La Manga - Mats Hummels will nach dem Achterbahnjahr 2014 mit Weltmeisterschaft und BVB-Tief ein neues Kapitel aufschlagen.

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Aus dem Dortmunder Trainingslager in La Manga berichtet Thorsten Langenbahn

Mats Hummels ist ein Kerl wie ein Baum: 1,92 Meter groß, 90 Kilogramm schwer, stämmig, breite Schultern.

So wie er da im Mannschaftshotel im kurzen T-Shirt auf dem Podium sitzt, im Hintergrund das schwarzgelbe BVB-Logo und der kräftige Puma des Ausrüsters, würde man vermuten, diesen Typen wirft so schnell nichts um.

Doch der Absturz des amtierenden Vizemeisters in den Tabellenkeller brachte den ganzen Klub ins Wanken – und mit ihm auch Hummels.

Kater nach der Euphorie

"Am Ende der Vorrunde war es so, dass wir ein Problem mit dem Selbstvertrauen hatten", sagt der Weltmeister, der als Sinnbild der Dortmunder Krise im vergangenen Jahr steht.

Nach der WM-Euphorie folgte ein schwerer Kater. "Ich hatte die WM weniger im Kopf, sondern mehr im Knie", sagt Hummels heute.

Knieverletzung, Beckenschiefstand, Probleme am Fersenbein. Die Verletzungssorgen ließen den 26-Jährigen nach dem WM-Gewinn im Sommer nicht mehr los.

BVB-Kapitän Mats Hummels wechselt im Sommer zum FC Bayern
Mats Hummels folgte Sebastian Kehl als Kapitän des BVB © getty

"Die Spiele, bei denen ich mich fit gefühlt habe oder keine Schmerzen hatte, kann ich an einer Hand abzählen", so Hummels. Nur zehn Ligaspiele absolvierte er in der Vorrunde.

Es fehlte die Kraft – und dadurch die Konstanz. Beides soll durch die Einheiten in La Manga zurückkehren. Zuerst die Kraft. Dann die Konstanz.

"Im Moment sieht alles sehr gut aus. Ich habe im Winter ein bisschen mehr machen dürfen und bin in einer guten Verfassung. Wenn ich verletzungsfrei durchkomme, ist die Grundlage gegeben so zu spielen, wie ich das von mir erwarte", sagt er nüchtern.

Seine eigene Erwartungshaltung ist äußerst hoch. Der Kopfmensch Hummels macht sich dabei auch über das Rasen-Rechteck hinaus Gedanken.

Durchstarten nach dem Übergangsjahr

Dass er seine neue Rolle als Spielführer des BVB bisher nicht wie gewünscht ausfüllen konnte, wurmt ihn. Mit dem Neuanfang 2015 will auch Hummels ein neues Kapitel aufschlagen.

Das "Übergangsjahr", wie Hummels es nennt, soll nun abgeschlossen sein. "Ich denke, ab jetzt kann man den Übergang für mich beenden", erklärt er und hofft, "dass ich jetzt, was man von mir auf dem Platz erwartet, auch voll erfülle".

Unterstützung erfährt Hummels nach wie vor von seinem Vorgänger. Sebastian Kehl sei "auch ohne Binde ganz klar Chef der Truppe, weil er eine natürliche Autorität besitzt".

Auch Kehl habe das erst lernen müssen, betont der BVB-Coach. "Jeder muss das lernen. Kapitän zu werden in so einer Halbserie - puuh, das ist kein Kindergeburtstag", sagte Jürgen Klopp im "kicker" über Hummels.

"Dass mit ihm als Kapitän nicht alles rund gelaufen ist, hat nicht dazu geführt, dass wir auf Platz 17 stehen", nimmt der 47-Jährige seinen Führungsspieler in Schutz.

"Mats ist ein ganz klarer Junge, ein herausragender Mannschaftsspieler. Und das werden wir wieder sehen", ist Klopp überzeugt.

Die Vorzeichen stehen derzeit gut, dass Hummels in diesem Jahr öfters vorneweg gehen kann, wie er sich das vorstellt.

Deshalb verschwendet er auch keinen Gedanken an Wechselgerüchte oder den theoretisch noch möglichen Einzug in die Champions League 2015/16. "Es wäre vermessen, davon zu reden oder daran zu denken", sagt er über etwaige Europapokal-Ambitionen.

Gute Stimmung in der Mannschaft

Von der Fitness und Athletik sieht er den BVB gut gerüstet für die schwierige Mission Klassenerhalt. Vom Zusammenhalt sowieso.

"Wir haben untereinander wirklich einen fantastischen Umgang. Das war auch so in den schweren Zeiten, die wir hatten", berichtet Hummels aus dem Innenleben der Mannschaft.

Das Selbstvertrauen ist wieder spürbar. Während ein Großteil des Teams den Abstiegskampf noch nicht kannte, hat Hummels bereits Erfahrungen gesammelt – wenn auch auf einem anderen Niveau.

"Mit den Bayern-Amateuren hatte ich schon die Situation, da haben wir es geschafft", bezieht er Kraft aus der positiven Erinnerung.

Wichtig sei es, "in den ersten Spielen versuchen, direkt in die Spur zu finden", sagt Hummels.

Kraftvoll klingt das. Konzentriert. Und so gar nicht nach WM-Kater.

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