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Benedikt Höwedes und Christian Fuchs im Spiel des FC Schalke 04 beim FC Bayern München
Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes (r., mit Christian Fuchs) erzielte seine beiden bisherigen Saisontore gegen den FC Bayern © Getty Images

München - Trotz langer Überzahl wagt sich Schalke 04 beim FC Bayern kaum in die Offensive. Die Spieler verteidigen den Stil. Nur Manager Horst Heldt hadert. Ein Debütant hofft.

Horst Heldt überlegte. Runzelte mit der Stirn. "Ich weiß nicht", sagte der Sportvorstand des FC Schalke 04, "was ich mit dem Ergebnis anfangen soll."

Das 1:1 beim FC Bayern hätte er "im Vorfeld sofort unterschrieben", meinte Heldt.

Im Nachhinein sah das anders aus. Denn der Manager wusste: Es war mehr drin für Königsblau.

Ganze 73 Minuten lang hatte das Team von Trainer Roberto Di Matteo in Überzahl gespielt, nachdem Jerome Boateng nach einem Foul an Sidney Sam die Rote Karte gesehen und Eric Maxim Choupo-Moting sogar einen Strafstoß vergeben hatte.

Von der numerischen Überlegenheit der Schalker war allerdings kaum etwas zu sehen. Im Gegenteil. Der Blick auf die Spielanteile ließ gar den Eindruck erwecken, als hätten die Münchner einen Mann mehr auf dem Rasen.

Heldt vermisst Pressing

Daher räumte Heldt ein: "Wenn wir ein bisschen mehr gemacht hätten wäre hier mehr möglich gewesen. Wir hätten mehr Mut in unsere eigenen Angriffe setzen müssen."

Während immerhin Sidney Sam als Vertreter von Klaas-Jan Huntelaar, dessen Sperre auf vier Partien verkürzt wurde, gute Ansätze zeigte, kam Meyer mit seinen Dribblings oft nicht allzu weit. Und Kevin-Prince Boateng blieb blass, verschleppte oft das Tempo statt schnelle und gefährliche Nadelstiche zu setzen.

"Wir haben die Bälle zu schnell verloren. Und erst nach dem Gegentor haben wir etwas gepresst, das hätte man schon früher machen können", so Heldt. Er war der einzige Schalker, der das ausgesprochen hatte, was sich wohl viele gedacht haben.

Höwedes kontert Journalisten

S04 ist die Mannschaft in dieser Saison, die dem übermächtigen Rekordmeister im eigenen Stadion einen Punkt abgetrotzt hat. "Was nicht einfach ist", entgegnete Benedikt Höwedes. Immerhin hätte Schalke es ja geschafft, den Rückstand durch Arjen Robben (67.) postwendend durch Höwedes (72.) zu egalisieren.

Angesprochen auf die Frage eines Journalisten, ob das Remis für einen Champions-League-Teilnehmer nicht zu wenig sei, ob das denn der Anspruch bei dezimierten Münchnern sein könne, war der Kapitän sichtlich um Contenance bemüht: "Ich lasse mir den Punkt nicht schlecht reden."

Schalkes Spieler verteidigen Defensiv-Konzept

Di Matteo beließ es wohl deshalb bei der defensiven Grundausrichtung. Viele neutrale Fußball-Fans wird er damit wohl nicht gewonnen haben. Aber so lange der Erfolg dafür spricht, dürfte er sich bestätigt fühlen.  

Damit haben sie es immerhin auch Timon Wellenreuther einfacher gemacht. Der 19 Jahre alte Torwart feierte sein unverhofftes Profi-Debüt, weil Fabian Giefer zur Halbzeit wegen einer Adduktorenverletzung passen musste.

Debütant Wellenreuther brennt auf mehr

Ausgerechnet beim FC Bayern. Sollte man meinen. Aber Wellenreuther hielt dem Druck stand, parierte etwa stark gegen Arjen Robben (57.), war sowohl am Boden als auch in der Luft souverän. Vor den großen  Namen hatte er keine Angst. "So viel Respekt hatte ich gar nicht", erklärte er. "Ich habe mein Spiel durchgezogen, egal wer vor mir stand - ob Lewandowski oder Robben."

Am Gegentreffer war er machtlos. Dennoch haderte er: "Der perfekte Einstand war es nicht, ich habe nicht zu Null gespielt", sagte er auf SPORT1-Nachfrage, aber: "Gegen Bayern ist es schon eine Hausnummer."

Ob er auch gegen Borussia Mönchengladbach (Fr., ab 20 Uhr im LIVETICKER und im Sportradio SPORT1.fm) das Tor hüten darf, hängt davon ab, was die genaue Diagnose bei Giefer ergibt.

Wellenreuther jedenfalls steht bereit: "Das ist mein Ziel. Ich will ins Tor, ich will spielen." Und im Idealfall die Null halten.

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