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Marwin Hitz wechselte vom VfL Wolfsburg nach Augsburg.
Marwin Hitz wird nach seinem späten Ausgleich geherzt © Getty Images

Augsburg - Beim Remis gegen Bayer Leverkusen sichert sich Augsburgs Torwart seinen Platz in den Bundesliga-Annalen. Hitz trifft in der Nachspielzeit zum Ausgleich. Sogar ein Gegner freut sich.

Als Marwin Hitz sich in der Bundesliga-Historie verewigt hatte, wurde aus der Augsburger Arena ein Tollhaus.

Trainer Markus Weinzierl raste vor Freude wie wild über den Platz und ruderte jubelnd mit den Armen. Die Mannschaftskollegen stürmten völlig hemmungslos auf den Schweizer Torwart zu. Nur die Gäste von Bayer Leverkusen, die erstarrten vor Fassungslosigkeit fast zu Stein. "Solche Geschichten schreibt der Fußball", sagte Weinzierl nach dem spektakulären 2:2 (0:1) des FC Augsburg gegen die Werkself.

Marwin Hitz vom FC Augsburg trifft gegen Bayer Leverkusen
Marwin Hitz trifft zum 2:2 in der Nachspielzeit © getty

Hitz wie ein Goalgetter

Es lief die vierte Minute der Nachspielzeit, als der FCA wirklich alles riskierte. Die Schwaben hatten einen Eckball zugesprochen bekommen und Weinzierl gab seinem Torwart das Signal, nach vorne zu rennen. Viele Trainer vor ihm hatten das bereits getan, aber kaum einer damit Glück.

Hitz jedoch wartete wie ein Mittelstürmer auf den richtigen Moment - und dann plötzlich sprang ihm der Ball vor den Fuß. Eine kurze Drehung, eine Direktabnahme mit dem rechten Spann und drin war er. "Marwin stand goldrichtig", sagte sein Coach, "dass ich einen Torjäger ins Tor stelle, hätte ich auch nicht gedacht".

Auf Rosts und Lehmanns Spuren

Hitz ist der dritte Schlussmann, dem in der 52-jährigen Bundesliga-Geschichte ein Treffer aus dem Spiel heraus gelang. Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann für Schalke 04 (1997) und Frank Rost für Werder Bremen (2002) hatten das vor ihm geschafft. Und dank des Glückschusses des 27-Jährigen darf der FCA als Fünfter weiter von der Europa League träumen.

"Dass Hitz so geschickt lauert und ihn so cool reinhämmert: großes Kompliment", sagte FCA-Manager Stefan Reuter. "Das hätte man als Stürmer nicht besser können", betonte Halil Altintop, der sich bekanntlich beim Toreschießen recht gut auskennt. Sogar Bayers Josip Drmic gratulierte seinem Schweizer Landsmann: "Ich gönne es ihm, es wäre gegen eine andere Mannschaft natürlich schöner gewesen."

Fans feiern Hitz

Minutenlang wurde Hitz nach dem Spiel noch von den Fans enthusiastisch mit Sprechchören gefeiert. Alle, wirklich alle, die es mit Augsburg halten, fühlten sich wie Sieger. Vergessen war das 1:2 von Stefan Reinartz (84.) und die vielen Bayer-Chancen, von denen nur Drmic (8.) noch eine nutzte. Dazwischen war dem Brasilianer Caiuby (59.) der Ausgleich gelungen.

"Es war Partystimmung", fand Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Und Altintop schwärmte: "So etwas habe ich noch nie erlebt, das war atemberaubend."

Hitz selbst registrierte diesen vielleicht einmaligen Moment in seiner Karriere auf der Ehrenrunde durchs Stadion mit einem irgendwie ungläubigen Lächeln und beinahe fragendem Blick. Und bei diesem völlig entrückten Torjubel war er mit seinen Gedanken eigentlich ganz woanders.

"Ich habe gleich an den Anpfiff gedacht. Ich wollte nur kurz jubeln und dann schnell zurück, dann bin aber leider festgehalten worden", sagte Hitz - und lächelte.

Siegtreffer wäre "des Guten zu viel"

Doch die Mannschaft von Roger Schmidt war wie paralysiert, unfähig zu reagieren und kassierte beinahe sogar noch einen Gegentreffer. Altintop traf Sekunden vor dem Schlusspfiff den Pfosten (90.+5).

"Nicht auszudenken, wann dann los gewesen wäre", sagte Weinzierl. Wahrscheinlich wäre vor Freude das Stadion auseinander genommen worden. "Aber das", gab Augsburgs Trainer zu, "das wäre des Guten zu viel gewesen".

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