vergrößernverkleinern
Franck Ribery und Thomas Müller beim FC Bayern
Thomas Müller (l.) kommt bislang auf neun Saisontore, Franck Ribery auf vier © Getty Images

München und Paderborn - Die Bayern zeigen sich in der Bundesliga torhungrig und können ihre eigene Bestmarke knacken. Die Vergangenheit spricht für die Münchner - wenn sie nicht in alte Muster verfallen.

Von Marcel Guboff und Christian Geisler

Willy Brandt war Bundeskanzler. Der Liter Benzin kostete im Schnitt 59 Pfennig. Richard Nixon und Leonid Breschnew mühten sich, den Kalten Krieg nicht heiß werden zu lassen.

Das war in dem Jahr, als die 100-Tore-Marke in der Bundesliga zuletzt geknackt wurde. Rekordhalter ist - wie sollte es anders sein - der FC Bayern München. In der Meister-Saison 1971/72 schafften es die Münchner mit 101 Treffern, diese Hürde zu meistern. Herausragender Stürmer dabei war Gerd Müller, der 40 Mal einnetzte.

Auf diese Zahl dürfte Arjen Robben (derzeit 16) in dieser Spielzeit wohl nicht mehr kommen. Dennoch konzentrieren sich die Stars des Rekordmeisters angesichts ihrer Dominanz in der Bundesliga wohl mittlerweile auch auf Nebensächlichkeiten. Solche wie eben die Torjägerliste.

Müller lässt Robben den Vortritt

Während des 6:0-Erfolgs in Paderborn ließ Hauptschütze Thomas Müller beim Elfmeter Arjen Robben den Vortritt. Ein abgekartetes Spiel, das bereits am Mittagstisch beschlossen worden war.

"Das war ein Geschenk von Thomas. Wir haben vor dem Spiel darüber geredet, unser Kapitän Basti (Schweinsteiger, d. Red.) hat gesagt: 'Du bist vorne mit 14 Toren, wenn ein Elfmeter kommt, dann musst du schießen.' Daran hab ich Thomas noch einmal erinnert", erklärte Robben und ergänzte auf SPORT1-Nachfrage: "Aber beim nächsten Mal schießt er ihn wieder selbst."

Ganz gleich, wer beim möglichen nächsten Strafstoß tatsächlich antritt: Mit 14 Toren in den vergangenen zwei Bundesliga-Partien gegen Hamburg (8:0) sowie Paderborn sind Robben und Co. auf Rekord-Kurs. Wie die damalige Mannschaft von Meister-Coach Udo Lattek 1971/72 erzielte der FC Bayern nach 22 Spieltagen 59 Tore.

Sogar Sammer ist zufrieden

Die Bestmarke scheint nicht unmöglich. Auch wenn Matthias Sammer auf SPORT1-Nachfrage meinte: "Wir hatten jetzt zwei Gegner im unteren Tabellenbereich. Wir lassen uns nicht blenden." Es sind die typischen Worte des Sportvorstandes, der diesmal ein "aber" folgen ließ, weil er wenig Grund zur Klage hatte: "Wir haben nur noch ein kleines bisschen Luft nach oben."

Ein Satz, der die Liga aufhorchen lassen dürfte. Denn bei den Ostwestfalen unterstrich nicht nur Robben seine blendende Verfassung. Robert Lewandowski, zuletzt im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Schachtjor Donezk (0:0) auf die Bank verbannt, lieferte seinen Kritikern mit einem Doppelpack die passende Antwort - und ließ wissen: "Ich hätte gerne noch mehr Tore erzielt."

42 fehlen also noch zur Marke aus der Rekord-Saison. In den verbleibenden zwölf Partien müssen demnach im Schnitt 3,5 Tore her. Vorstellbar ist bei den Münchnern ja grundsätzlich vieles. Aber auf die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola wartet nicht nur Fallobst.

Nach der Partie bei defensiv ausgerichteten Kölnern am Freitag folgen die Aufgaben gegen Hannover, Bremen, Mönchengladbach und Dortmund. Die "Fohlen" hatten den Münchnern schon im Hinspiel (0:0) alles abverlangt, und der BVB zeigt wieder aufsteigende Form. Will heißen: Es warten Gegner, die in der Lage sind, den Münchnern die Rekordjagd zu verderben.

Zweimal nur knapp an der Marke vorbei

Am Ende können es aber auch die Bayern selbst sein, die sich dabei im Weg stehen. In der Königsklasse fehlte gegen Donezk hier und da die nötige Wendigkeit und Frische. Was zu der harmlosen Anzahl von acht Torschüssen führte.

In den vergangenen Jahren waren die Münchner dabei mit 98 beziehungsweise 94 Treffern nah dran an der 100-Tore-Marke, ließ auf der Zielgeraden aber nach.

In der vergangenen Saison sank Bayerns Torquote, nachdem die Meisterschaft am 27. Spieltag feststand, von 2,93 auf 2,14 pro Spiel.

Mehr als ein Schönheitsfehler

Nach Münchener Empfindung mehr als ein Schönheitsfehler: Das Nachlassen in der Liga trug auch zum Nachlassen und Scheitern in der Champions League bei.

Doch Guardiola und Kollegen betonen immer wieder, aus diesem Fehler gelernt zu haben.

Den Beweis dafür können sie in den nächsten Wochen liefern. Und sich mit einem Rekord belohnen.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel