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Die Spieler von Borussia Dortmund nach der Niederlage gegen den FC Augsburg
Komplett bedient nach der Niederlage gegen Augsburg: Die Dortmunder stecken ganz tief in der Krise © Getty Images

Dortmund - Planlos, kopflos, ratlos: Borussia Dortmund schlittert immer tiefer in die Krise. Nuri Sahin versucht die Misere zu erklären, Kapitän Mats Hummels verteidigt den Trainer.

Nuri Sahin rang nach Worten, suchte Erklärungen.

Der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund war auch eine knappe Stunde nach der 0:1-Heimpleite gegen den FC Augsburg noch schockiert. Körperlich war er aus den 90 Minuten ohne Blessuren rausgekommen. Doch psychisch hatte ihn die zweite Halbzeit völlig fertig gemacht.

"Die zweite Halbzeit war katastrophal - von allen. Was wir da gespielt haben, das darf uns nicht passieren", sagte Sahin zu SPORT1 mit Verzweiflung im Gesicht. "Das fühlt sich echt scheiße an", fügte er mit leiser Stimme, fast flüsternd an.

Klopp beschönigt nichts

Die Lage für Borussia Dortmund wird immer ernster
Engagiert, aber erfolglos: Jürgen Klopp. © Getty Images

Planlos, ratlos, kopflos - so hatte der Tabellenletzte gegen Augsburg agiert. Auch die numerische Überlegenheit nach dem Platzverweis gegen Christoph Janker konnten die Dortmunder nicht nutzen (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

"Wenn du in den Millisekunden die falschen Entscheidungen triffst, baut sich das auf. Mit jeder Aktion, die dir nicht gelingt, wird es immer mehr und immer mehr", versuchte Sahin das Dilemma in Worte zu fassen.

Jürgen Klopp versuchte erst gar nicht, den völlig desolaten Auftritt im zweiten Durchgang zu beschönigen. "Heute Abend kann man uns alles vorwerfen", sagte Dortmunds Trainer bei Sky.

Weidenfeller kann Pfiffe nachvollziehen

Das taten die Fans. "Wir wollen euch kämpfen sehen", skandierte die Südtribüne nach dem Abpfiff lautstark. Die ersten Vorwürfe gab es schon während des Spiels. Die Gelbe Wand rumorte, erste Pfiffe. Nach der Partie brach sich der Unmut in einem gellenden Pfeifkonzert Bahn.

Torwart Roman Weidenfeller stellte sich dem schwarzgelben Anhang, kletterte auf den Zaun. Kapitän Mats Hummels suchte ebenfalls den Dialog. "Ich habe völliges Verständnis dafür, dass die Fans hier auch mal unruhig werden. Sie fiebern unheimlich mit uns mit", sagte Weidenfeller hinterher auf SPORT1-Nachfrage.

"Wir brauchen die Geduld in dieser Phase. Wenn wir jetzt alle hektisch und kopflos werden, macht das gar keinen Sinn. Wir müssen da auch weiterhin gemeinsam eine Einheit bilden", appellierte Dortmunds Nummer eins. "Man muss nichts anders machen als bisher", beteuert auch Hummels, "ich glaube nicht, dass jemand die Spiele auf die leichte Schulter genommen hat."

Zu wenig Häuptlinge

Ein Problem: Es fehlen auf dem Platz die Häuptlinge, die die anderen mitreißen, ein Signal setzen können. "Man hat gemerkt, im Moment will niemand so richtig die Verantwortung übernehmen", sagte der frühere BVB-Stürmer Stephane Chapuisat bei SPORT1.fm.

Dazu kommen Totalausfälle wie von Marco Reus oder das kollektive Defensivversagen beim 0:1. Die Suche nach Rezepten gegen die Krise, sie geht nun unvermittelt weiter. "Wir sind genau wie die Fans extrem unzufrieden und momentan echt ratlos", meinte Neven Subotic.

"Wir hoffen, dass es von hier an nur noch aufwärts geht. Aber das hoffen wir seit Wochen, seit Monaten sogar", ergänzte der Serbe. Doch es bewegt sich nichts. Die Misere wird stattdessen immer größer. Vor allem in der Chancenverwertung.

"Man steht vor einer Wand"

"Wer die Tore nicht schießt, kann nicht davon ausgehen, dass wir durch ein Eigentor der Gästemannschaft gewinnen", meinte Weidenfeller. "Man hat echt das Gefühl, man steht vor einer Wand, und versucht irgendwie den Ball durchzustecken, aber es funktioniert nicht", sagte Subotic verzweifelt.

Roman Weidenfeller nach dem Spiel von Dortmund gegen Augsburg
Roman Weidenfeller stellt sich nach der Augsburg-Pleite den Fans. © Getty Images

"Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren", mahnt Weidenfeller. Doch die Nerven sind extrem angespannt. Bei Fans und Verantwortlichen. Trainerwechsel im Team "kein Thema". Ob der Trainer weiterhin der Richtige ist, um die Liga zu halten, dieser Diskussion wird sich der Verein nun stellen müssen.

"Das ist mir völlig egal, was da außen diskutiert wird. Ich denke nicht, dass das der richtige Schritt wäre", sagte Hummels. "In unserer Mannschaft ist das kein Thema", erklärte der Kapitän.

Klopp selbst ist nach wie vor davon überzeugt, den Tabellenletzten zum Klassenerhalt führen zu können. Nach dem gestrigen Tiefschlag muss er als erstes seine niedergeschlagenen Spieler wieder aufrichten. "Ich bin derjenige, der sie wieder in die Spur bringen muss. Und ich werde sie wieder in die Spur bringen", sagte Klopp im Brustton der Überzeugung.

Situation ist "extrem brisant und gefährlich"

In nur drei Tagen müssen sich Sahin und Co. der nächsten Herausforderung stellen. Beim abstiegskampferprobten SC Freiburg erwartet Hummels ein "hammerhartes Spiel".

"Mit jeder Niederlage wird der Druck steigen", weiß Sahin. "Uns ist allen bewusst, dass die Situation brisant und extrem gefährlich ist. Das siehst du in jedem Gesicht, wenn du nach dem Spiel in der Kabine sitzt", sagte der Sechser zu SPORT1.

Jeder weiß: So fährt Dortmund den Karren an die Wand.

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