen Brasilien 0:2. Da waren die Spieler natürlich am Boden. Das sind alles nur Menschen und keine Maschinen."

Das Selbstbewusstsein sei damals aber "nicht komplett im Keller" gewesen, erinnert sich Toppmöller. Man habe "viel gesprochen, aber die genannten Spieler waren nun mal nicht so fit wie im Jahr zuvor. Beim BVB war das in der Hinrunde ähnlich, der Körper fordert nun mal seinen Tribut."

Champions League statt Abstieg

Der frühere Nationaltrainer Georgiens (2006-08) glaubt dennoch fest daran, dass es in der Rückrunde bei den "Schwarz-Gelben" wieder aufwärts gehen wird: "Die kommen eher in die Champions League, als dass sie absteigen."

Der BVB werde "nie und nimmer absteigen. Genau wie Leverkusen damals." Es sei "eine Sondersituation", betont Toppmöller. "Das ist ein absolut verlorenes Jahr. Die Strapazen mit Champions League und WM waren einfach zu groß."

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