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Xabi Alonso (l.) und Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München
Xabi Alonso (l.) und Bastian Schweinsteiger spielen seit Sommer 2014 zusammen beim FC Bayern München © Getty Images

München - Der Motor des FC Bayern stottert noch leicht. Für viele ist das Duo Schweinsteiger und Alonso das Problem. Dabei liegen die Gründe woanders.

Der Pokalschrank eines durchschnittlichen Bundesligisten sollte für drei bis fünf Trophäen ausgelegt sein. So etwas kommt schon zusammen in ein paar Jahrzehnten Profifußball, Turniersiege in türkischen oder kalifornischen Wintertrainingslagern notfalls mit eingerechnet.

Sollten sich Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso eines Tages entschließen, ein Foto ihrer Pokale zu machen, dürften 80 Prozent der Bundesliga erblassen. Zwei WM-Pokale stünden dort, direkt neben den zwei EM-Pokalen. Daneben die drei Champions-League-Trophäen, die leider viel Platz einnehmen, der UEFA-Cup müsste schon gequetscht werden. Für die zusammen acht nationalen Meisterschaften und zehn Pokalsiege bräuchte es wohl schon einen zweiten Schrank.

Nun hat Trainer Pep Guardiola beim FC Bayern München das seltene Glück, in Schweinsteiger und Alonso zwei der größten Pokalsammler und besten Fußballer unserer Tage in seinen Reihen zu wissen.

Doch nach dem holprigen Start der Bayern in die Rückrunde ist vielerorts jedoch schon ein leichtes Raunen zu vernehmen. Alonso und Schweinsteiger gemeinsam auf dem Platz, so wie in den Spielen gegen Wolfsburg (1:4), Schalke (1:1) und Stuttgart (2:0) - das ginge nun gar nicht. Koryphäen auf dem Platz, die sich aber ihrer Stärke beraubten, auf den Füßen stehen, das Spiel langsam machten, weil sie zu ähnlich sind.

(Mehr zum Mittelfeld-Duo des FC Bayern, ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Strunz verteidigt Mittelfeld-Duo

"Ich finde nicht, dass sie ähnlich sind. Alonso spielt eher aus der Tiefe, Schweinsteiger taucht gerne im gegnerischen Strafraum auf", sagt SPORT1-Experte Thomas Strunz.

Ein Blick in die Statistik verrät: Alonso spielt zwar im Schnitt 20 bis 30 Pässe weniger pro Spiel, wenn er zusammen mit Schweinsteiger auf dem Platz steht. Doch weder seine Zweikampfquote (58 Prozent) noch sein Laufpensum (11,8km) haben sich verändert, Alonsos Fehlpassquote liegt mit und ohne Schweinsteiger bei rund 10 Prozent - einem der niedrigsten Werte der Liga.

Bastian Schweinsteiger im Gespräch mit Trainer Pep Guardiola
© Getty Images

Schweinsteiger braucht Spielpraxis 

Ein Tüftler wie Guardiola wird sich seine Gedanken gemacht haben, ob und wie er seine Schlüsselspieler gemeinsam gewinnbringend einsetzt. "Alle Spieler in unserem Kader können zusammenspielen", hatte er lapidar Fragen nach der Vereinbarkeit der beiden abgetan. 

Durch die Verletzungen von Lahm, Thiago und Martinez fehlen Guardiola letztlich auch Alternativen. Schweinsteiger braucht nach wie vor Spielpraxis, und wenn er sie jetzt angesichts von noch immer acht Punkten Vorsprung in der Liga und machbaren Gegner in der Champions League (Donezk) und DFB-Pokal (Braunschweig) nicht bekommt, wann dann?

"Ich glaube, dass viele Spieler einfach noch nicht in Form sind", sagt Strunz und nennt den simplen, aber offensichtlichen Grund für die noch nicht rund laufende Maschinerie der Mannschaft, die in der Hinrunde so viele Bestmarken pulverisierte.

Müller, Götze, Lewandowski – die Luxus-Offensive des Rekordmeisters hat, höflich formuliert, noch Potenzial nach oben. Arjen Robben ausgenommen, aber der befindet sich seit zwei Jahren in Weltklasseform. Dass die Balance im Spiel der Münchner noch fehlt, ist unverkennbar. Wolfsburg hat genug Klasse, die Bayern zu schlagen, Schalke ermauerte sich in 75-minütiger Überzahl ein 1:1.

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
© Getty Images

Schnelligkeit als Problem

"Die Abwehrreihe spielt zu risikoreich, zudem haben sich auch andere Teams in der Winterpause Gedanken gemacht", führt Strunz weiter aus. In der Tat waren es bei der Auftaktniederlage in Wolfsburg die absurd hoch stehende Defensivreihe des Rekordmeisters, die Spieler vom Schlage und des Tempos eines Kevin de Bruyne einluden, alleine auf Manuel Neuer zuzulaufen.

Beide, Alonso wie Schweinsteiger, waren noch nie die Schnellsten auf dem Rasen, sie brauchen klug verteidigende Mitspieler um sich herum. Guardiola formulierte es im Guardiola-Stil: "Der Ball ist schneller als der schnellste Spieler der Welt." Blöd nur, wenn der schnelle Ball an den Füßen der Ronaldos, Bales oder de Bruynes klebt. Dann setzt es empfindliche Klatschen, die die Bayern und Guardiola in diesem Jahr zwingend vermeiden wollen.

Noch haben Schweinsteiger und Alonso Zeit, aus ihrer Ko-Existenz auf dem Feld mehr zu machen als eine pragmatische Übergangslösung. Eine gefestigte Sechser-Beziehung, zum Beispiel. Mit einem noch praller gefüllten Pokalschrank.

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