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München - Christoph Daum spricht im SPORT1-Interview über den Abstiegskampf und die Chancen seiner Ex-Klubs Köln und Stuttgart. Dem VfB empfiehlt er eine Abkehr vom Jugendkurs.

Vor knapp vier Jahren erlebte er selbst, wie sich ein Abstieg anfühlt. Als Feuerwehrmann verpflichtet, stürzte Christoph Daum 2011 mit Eintracht Frankfurt in die Zweitklassigkeit.

Er gewann damals nicht ein einziges seiner sieben Spiele auf der Trainerbank - und trat wenige Minuten nach Saisonende zurück.

"Ich tat es damals Heribert Bruchhagen zuliebe. In dieser Situation war der Klassenerhalt eigentlich gar nicht möglich", sagt Daum heute.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 61-Jährige über den Abstiegskampf in dieser Saison, genauer: über seine Ex-Vereine 1. FC Köln (1981 bis 1990 und 2006 bis 2009) und VfB Stuttgart (1990 bis 1993). (DATENCENTER: Tabelle)

Christoph Daum
Christoph Daum gewann 1992 mit dem VfB Stuttgart die deutsche Meisterschaft © Getty Images

Christoph Daum über…

den Abstiegskampf:

"Insgesamt können unglaublich viele Vereine absteigen. Es sind nicht wie in der Vergangenheit nur vier bis fünf Aspiranten, sondern man muss die Zahl auf acht bis zehn ausweiten. Das ist eine neue Situation, dass wir die größte Spannung bei der Frage haben: Wer steigt ab? Ich möchte aber nicht meine Kandidaten nennen, von denen ich überzeugt bin, dass sie nicht die Klasse halten. Aber der VfB Stuttgart gehört nicht dazu."

die Lage in Stuttgart:

"Auf Grund der Historie passt es einfach nicht in unser Vorstellungsvermögen, dass sie absteigen. Aber es gibt ein Worst-Case-Szenario, mit dem man sich auseinandersetzen muss, um nicht völlig überrascht zu werden. Wie ich den VfB kenne, werden sie intern so ein Szenario durchspielen, aber nach außen vor Selbstbewusstsein strotzen und sagen, dass es keine Rolle spiele."

die Personalsituation beim VfB:

"Die Jugendarbeit, die immer ein Aushängeschild war, wurde infrage gestellt, nachdem man Spieler wie Rudy für gutes Geld abgegeben hat. Nun geht man genau diesen Weg wieder mit Talenten wie Timo Werner. Aber in dieser Situation solch junge Spieler zu entwickeln, ist ein ungünstiger Zeitpunkt. Man überfordert sie damit, wenn man erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen und vorangehen. Der VfB muss versuchen, mit Hilfe der gestandenen Spieler den Klassenerhalt zu schaffen."

Huub Stevens ist Nachfolger von Armin Veh
Huub Stevens ist mit dem VfB Stuttgart Tabellenletzter © Getty

Trainer Huub Stevens:

"Er hat das Retter-Attribut, das der VfB auch braucht. Ich würde ihm vertrauen und auch darauf wetten, dass er mit Stuttgart die Klasse hält. Allerdings halte ich es für eine komische Situation, dass er nicht rechtzeitig in die Planungen für die Saison mit einbezogen wurde."

die Situation in Köln:

"Der FC wird auf jeden Fall die Klasse halten, weil dort eine herrliche Unaufgeregtheit herrscht. Alle wissen, dass es bis zum Ende um den Klassenerhalt geht, dort gibt es keine Illusionen. Keiner wird da unruhig - auch wenn man dem fantastischen Publikum gerne mal wieder einen Heimsieg präsentieren würde."

die Erwartungshaltung in Köln:

"Wenn solch gute Spiele abgeliefert werden wie gegen Dortmund (2:1-Erfolg, d. Red.), schießen die Erwartungen im Umfeld hoch, dann gehen diese schnell wieder Richtung Europa. Die Verantwortlichen lassen sich dadurch jedoch nicht anstecken. Es sind die populistischen Dinge, die ich dort nicht mehr vernehme. Die gute Zusammenarbeit zwischen Trainer Peter Stöger und der Chefetage überträgt sich auf die Mannschaft."

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