Video

Bremen - Werder Bremen springt nach dem Sieg gegen Leverkusen auf Rang acht. Doch von Europa will an der Weser niemand etwas wissen. Bayer hingegen muss bangen.

Die Spieler genossen den Moment sichtlich. Die Profis von Werder Bremen marschierten in die Kurve, ließen sich feiern, schossen mit ihren Smartphones Siegerfotos.

An der Seitenlinie bejubelte auch Viktor Skripnik ausgelassen den 2:1 (2:1)-Erfolg gegen Bayer Leverkusen vor 39.653 Zuschauern im Weserstadion. Der Trainer gilt dabei als Vater des Erfolgs. Unter seiner Regie holten die Hanseaten nun 22 Zähler in elf Partien und feierten den vierten Sieg in Folge. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan)

Clemens Fritz nach Werder Bremens Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen in der Fankurve
Clemens Fritz und Werder Bremen feiern gegen Bayer Leverkusen den vierten Sieg in Folge © Getty Images

Damit verbunden ist der Sprung auf Platz acht. Der Anhang hat sich mittlerweile vom Abstiegskampf verabschiedet, stimmte während der 90 kämpferischen Minuten sogar Europapokal-Lieder an. (DATENCENTER: Tabelle)

Skripnik schaut nur nach unten

So weit denken die Verantwortlichen an der Weser dann aber doch nicht, ersticken die aufkommende Euphorie direkt im Keim.

"Unsere Tabellensituation sieht jetzt sehr gut aus", sagte Skripnik zwar. Zu Recht: Lagen die Hanseaten in der Winterpause noch 13 Plätze hinter Bayer, sitzen sie dem Champions-League-Achtelfinalisten nun bereits mit nur noch sechs Punkten Rückstand im Nacken. Dennoch beteuerte der Coach, trotz sieben Punkten Vorsprung auf Platz 16 "nach unten zu schauen, nicht nach oben".

Auch Davie Selke beteuerte, dass der Abstiegskampf nicht in Vergessenheit gerät. "Es ist wichtig", sagte der Torschütze, "dass wir nicht vergessen, wo wir herkommen." Natürlich höre er die Gesänge des Publikums gerne, "aber wir müssen realistisch bleiben".

Denn Fakt ist: Trotz der jüngsten Erfolgserlebnisse ist bei Werder längt nicht alles Gold, was glänzt. Selke nach Flanke von Fin Bartels (17.) und Zlatko Junuzovic per direkt verwandeltem Freistoß (29.) besorgten zwar die Führung, doch Werder hatte am Ende Glück, dass Leverkusen durch Hakan Calhanoglu (43.) nicht mehr als der Anschlusstreffer gelang. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Teamgeist gestärkt

Hatte die Skripnik-Elf im ersten Durchgang über weite Strecken mit ordentlichem Fußball dagegen gehalten, ging es im zweiten Durchgang gegen drückende Gäste ausschließlich über den Kampf. "Genau diese Mischung brauchen wir. Wir können noch nicht 90 Minuten lang durchmarschieren", erklärte der Trainer.

Doch die nötigen Tugenden, sie waren vorhanden. Was die meisten Profis als grundlegend erachteten. "Wir werden immer mehr zum Team. Jeder kämpft für den anderen, jeder läuft für den anderen. Das hat man gerade in der zweiten Halbzeit gesehen, wie wir das über die Zeit gebracht haben", analysierte Selke. (SERVICE: Die Statistiken des Spiels)

Ähnlich schätzte es Jannik Vestergaard ein: "Das Spiel war alles andere als schön, es war ein Kampf. Aber großes Lob an die Mannschaft, der Sieg tut natürlich gut. Wir sind in einer Entwicklung und müssen weiter an Defensive und Offensive arbeiten."

Leverkusens Offensivspiel lahmt

Gleiches könnte man mittlerweile auch von Bayer Leverkusen behaupten. Von dem hoch gelobten Angriffspiel der Werkself unter Coach Roger Schmidt ist kaum noch etwas zu sehen. Die Gegner stellen sich immer besser darauf ein - und Leverkusen findet keine passende Antwort.

Seit sieben Partien erzielte Bayer nicht mehr als einen Treffer - und auch der allgemeine Trend ist ein negativer. Aus den vergangenen vier Begegnungen holten die Rheinländer lediglich fünf Zähler. Damit drohen sie mehr und mehr, den Anschluss an die Champions-League-Plätze zu verlieren.

Dessen sind sich die Leverkusener aber durchaus bewusst. "Dass wir uns sputen müssen, ist klar. Wenn die anderen Mannschaften punkten, dürfen wir nicht viele liegen lassen", sagte Brandt und brachte die Probleme auf den Punkt: Wir sind nicht konsequent im letzten Pass. Wir spielen uns oft ganz gut durch, gehen auf die zweiten Bälle, aber wir kriegen den idealen Pass derzeit nicht hin."

Disput mit dem Schiedsrichter

Entsprechend war die Gemütslage bei Trainer Schmidt, der nach Abpfiff noch dringenden Gesprächsbedarf mit den Unparteiischen sag. Als die Niederlage von besiegelt war, sprang der 48-Jährige sofort auf der Pressetribüne auf, stürmte die Treppen hinunter und nahm sich den vierten Offiziellen Tobias Stieler zur Brust.

Bremen - Leverkusen
Roger Schmidt musste auf der Tribüne Platz nehmen © Getty Images

Zuvor hatte Schmidt wohl einen der ungewöhnlichsten Platzverweise der Bundesliga-Geschichte erhalten. Keine Beleidigung oder direktes Attackieren sollen nämlich die Verbannung auf die Tribüne in der 65. Minute nach sich gezogen haben. Laut Sky begründete Stieler ihn damit, dass Schmidt "unflätig vor sich hin geschimpft" habe.

"Dass ich nicht vor mich hinfluchen darf, wusste ich jetzt auch nicht", sagte Schmidt: "Da haben wir in den letzten Wochen andere Dinge gesehen. Aber wenn ich das nicht darf, muss ich es akzeptieren. Da muss ich mich in den nächsten Wochen im Griff haben und mich hinsetzen und keinen Ton mehr sagen."

Reden muss er aber mit seinem Team, um die Champions League nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel